14.11.2017 von Nina Grötschl

Welt-Diabetes-Tag: Frauen im Fokus

Seit 1991 findet der Welt-Diabetes-Tag jedes Jahr am 14. November statt. Neben der Bewusstseinsförderung und Prävention widmet sich der heurige Aktionstag speziell den genderspezifischen Aspekten.

Derzeit sind 199 Mio. Frauen weltweit von Diabetes betroffen. Tendenz steigend. Zudem wird Diabetes immer öfter bereits bei Frauen unter 40 Jahren diagnostiziert. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) soll die Zahl der Betroffenen bis 2040 auf 313 Mio. steigen.
Neben Übergewicht, Bewegungsmangel, Mangelernährung, Genetik, Familiengeschichte und Rauchen erhöhen auch Schwangerschaftsdiabetes sowie chronische Stressbelastung und Schlafstörungen das Diabetesrisiko – vor allem bei Frauen. Die Erforschung geschlechtsspezifischer Unterschiede in punkto Lebensstil, Sozialstatus und Umwelt steht jedoch noch am Beginn. So geben die internationalen Richtlinien für Diabetesmanagement vor, unter anderem das Alter, die Dauer der Erkrankung und das soziale Umfeld der Betroffenen zu berücksichtigen. Der Faktor „Geschlecht“ wird dabei allerdings ausgeklammert. „Um in der Prävention, Früherkennung und Behandlung von Diabetes Frauen und Männer gleich gut versorgen zu können, brauchen wir eine genderbewusste Diabetes-Forschung“, sagt Univ.-Prof. Dr. Alexandra Kautzky-Willer, von der Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel der Universitätsklinik für Innere Medizin III der Medizinischen Universität Wien. Sie wird zukünftig auch das Präsidentenamt der Österreichischen Diabetes Gesellschaft übernehmen.

Seelische und körperliche Belastung als Risiko    

Frauen sind im Alltag oft doppelt und dreifach belastet. Das Jonglieren zwischen Beruf, Familie und Haushalt führt an die Belastungsgrenzen und das wirkt sich gesundheitlich aus. Beispielsweise verändert chronischer Stress hormonelle Reaktionsmuster. Folglich kommt es zu Störungen bei der Verstoffwechselung von Glukose und Diabetes wird dadurch begünstigt. Diesen Zusammenhang verdeutlicht auch eine schwedische Studie:  Unter chronischem Arbeitsstress und Schichtarbeit ist das Diabetesrisiko bei Frauen deutlich erhöht, bei Männern wirkt sich das interessanterweise gegenteilig aus: Bei ihnen nimmt das Risiko, an Typ 2 Diabetes bei hoher Arbeitsbelastung zu erkranken, ab.
Auch die Ergebnisse einer deutschen Studie zeigen, dass Arbeitsstress und Diabetes in direktem Zusammenhang stehen. Bei Frauen, die unter Arbeitsstress leiden, ist das Risiko um 45 % höher als bei weniger belasteten Frauen. Besonders gefährdet sind Alleinerzieherinnen.
Ebenfalls bekannt ist, dass es einen engen Zusammenhang zwischen Diabetes und Depressionen gibt. Für Diabetiker liegt das Risiko, an Depressionen zu leiden, um 24 % höher als bei nicht zuckerkranken Menschen. Umgekehrt gelten Depressionen als Risikofaktor für Diabetes Typ 2. Bei Frauen sind diese Zusammenhänge ausgeprägter als bei Männern.

Nächtliche Unruhe begünstigt Diabetes Typ 2

Schlafstörungen unterstützen ebenfalls die Entstehung von Diabetes. Wie es um das Risiko insbesondere für Frauen steht, zeigt eine amerikanische Studie. Von jenen, die weniger als sechs Stunden pro Tag schlafen, dabei schnarchen, nicht durchschlafen können oder in Schichten arbeiten, ist fast jede Zweite von der Stoffwechselkrankheit betroffen. Der Grund dafür ist zum Teil hormonell bedingt, denn durch Schlafmangel spielen Hunger und Sättigung steuernde Hormone verrückt. Das hungerauslösende Hormon Ghrelin und das Stresshormon Kortisol werden vermehrt ausgeschüttet. Dadurch kommt es zu Stoffwechselstörungen, die die Entstehung von Diabetes ankurbeln. 

Wissenswertes zu richtigen Schlafhygiene lesen Sie hier. 

Schwangerschaft: Diabetes rechtzeitig erkennen    

Mediziner fordern eine intensivere Frühbetreuung von Schwangeren mit Verdacht auf Diabetes. Denn Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes) betrifft hierzulande ungefähr eine von zehn werdenden Müttern. „Wir beobachten eine deutliche Zunahme von Übergewicht und Adipositas bei gebährfähigen Frauen, was zur Folge hat, dass der Schwangerschaftsdiabetes häufiger wird und auch früher im Verlauf der Schwangerschaft eintritt. […]“, erklärt Priv.-Doz. Dr. Yvonne Winhofer-Stöckl von der Medizinischen Universität Wien. In der Regel werden Schwangere zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche mittels Glukosetoleranztest auf Diabetes Typ 2 getestet. Laut Experten wäre es wünschenswert, Frauen mit erhöhtem Diabetes-Risiko bereits zu Beginn der Schwangerschaft zu testen, um das Risiko für Mutter und Kind so gering wie möglich zu halten. Denn die Wahrscheinlichkeit später an Typ 2 Diabetes zu erkranken, ist sowohl bei Kind, als auch bei der Mutter erhöht.

Wissenswert

 Mit der Initiative „Face Diabetes“ möchte die Österreichische Diabetes Gesellschaft die Wahrnehmung und das Bewusstsein für die Erkrankung schärfen und auf die Bedeutung von Diabetes für Betroffene, Angehörige, und Stakeholder aus gesundheitspolitischen Bereichen aufmerksam machen. 

Mehr zum Thema lesen Sie auf unserer Schwerpunktthemenseite „Diabetes“.

 

Literatur

Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG): Weltdiabetestag 2017: Fokus auf Frauen. Presseinformation vom 8.11.2017.
Österreichische Apothekerkammer: Welt-Diabetes-Tag: Fragen Sie Ihre Apothekerin, Ihren Apotheker! Presseinformation vom 9.11.2017
Kautzky-Willer A, Harreiter J, Pacini G: Sex and Gender Differences in Risk, Pathophysiology an Comlications of Type 2 Diabetes Mellitus. Endocr Rev. 37, 278-316 (2016).
Li Y et al.: Association between sleeping difficulty and type 2 diabetes in women. Diabetologie 4: 719-727 (2016).
Cappuccio FP et al: Quantity and Quality of Sleep and Incidence of Type 2 Diabetes. Diabetes Care 33: 414-420 (2009).
Eriksson AK et al.: Work Stress, Sense of Coherence, and Risk of Type 2 Diabetes in a Prospective Study of Middle-Aged Swedish Men and Women. Diabetes Care 36: 2683–2689 (2013).
Huth C et al.: Job strain as a risk factor for the onset of type 2 diabetes mellitus: findings from the MONICA/KORA Augsburg cohort study. Psychosom Med. 76: 562-568 (2014).




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