16.10.2018 von Elisabeth Rudolph

Welternährungstag

Der Welternährungstag findet seit 1979 jährlich am 16.10. statt. Er erinnert an die Gründung der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) im Jahr 1945. Dieser Tag wird international dafür genutzt, um auf die weltweit hungernden Menschen aufmerksam zu machen.

Im Jahr 2000 legte die UNO Millennium Entwicklungsziele (MDGs – Millennium Development Goals) fest, die bis 2015 umgesetzt werden sollten. Zu den Zielen zählten unter anderem, die Anzahl der Menschen zu halbieren, die unter extremer Armut und Hunger leiden. Ebenso sollte der Verlust ökologischer Ressourcen reduziert werden. Der Welternährungstag soll aber auch auf die Erfolge hinweisen, die im Kampf gegen den Hunger erzielt werden konnten. Seit dem Jahr 2000 hat sich die weltweite Hungersituation deutlich verbessert. Der Welthungerindex (WHI) von 2016 zeigt, dass die Entwicklungsländer die Hungerwerte um 29 % reduzieren konnten. Besonders Afrika südlich der Sahara und Südasien erzielten die größten Verbesserungen. Auch wenn diese Zahlen zumindest am Papier Hoffnung geben, bleibt die Situation in den Ländern sehr ernst. Denn seit 2015 steigt die Zahl an Hungernden wieder an. Laut dem Welthungerindex von 2018 haben knapp 800 Mio. Menschen nicht genügend Lebensmittel oder sauberes Trinkwasser zur Verfügung. Das bedeutet knapp 11 % der Weltbevölkerung leidet an chronischem Hunger und dauerhafter Unterernährung.

Wissenswert

Der Welthungerindex (WHI) gibt Aufschluss über die Welternährung und des Hungers. Vier Indikatoren dienen als Basis für die Berechnungen des Indexes: der Anteil an

- Unterernährten in der Bevölkerung.
- Kindern unter fünf Jahren, die an Auszehrung leiden.
- Kindern unter fünf Jahren, die an Wachstumsverzögerungen leiden.
- Kindern, die sterben, bevor sie das fünfte Lebensjahr erreicht haben.
Der WHI wird seit mittlerweile zehn Jahren von der Welthungerhilfe und dem Internationalen Food Policy Research Institute veröffentlicht.

Wachsende Bevölkerung und Klima als Herausforderung

Die Ernährungssicherung steht zwei großen Herausforderungen gegenüber: der Klimaveränderung und der wachsenden Bevölkerung. Schätzungen zufolge soll die Weltbevölkerung im Jahr 2050 auf 9,6 Milliarden Menschen angewachsen sein. Experten sind sich einig, dass sich in erster Linie die Landwirtschaft anpassen muss, um diesen Anforderungen, auf Ernährungsebene, gerecht zu werden. Die Anpassung betrifft aber nicht nur die Bevölkerungszahl, auch die Veränderung des Klimas. Die Landwirtschaft muss widerstandsfähiger und produktiver werden. Die Klimaveränderung trifft vor allem jene Bauern und Fischer, die aus ländlichen Regionen stammen und schon jetzt von Hunger betroffen sind. Die FAO fordert deshalb, dass einzelne Länder die Ernährungssicherung und Landwirtschaft in die Klima-Aktionspläne aufnehmen. Dadurch soll unter anderem die ländliche landwirtschaftliche Entwicklung gestärkt werden. In diesem Zusammenhang sind auch nachhaltige Konzepte gefragt, denn ein weiterer kritischer Punkt ist die schwindende Artenvielfalt. Über 7000 Pflanzenarten werden für Lebensmittel kultiviert, aber nur ein Bruchteil davon wird konsumiert. Rund 60 % der weltweiten Energieaufnahme wird über Reis, Weizen, Mais und Hirse gedeckt.

Wissenswert

Spricht man von Hunger, unterscheidet man chronischen und akuten Hunger. Chronischer Hunger liegt dann vor, wenn Menschen dauerhaft unterernährt sind. Sie haben nicht genug zu essen, kein sauberes Trinkwasser und mangelnde bis keine Gesundheitsversorgung. Akuter Hunger tritt vor allem bei Naturkatastrophen, Kriegen oder Dürre auf. Meist sind davon jene Menschen betroffen, die vorher schon an chronischem Hunger litten.

Zero Hunger

Die Initiative Zero Hunger wurde von UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon im Rahmen des World Food Programme (WFP) mit dem Ziel ins Leben gerufen, den weltweiten Hunger bis 2030 zu beenden. Regierungen, Unternehmen und jeder Einzelne sollen angehalten werden, einen Beitrag zu leisten.
Die fünf vordergründigen Ziele der Zero Hunger Initiative sind:

  • Bis 2020 soll kein Kind mehr an Wachstumsstörungen bedingt durch Mangelernährung leiden.
  • Alle Menschen sollen das ganze Jahr über Zugang zu angemessener Nahrung haben.
  • Die Nahrungssysteme müssen nachhaltig sein.
  • Das Einkommen der Bauern soll bei gleichzeitiger Steigerung der Produktion erhöht werden.
  • Die Nahrungsmittelverschwendung muss reduziert werden.

Fakten zum weltweiten Hunger

  • 800 Mio. Menschen leiden weltweit an Hunger.
  • Etwa alle 10 Sekunden stirbt ein Kind unter fünf Jahren an den Folgen einer mangelhaften Ernährung. Das sind knapp 8000 Kinder täglich.
  • Alle 5 Sekunden stirbt ein Mensch an den Folgen der Unterernährung. Das sind 24.000 Tote täglich und knapp 9 Mio. jährlich.
  • In 51 Ländern werden laut Welthungerindex (WHI) die Hungerwerte als sehr ernst oder ernst eingestuft.
  • Die Länder mit den höchsten Werten im Welthungerindex sind: Zentralafrikanische Republik, Tschad und Sambia.
  • Jene Länder, deren Hungersituation als sehr ernst eingestuft wird, liegen hauptsächlich südlich der Sahara.
  • Ein Vergleich der Hungerwerte des WHI der Jahre 2000 und 2015 zeigt deutliche Verbesserungen. Damals lag der durchschnittliche Gesamtwert des Welthunger-Index für die Entwicklungsländer bei 30, aktuell wird er auf knapp 21 % geschätzt. Die Hungersituation ist größer, je höher der Index ist.
  • Absolut gesehen konnten Ruanda, Angola und Äthiopien ihre Werte vom Jahr 2000 bis 2015 am meisten reduzieren, die Lage in diesen Ländern bleibt dennoch kritisch.
  • Am stärksten betroffen sind Länder, in denen Krieg und hohe Arbeitslosigkeit herrschen.

 

 

Literatur

Welthungertag: welthungertag.de/ (Zugriff am 16.10.2018)
United Nations (UN): Millennium Development Goals. www.un.org/millenniumgoals/ (Zugriff am 16.10.2018).
Welthungerhilfe: www.welthungerhilfe.de/hunger/ (Zugriff am 16.10.2018).
WFP und die Zero Hunger Initiative: de.wfp.org/zero-hunger (Zugriff am 16.10.2018).
The state of food security and nutrition in the world: www.fao.org/3/a-I7695e.pdf (Zugriff am 16.10.2018)

 

 

 

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