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metabolic balance [Sonstige Diäten]

Als ganzheitliches Stoffwechselprogramm angepriesen, soll die „persönliche Körperchemie" mit der individuell angepassten „Nahrungsmittelchemie" in eine neue metabolische Balance gebracht werden. Nichts wiegt leichter als ein Versprechen ...
Das Konzept hinter metabolic balance stammt aus den USA und wurde vom Münchner Internisten Dr. Wolf Funfack aufgegriffen und weiterentwickelt. Laut Dr. Funfack wurde zusammen mit Ärzten, Ernährungswissenschaftern und Informatikern ein Diätprogramm geschaffen, das bei der Stoffwechselregulation ansetzen soll: Basierend auf den Blutwerten werden mittels Computerprogramm eine individuelle Lebensmittelliste und ein Ernährungs-
fahrplan erstellt.

Das Prinzip hinter metabolic balance ist eine eiweißreiche Ernährung, in der einfache Kohlen-
hydrate vermieden werden sollen. Dadurch umgeht man laut Funfack der „Insulin- und Stoff-
wechselfalle". Dies soll entscheidend sein, um das Gewicht dauerhaft zu regulieren. Zudem wird versprochen, dass metabolic balance gegen das Metabolische Syndrom, Diabetes, Fettstoffwechselstörungen und Hypertonie sowie Rheuma, chronische Migräne und Allergien helfen soll - Erkrankungen, die auf jeden Fall medizinisch betreut werden sollten und mit diesem Programm nicht behandelt werden können.

4-Phasen Programm
Das metabolic balance Programm gliedert sich in vier Phasen:
  • Vorbereitungsphase,
  • strenge Umstellungsphase,
  • gelockerte Umstellungsphase,
  • Erhaltungsphase.
In der Vorbereitungsphase werden Fragen zu den Körpermaßen (BMI, Umfang in Nabel-, Hüft- und Oberschenkelhöhe), Angaben zum Gesundheitsstatus (hoher Blutdruck, Herzleiden, Asthma, Allergien, Medikamenteneinnahme, Gelenkschmerzen, Diabetes, Schwindel, Nieren- oder Schilddrüsenbeschwerden, Hautkrankheiten, Schlafstörungen, ...), sowie zum Konsum von Fleisch, Fisch und Milchprodukten geklärt. Basierend auf diesen Angaben und den Labor-
werten (36 Blutparameter werden gemessen, neben den üblichen Werten auch Eisen, Kalium, Kalzium und Natrium) wird dann im eigens entwickelten Computerprogramm eine Liste der Lebensmittel generiert, die den Stoffwechsel des Klienten optimal unterstützen sollen. So be-
kommt man z. B. bei hohen Harnsäurewerten Lebensmittel mit geringem Puringehalt auf den „Ernährungsfahrplan"- ein übrigens gängiges Prozedere jeder professionellen Ernährungsbera-
tung. Was bei dem Computer generierten Ernährungsplan verloren geht, sind die individuellen Vorlieben oder Abneigungen für bestimmte Lebensmittel.
Bevor es in die zweite Phase des Programms geht, steht das „Warming up" für den Körper am Zeitplan: Zwei Tage über wird entschlackt und abgeführt.

Strenge Umstellungsphase: Kasteien zum „definierten Wunschgewicht"
Ohne Fasten und Hungern das Gewicht regulieren - Dr. Funfack´s Credo geht in diesem metabolic balance-Abschnitt nicht vollends auf. Denn in der strengen Umstellungsphase, die 14 Tage oder länger dauert (je nachdem, wann das in der ersten Phase vom Kunden definierte Wunschgewicht erreicht ist) darf nur dreimal am Tag im Abstand von mindestens fünf Stunden gegessen werden. Zudem müssen die Mengen der erlaubten Lebensmittel strikt eingehalten werden. Auch die Grundregeln sollen befolgt werden: mindestens zwei Liter Wasser pro Tag, Eiweiß vor Kohlenhydraten und kein Essen nach 21 Uhr.

metabolic balance Beispielplan
 

Mahlzeiten

Vorschlag 1

Vorschlag 2

Vorschlag 3

Frühstück

85 g Putenbrust
100 g Gemüse

200 g Naturjoghurt
1 Sorte Obst

2 Eier
100 g Gemüse

Mittagessen

125 g Fisch
130 g Gemüse

125 g Geflügel
130 g Gemüse

80 g Käse
130 g Gemüse

Abendessen

90 g Bohnen
140 g Gemüse

135 g Fisch
140 g Gemüse

135 g Geflügel
140 g Gemüse

Quelle: Funfack W (2005)
Warum die Mahlzeitenaufnahme auf dreimal pro Tag beschränkt ist, ist aus ernährungswissen-
schaftlicher Sicht nicht klar. Denn Zwischenmahlzeiten können Leistungstiefs und Heißhunger-
attaken vorbeugen. Zudem entspricht diese Diät nicht der empfohlenen Aufnahmemenge an Obst und Gemüse von fünf Portionen pro Tag, was mit fünf Mahlzeiten leichter zu erreichen wäre.

