24.05.2017 von Elsiabeth Rudolph

Tag des Darms

Am Samstag, den 27. Mai 2017, fand bereits zum dritten Mal der „Lange Tag des Darms“ im Wiener Museumsquartier statt. Bei freiem Eintritt drehte sich auch dieses Jahr alles um das Thema Darmgesundheit. Die Initiative ging wieder vom Verein darm plus aus und schließt damit nahtlos an die erfolgreichen Veranstaltungen der letzten beiden Jahre an. Das Programm war umfang- und abwechslungsreich. Highlight waren der 20 m lange, begehbare Darm und die Live Cooking-Einlagen.

2016 zählte man rund 2000 Besucher, die sich umfassend zu chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED), Ernährung und Verdauung informierten. CED nehmen weltweit noch immer zu. Allein in Österreich leiden bis zu 80.000 Menschen darunter. Zu diesen Darmerkrankungen zählen hauptsächlich Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.

Wissenswert

Morbus Crohn ist eine chronisch entzündliche Erkrankung, die alle Schichten der Darmwand betrifft und auch auf Teile des Magen-Darm Traktes übergreifen kann. Meistens kommt es im Übergangsbereich zwischen Dünn- und Dickdarm zu Entzündungen, die durch krampfartige Schmerzen und Durchfall gekennzeichnet sind.

Colitis ulcerosa ist eine chronische Entzündung der Dickdarmschleimhaut. Im Krankheitsverlauf bilden sich auch Geschwüre in der Darmschleimhaut. Krampfartige Schmerzen und blutiger Durchfall sind die häufigsten Symptome. Die Erkrankung tritt schubweise auf und gilt als unheilbar. Menschen, die an Colitis ulcerosa leiden, haben ein höheres Risiko, an Darmkrebs zu erkranken.

Symptome oft verharmlost

Erste Symptome wie Bauchkrämpfe oder Durchfall werden oft abgetan, weiß Evelyn Gross, Jugendbeauftrage der Österreichischen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa Vereinigung. Dabei ist eine rasche Diagnose für den Krankheitsverlauf entscheidend. Denn neben körperlichen Beeinträchtigungen gesellen sich oft auch psychische Probleme dazu. Die Betroffenen haben mit der Tabuisierung und dem fehlenden Verständnis für die Erkrankung schwer zu kämpfen. Die Beschwerden, die von Durchfall bis zu Blutungen und körperlicher Abgeschlagenheit reichen, verändern den Tagesablauf und schränken die Lebensqualität massiv ein, erklärt Gross. Deshalb sollten Aufklärung, Enttabuisierung und die damit wiedergefundene Lebensfreude an oberster Stelle stehen.

Diagnose schwierig

Die Patienten haben oft einen langen Leidensweg hinter sich, denn ein Arzt wird erst aufgesucht, wenn die Bauchschmerzen unterschiedlichen Schweregrades zur Qual werden. In vielen Fällen stecken eine Unverträglichkeit oder Allergie hinter den Beschwerden, die jedoch nicht lebensbedrohlich sind und deshalb oft spät erkannt werden. Harald Vogelsang, Präsident des Vereins darm plus, mahnt dennoch zur Vorsicht, denn die Art und Weise wie sich eine chronisch entzündliche Darmerkrankung bemerkbar macht, ist von Patient zu Patient unterschiedlich. Die Diagnose kommt deshalb oft erst über Umwege zustande. Begleiterkrankungen der Haut, der Gelenke und Augen sind nicht selten.

Adäquate Ernährung wichtig

Für Morbus Crohn und Colitis ulcerosa gibt es bis dato keine Heilung. Mit entsprechenden Medikamenten sind beide Krankheitsbilder jedoch gut therapierbar. Die richtige Ernährung spielt folglich eine große Rolle, denn oft werden einzelne Inhaltsstoffe, wie z.B. Gluten, von Betroffenen schlecht vertragen. Dabei handelt es sich aber nicht immer um Zöliakie, denn diese Erkrankung betrifft nur ca. 1 % der Bevölkerung. Oft liegt auch nur eine Glutenintoleranz vor. In beiden Fällen ist der Verlauf der Symptome ähnlich: Essen die Betroffenen glutenhältige Produkte, treten die Beschwerden auf und es kommt zu entzündlichen Prozessen im Darm. Dabei werden vor allem die Darmzotten angegriffen, sie verkümmern regelrecht und funktionieren nicht mehr einwandfrei. Die Folge ist eine eingeschränkte Verdauungsleistung. Dabei können bereits kleine Mengen des Inhaltsstoffes die Darmwand schädigen. Deshalb ist der diesjährige Schwerpunkt des „Langen Tag des Darms“ das Thema Ernährung. Dazu Vogelsang: “Die medikamentöse Therapie der CED hat sich in den letzten Jahren zwar stark erweitert, aber auch die Umstellung der Ernährung kann in verschiedenen Situationen hilfreich sein.“ Deshalb wird heuer als Highlight der Veranstaltung ein Live Cooking organisiert. Dabei erfahren die Besucher Wissenswertes zur richtigen Ernährung und Alternativen bei Intoleranzen.

Rechtzeitig vorsorgen

Bleiben entsprechende Erkrankungen unbehandelt oder werden fehltherapiert, so kann das schwerwiegende Folgen haben, im schlimmsten Fall kann sich Darmkrebs entwickeln. Oft fehlen aber die richtigen Ansprechpartner und eine genaue Diagnose wird somit hinausgezögert. Das Barmherzige Schwestern Krankenhaus in Wien hat sich auf den gesamten Verdauungstrakt spezialisiert und als Fachklinik dafür etabliert. Der Patient profitiert von der gebündelten Expertise an einem Ort, er erhält eine umfassende Diagnose und wird bei Bedarf an den richtigen Experten weitergleitet, fasst Alexander Klaus, Ärztlicher Direktor des Krankenhauses zusammen. Je früher die Erkrankung diagnostiziert wird, desto eher kann eine entsprechende Therapie greifen, Folgeerkrankungen vermieden werden und die Lebensqualität der Betroffenen verbessert werden.Der Lange Tag des Darms findet am 27. Mai von 10.00-17.00 im Museumsquartier Wien statt. Den Besucher erwartet ein umfangreiches Programm, von Vorträgen, über Selbsthilfegruppen, dem Mittagsevent mit Schwerpunkt Ernährung und Live-Kochen, aber auch eine Koloskopie zum selbst ausprobieren.

Weitere Informationen zum „Langen Tag des Darms“ im Wiener Museumsquartier finden Sie hier.

Lesen Sie mehr über das Thema Darm und Mikrobiom in der ernährung heute 1_2016

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