28.06.2016

Ayurveda-Ernährung

Der Ursprung der Heil- und Gesundheitskunde Ayurveda lässt sich mehr als 5000 Jahre bis in die alte vedische Hochkultur Indiens zurückverfolgen. Ayurveda, die „Wissenschaft vom Leben“, ist ein ganzheitliches System und betrachtet den Menschen als Einheit von Körper, Geist, Verhalten und Umwelt. Ziel ist ein gesundes Leben, das geistige Weiterentwicklung und Erfolg ermöglicht. Gesundheit bedeutet, dass sich die Körperfunktionen Stoffwechsel, Verdauung, Ausscheidung und das Gewebe im Gleichgewicht befinden, sowie Seele, Sinne und Geist einen dauerhaften Zustand inneren Glücks aufweisen.

Die ayurvedische Sicht geht davon aus, dass jeder Mensch von Geburt an mit einer individuellen Veranlagung, einem Konstitutionstyp ("Prakriti"), ausgestattet ist. Deshalb sind für verschiedene Menschen auch unterschiedliche Nahrungsmittel zum Erreichen der Balance geeignet.

Gesundheit beginnt laut Ayurveda bei der richtigen Ernährung. Im Gegensatz zu modernen Ernährungskonzepten geht es dabei nicht um Eiweiß, Fette, Kohlenhydrate und Vitamine, sondern um die optimale Verwertung der Nahrung. Eine Schlüsselrolle spielt die Lehre von den drei Doshas "Vata", "Pitta" und "Kapha". Diese Konstitutionstypen sind als energetisches Prinzip in allen Zellen, Geweben und Organen des Körpers wirksam und stellen die Verbindung zwischen Mensch und Universum dar. Jeder Mensch erhält von Geburt an alle drei Doshas mit, jedoch in unterschiedlicher Ausprägung. Die Doshas sind wechselseitig voneinander abhängig und können durch Ernährung, Körperübungen und Lebensgewohnheiten ausgeglichen werden.

Gegensätze schaffen Ausgleich

Neben der energetischen Ebene kennt Ayurveda noch die materielle Ebene der fünf Elemente: Raum, Luft, Feuer, Wasser und Erde. Die verschiedenen Erscheinungsformen der fünf Elemente können mit zwanzig Eigenschaften ("Gunas"), die aus jeweils zehn Paaren bestehen, beschrieben werden. In der Nahrung sind diese gegensätzlichen Paare, wie „schwer – leicht“ oder „ölig – trocken“, enthalten. Die beiden Eigenschaften eines Paares gleichen sich aus. Neigt man etwa zu Verstopfung, was „Trockenheit“ entspricht, sollte man etwas Öliges essen, um Ausgleich zu schaffen.


Trotz individuellem Ansatz gibt es im Ayurveda auch allgemeingültige Ernährungsratschläge:

  • nur bei Hunger essen
  • regelmäßige Mahlzeiten
  • keine Zwischenmahlzeiten
  • mittags die Hauptmahlzeit, abends nur leichte Kost
  • essen in ruhiger Umgebung
  • keine Ablenkung während des Essens
  • nie in erregtem Zustand essen
  • während des Kauens nicht sprechen
  • mind. drei bis sechs Stunden Pause zur letzten Mahlzeit lassen
  • sich nie völlig satt essen

Vertrauen auf die eigenen Körpersignale

Die ayurvedische Ernährungslehre vertraut darauf, dass dem Menschen ein ganzheitliches „Wahrnehmungs- und Meldesystem“ innewohnt, das mit unseren Sinnen kommuniziert. Einzelnen Nährstoffen wird daher kaum Bedeutung beigemessen. Vielmehr gilt der Grundsatz, dass die Nahrung ausgewogen und vollwertig sein sollte und dabei den individuellen Bedürfnissen entsprechen soll. Der Mensch soll wieder lernen, die Signale seines Körpers zu deuten, um seine Bedürfnisse zu erkennen.

Für eine vollwertige, ausgewogene Ernährung gelten im Ayurveda folgenden Empfehlungen:

  • leicht verdauliche Speisen
  • naturbelassene, frische Lebensmittel
  • Quellwasser und Kräutertee
  • maßvolle Portionen
  • Ausgewogenheit der sechs Geschmacksrichtungen
  • Lebensmittel, die der Jahreszeit und der Region entsprechen


Wesentlich für eine ayurvedische Ernährung ist die Einteilung der Lebensmittel nach den sechs Geschmacksrichtungen ("Rasas"): süß, sauer, salzig, bitter, scharf und herb. Eine ausgewogene Ernährung sollte bei jeder Mahlzeit alle sechs Rasas enthalten. Die Geschmacksrichtungen werden zum Ausbalancieren eines gestörten Doshas angewandt. Übergewichtige Menschen haben etwa einen hohen "Kapha"-Anteil und sollten diesen durch scharfe, bittere und herbe Kost beruhigen.

Lebensmittelempfehlungen für jeden Typ

Für eine ausgewogene Ernährung werden besonders folgende Lebensmittel empfohlen: Milch (möglichst gekocht), Reis, Ghee (geklärte Butter), Sesam, Obst und Obstsäfte sowie süße Speisen. Weniger empfehlenswert laut Ayurveda-Ansatz sind Fleisch, Geflügel und Fisch, Eier, Käse, Konserven, Tiefkühlkost, übermäßig saure oder salzige Speisen sowie schwere, fettige Kost. Generell vermeiden sollte man Alkohol, Kaffee, kohlensäurehaltige Getränke und Schokolade. Gewürze und Kräuter spielen in der ayurvedischen Ernährung eine wichtige Rolle, weil sie die Gerichte an die verschiedenen Grundkonstitutionen anpassen können.

Agni – das Verdauungsfeuer

Die Verdauung und der Stoffwechsel werden gemäß Ayurveda durch das Verdauungsfeuer ("Agni") gesteuert. Der Schlüssel zu einem langen, gesunden Leben liegt in der vollständigen Aufnahme der dem Körper zugeführten Nährstoffe. Wird die Nahrung durch eine Störung des Verdauungsfeuers nicht optimal verarbeitet, entstehen Schlackenstoffe ("Ama"). Um dies zu verhindern, empfiehlt die Lehre eine Ernährung, die auf den persönlichen Dosha-Typ ausgleichend wirkt.

Lakto-vegetabiler Schwerpunkt

Die Ayurveda-Kost entspricht aus ernährungswissenschaftlicher Sicht im Wesentlichen einer lakto-vegetabilen Ernährungsform, bei der in Maßen Fleisch, bevorzugt leicht verdauliches Geflügel und Fisch, erlaubt ist. Gemieden wird alles schwer Verdauliche inklusive Rohkost, da es das Verdauungsfeuer stört. Die allgemeinen Ratschläge fördern ein bewusstes, langsames und genussvolles Essen sowie die Wahrnehmung der eigenen Körperempfindungen wie Sattheit und unterstützen ein gesundes Essverhalten. Auch die Empfehlung für biologische, regionale und saisonale Lebensmittel ist begrüßenswert.

PLUS

  • abwechslungsreiche, pflanzenbetonte, fettarme Mischkost
  • regionale und saisonale Lebensmittel werden bevorzugt
  • keine Dogmen
  • Fokus auf das Erspüren der eigenen Körpersignale
  • möglichst frisch zubereitete Speisen

 

MINUS

  • geringer Rohkostanteil, der sich ungünstig auf die Vitaminzufuhr auswirken kann

Literatur

Leitzmann C, Keller M, Hahn A: Alternative Ernährungsformen. Hippokrates Verlag, Stuttgart (1999)


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