Phase 3: Gelockerte Umstellung
Hier wird zwar der Ernährungsfahrplan der strengen Phase grundsätzlich fortgeführt. Erlaubt sind aber Regelverstöße - zunächst auf eine Mahlzeit beschränkt. So genannte Schummeltage am Ende von Phase 3 sollen den Stoffwechsel wieder auf Touren bringen. Sie stehen zweitägig jeweils am Anfang und am Ende einer streng verlaufenden Diätwoche am Plan. Hier gibt es keine Verbote, weder auf Kalorien, noch auf Lebensmittel bezogen. Dabei ist laut Dr. Funfack ein Gewichtsanstieg durchaus gewollt, damit sich in den wieder folgenden fünf strengen Diät-
tagen das Gewicht besonders schnell und leicht wieder abbaut. Für dieses „Körperschockpro-
gramm" gibt es keinen wissenschaftlichen Hintergrund.

Phase 4: Erhaltungsphase
In der letzten Phase soll der neu erlernte Essensrhythmus beibehalten werden, der laut metabolic balance GmbH leicht ein Leben lang verfolgt werden kann. In der Erhaltungsphase gibt es keine Empfehlungen für die Kalorienmenge und die Nahrungsmittelauswahl. Was vom metabolic balance-Programm bestehen bleibt, ist die Mahlzeitenfrequenz - dreimal am Tag, dazwischen darf nur Wasser getrunken werden. Weiters wird empfohlen, bei jeder Mahlzeit nach wie vor genügend Eiweiß aufzunehmen. Dabei vertraut Dr. Funfack darauf, dass der „natürliche" Hunger fortan die Essensaufnahme bestimmen soll - dass es auch zum bekannten Jojo-Effekt kommen kann, wird nicht angesprochen.

Evaluierung
Von metabolic balance GmbH wurde eine Evaluationsstudie in Auftrag gegeben, die laut eigenen Angaben voraussichtlich 2010 veröffentlicht wird. Sie wird vom Universitätsklinikum Freiburg und vom Hochrhein-Institut für Rehabilitationsforschung, Bad Säckingen, durch-
geführt. Erhoben wird die gesundheitsbezogene Lebensqualität (IRES-24-Patientenfrage-
bogen
) zu fünf Zeitpunkten: zu Beginn und vier Wochen, drei Monate, sechs Monate und ein Jahr nach Teilnahme-Beginn an metabolic balance. Weiters wird zu jedem Erhebungszeitpunkt das Blut untersucht.
851 Personen (35 % übergewichtig, 48 % adipös) nehmen bis dato an der Studie teil. Inzwischen wurden die Werte bis drei Monate nach Programmbeginn ausgewertet. Laut den Studienautoren haben sich Elemente der gesundheitsbezogenen Lebensqualität verbessert -
ob signifikant oder nicht, wird nicht erläutert. Die mittlere Gewichtsreduktion liegt drei Monate danach bei 8,4 kg (SD 4,8). Die Autoren geben auch bekannt, dass sich die Blutfettwerte (genauer: der Quotient aus LDL- und HDL-Cholesterin) bei einigen Versuchspersonen verbessert haben - um wie viel, kann leider nicht aus der Grafik entziffert werden.

Oft unzureichende Betreuung
Laut des VKI-Tests zu metabolic balance wurden die Testpersonen zum Großteil nicht nach bestehenden Beschwerden und Krankheiten befragt. Zudem wurden sie kaum über die ge-
sundheitlichen Risiken, die mit einer Gewichtsabnahme verbunden sind, informiert. Denn die Diät ist für Diabetiker, Gicht- und Nierenpatienten sowie Patienten mit Gallensteinen mit einem gewissen Risiko behaftet. Dies könnte auch daran liegen, dass der Großteil der Berater kein Fachpersonal wie Ärzte, Ernährungswissenschafter und Diätologen ist. In vielen Fällen handelt es sich um Ernährungs- und Fitnesscoaches mit einer Kurzausbildung im Wellnessbereich.
Die Kosten belaufen sich zwischen 300 Euro und 600 Euro, je nachdem, ob es sich um eine Fern-, Gruppen- oder Einzelbetreuung handelt.


Plus:
  • Auf Genießen und natürliches Geschmacksempfinden wird Wert gelegt.


Minus:

  • Neue Lebensmittel werden vorgeschrieben, ohne auf die Vorlieben der Kunden einzugehen.
  • Die Ernährungsberatung wird in vielen Fällen nicht von fachkundigem Personal (Ernährungswissenschaftern, Diätassistenten) durchgeführt.
  • Bewegung wird nicht als essenzieller Bestandteil einer Gewichtsabnahme vermittelt.
  • Speisenzubereitung ist oft kompliziert und zeitaufwendig.


Literatur:
Hochrhein-Institut für Rehabilitationsforschung (HRI): Studie zur Evaluation des Stoffwechselprogramms metabolic balance.
http://www.hri.de/index.php?menuid=21&reporeid=58
(Zugriff am 29.7.2009).

Funfack W: metabolic balance. Die Diät. Südwest Verlag, München (2005).

Verein für Konsumenteninformation: Diät: Metabolic Balance. Zweifelhafter Balanceakt. http://www.konsument.at/konsument/detail.asp?id=38186
(Zugriff am 29.7.2009).

Widhalm K, Kreissl A: Bewertung von Metabolic balance. Österreichische Ärztezeitung 3 (2009).
http://www.aerztezeitung.at/archiv/oeaez-3-10022009/originalarbeit-bewertung-von-metabolic-balance.html
(Zugriff am 27.7.2009)