14.11.2016 von Elisabeth Rudolph

Wer trinkt, sollte auch sporteln!

Sport wirkt auf Körper und Geist. Wer regelmäßig läuft oder radelt, tut nicht nur seiner Figur einen Gefallen, sondern reduziert in erster Linie das Risiko, an Herz-Kreislauferkrankungen oder Diabetes Typ 2 zu erkranken. Neu ist nun, dass Sport auch hilft, die Schattenseiten übermäßigen Alkoholkonsums auszugleichen.

Forscher der University of Sydney und des britischen College of London haben in einer groß angelegte Studie den Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität, Alkoholkonsum und Lebenserwartung unter die Lupe genommen. Dafür wurden die Daten aus britischen und schottischen Gesundheitsbefragungen von rund 36.000 Frauen und Männer ab einem Alter von 40 Jahren im Zeitraum von 1994 bis 2006 verwendet.
Die Studienteilnehmer wurden je nach sportlicher Betätigung in eine inaktive, eine mittlere und eine aktive Gruppe eingeteilt. Ähnlich verlief die Einteilung beim Alkoholkonsum von Nicht-Trinkern bis zu starken Trinkern. Untersucht wurde der Zusammenhang mit der Sterblichkeit, verursacht durch allgemeine krankheitsbezogene Todesursachen, Krebs und Herz-Kreislauferkrankungen. Dabei sind die Studienautoren auf interessante Details gestoßen: Es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen Sport, Alkoholkonsum und Lebenserwartung. Wer trinkt, hat eine geringere Lebenserwartung, kann diese aber durch Bewegung ausgleichen.

Wissenswert

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt Alkoholkonsum zu den zehn weltweit wesentlichsten Gesundheitsrisiken. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) weist darauf hin, dass Männer nicht mehr als 20 g und Frauen nicht mehr als 10 g Alkohol pro Tag aufnehmen sollen. Das ist keine Empfehlung, sondern die maximal tolerierbare Zufuhrmenge und die ist gar nicht einmal so viel: 10 g Alkohol stecken etwa in einem Glas Bier oder Wein.

Je mehr, desto besser: bewegen!

Studienteilnehmer, die sich weniger als 150 Minuten pro Woche bewegten und 10 g Alkohol oder mehr pro Tag tranken, hatten ein erhöhtes Risiko, frühzeitig zu sterben. Bei Teilnehmern dagegen, die tranken und zumindest 150 Minuten in der Woche sportlich unterwegs waren, wirkte die Bewegung als Schutzschild; sie hatten kein gesteigertes Risiko.
Ohne Bewegung zeigt sich eine Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen dem Alkoholkonsum und einem erhöhtem Risiko, frühzeitig zu sterben. Besonders auffallend ist der Zusammenhang mit Krebserkrankungen: Je öfter die Teilnehmer Alkohol tranken, desto eher erkrankten sie an Krebs. Dieser Zusammenhang ist auch bei jenen zu beobachten, die innerhalb der maximal empfohlenen Alkoholmenge lagen. Alkohol erhöht vor allem das Risiko für Krebs im Kopf- und Halsbereich und das sogar bis zu 400 %. Sport verringert die Wahrscheinlichkeit an Krebs zu erkranken, vor allem bei Brust- und Darmkrebs, aber scheinbar auch bei jenen Krebsarten, die mit erhöhtem Trinken einhergehen.

Wissenswert

Gemäß den aktuellen Bewegungsempfehlungen sollten sich Erwachsene etwa 150-180 Minuten pro Woche bewegen. Kinder brauchen mehr davon, etwa 60 Minuten pro Tag. In erster Linie soll das Herz-Kreislaufsystem gestärkt werden, deshalb punkten Ausdauersportarten wie radfahren, laufen, walken oder wandern.

Unklarer Mechanismus

Wie der biologische Mechanismus dahinter aussieht, ist weitestgehend unbekannt. Die Forscher vermuten, dass Alkohol und körperliche Betätigung ähnliche Übertragungswege im Körper verwenden, allerdings wirken sie in die jeweils entgegengesetzte Richtung. Dabei geht es um oxidativen Stress, Entzündungsmarker oder Immunfunktionen. Alkohol und Sport verhalten sich dort wie Spieler und Gegenspieler. Das bedeutet: Im besten Fall hebt positives, nämlich Sport, negatives wie zu viel Trinken, auf. 

Fazit

Die Studie zeigt zum ersten Mal, wie sich die Kombination aus Bewegung und Alkohol auf die Sterblichkeit auswirkt. Einschränkungen sind dennoch vorhanden, da weder das Ernährungsverhalten, noch das Trinkmuster der Teilnehmer berücksichtigt wurden. Als größter Einflussfaktor wird jedoch die Dunkelziffer an starken Trinkern angegeben. Denn diese Gruppe verzeichnete die geringste Teilnehmerzahl.
Die Studienautoren halten jedoch fest, dass Sport die schädigenden Wirkungen des Alkohols abschwächen kann. Das A und O ist die minimale Bewegungsempfehlung, nämlich 150 Minuten pro Woche für Erwachsene. Ist man aktiver, schadet es in keinem Fall. Die Devise sollte deshalb lauten: jeder Schritt zählt!

Literatur

Perreault K et al.: Does physical activity moderate the association between alcohol drinking and all-cause, cancer and cardiovascular diseases mortality? A pooled analysis of eight British population cohorts. Br J Sports Med 0: 1-8 (2016)
Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Presseinformation 02/2011 (Zugriff am 09.11.2016)
Pelucchi C et al: Alcohol consumption and cancer risk. Nutr Cancer 63: 983-990 (2011)

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