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Abnehmen mit MCT-Fetten?

Diätwunder. Regelmäßig fetthaltige Lebensmittel verzehren und trotzdem abnehmen? Ein Traum würde in Erfüllung gehen: nie wieder Margarine oder Nuss-Nougat-Creme nur dünn aufs Brot streichen oder nur ein paar Tröpfchen Öl zum Kochen verwenden. Doch das verspricht eine neue Diätform, bei der es auf die Auswahl bestimmter Fette ankommt – die MCT-Diät. Wunder können aber auch bei dieser Diät nicht erwartet werden.

MCT-Fette (Medium Chain Triglyceride) sind spezielle, mittelkettige Fettsäuren mit 6 bis 10 C-Atomen, die seit Jahren als diätetisches Lebensmittel eingesetzt werden. Diese mit der Nahrung aufgenommenen mittelkettigen Fettsäuren werden im Darm leicht emulgiert und aufgespalten. Sie können auch ungespalten über die Blutbahn direkt in die Leber transportiert werden. Dazu werden weder Gallensäure noch fettspaltende Enzyme (Pankreaslipase) benötigt.

Herkömmliche Fette bestehen hauptsächlich aus langkettigen Fettsäuren mit zwölf und mehr C-Atomen. Sie werden im Darm aus Nahrungstriglyceriden freigesetzt, absorbiert und – ausschließlich in Chylomikronen eingebaut – über den Lymphweg ins Blut transportiert. Beim Fettabbau in den Leberzellen werden mittelkettige Fettsäuren gegenüber langkettigen Fettsäuren eindeutig bevorzugt. Deshalb finden sich in den Triglyceriden des Fettgewebes keine mittelkettigen Fettsäuren. Überschüssige Energie wird immer in Form von Triglyceriden mit langkettigen Fettsäuren, die auch noch in einer fettarmen Kost enthalten sind, im Fettgewebe gespeichert.

Fragliche Studie zur Gewichtsreduktion
Da mittelkettige Fettsäuren anders "verstoffwechselt" werden als langkettige, sollen sich lästige Fettpolster gar nicht erst an Bauch und Po ansiedeln. Außerdem sollen MCT-Fette den Stoffwechsel ankurbeln und schützen so während einer Reduktionskost vor dem gefürchteten Jo-Jo-Effekt, behauptet eine Prager Studie, gefördert vom Deutschen Institut für Ernährungsmedizin und Diätetik in Aachen. An der Prager Studie nahmen insgesamt 95 Personen teil. Zwei Drittel davon hatten einen BMI über 30. Die Studie erstreckte sich über acht Wochen. Fraglich bleibt, ob die Ergebnisse einer so kurzen, mit wenig Probanden durchgeführten Studie als repräsentativ bewertet werden können.

Kaum MCT-Fette
Nicht nur der Gewichtsverlust mittels dieser Fette fällt recht mager aus. Sie sind auch nur in wenigen natürlichen Lebensmitteln (z.B. Kokos- und Palmkernöl) enthalten. Wer eine Diät mit MCT-Fetten praktizieren möchte, muss notgedrungen auf teure Spezialprodukte aus dem Reformhaus oder dem Versandhandel zurückgreifen. Im Angebot stehen Speiseöl, Margarine, Mayonnaise, Schmelzkäse, Schokolade, Schokocreme und würzige Brotaufstriche. Professor Wolfram von der TU München warnt sogar davor, MCT-Produkte im Übermaß zu konsumieren. Denn wer zu viel Fett isst und dies mit MCT-Produkten ausbalancieren möchte, nimmt mit Sicherheit zu und nicht ab. Die mittelkettigen Fettsäuren werden verbrannt, dafür aber die anderen Fettsäuren deponiert. Sinnvoll ist diese Diät nur, wenn fetthaltige Produkte durch MCT-Produkte ersetzt werden und insgesamt weniger Fett konsumiert wird.

Nebenwirkungen des MCT-Konsums
Ohne fachkundige Beratung sollten laut Wolfram diese Fette zur Gewichtsreduktion nicht eingesetzt werden. Zu viel davon kann zur Übersäuerung im Körper und zu einem Mangel an Carnitin führen. Unbedingt beachtet werden muss auch die Umstellung der Fettmenge in kleinen Schritten. Ohne vorherige Gewöhnung können bei der Aufnahme größerer MCT-Mengen (mehr als 50 bis 80 g täglich) Nebenwirkungen wie Übelkeit, Blähungen, Leibschmerzen und Durchfall auftreten. Daher sollte die Aufnahme zu Beginn auf 20 g täglich beschränkt und die Dosis nur langsam um 10 g pro Tag erhöht werden.

PRO MCT-Diät:

  • Fünf kleine Mahlzeiten täglich
  • Ausreichend Ballaststoffe
  • Viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukte
  • Geringe Alkoholmenge pro Woche
  • Abwechslungsreich
  • Es wird verstärkt nachgedacht,
    was und wie viel man essen kann

KONTRA MCT-Diät:

  • Fettanteil der Kost ist zu hoch.
  • Säfte und Schorlen dürfen nicht zwischen den fünf Mahlzeiten getrunken werden.
  • Übelkeit, Blähungen, Durchfall bei Überdosierung.
  • Es wird ein starres Diätkonzept vorgeschrieben,
    welches im Berufsalltag schwer praktikabel ist.
  • Relativ teure Diät, durch Spezialprodukte.
  • Spezialprodukte sind nicht überall erhältlich.
  • MCT-Öl schmeckt nach dem Braten leicht bitter.

Beurteilung aus ernährungswissenschaftlicher Sicht
Zur dauerhaften Gewichtsabnahme sind MCT-Fette nicht geeignet, urteilt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Bei der Verwendung von MCT-Fetten als Streich- und Zubereitungsfett können maximal 80 bis 120 Kalorien täglich eingespart werden. Das entspricht dem Kaloriengehalt einer Banane. Dies beruht, im Vergleich zu langkettigen Fettsäuren, auf einem etwa 10% niedrigeren Energiegehalt. Die Umwandlung der Energie in Wärme ist vergleichsweise höher. Allerdings kommt es bei gesteigertem Verzehr zu Nebenwirkungen wie Durchfall oder Leibschmerzen. Auf Grund ihres geringen Rauchpunktes sind MCT-Fette beim täglichen Kochen und Braten nur bedingt einsetzbar. Darüber hinaus ergaben Untersuchungen über einen Zeitraum von zwei Wochen, dass die geschilderten Vorteile hinsichtlich der Energiebilanz durch Anpassungsmechanismen im Stoffwechsel bereits in der zweiten Woche der Anwendung deutlich geringer werden. Langzeitstudien zur MCT-Diät gibt es derzeit noch nicht.

Quelle: "Ernährung Heute", 2/2003

[Artikel erstellt/geändert am: 04.07.2003]