28.06.2016

Ernährung nach den fünf Elementen

Das aus China stammende Ernährungskonzept nach den Fünf Elementen ist Teil der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), die vor etwa 3000 Jahren aus dem Taoismus hervorgegangen ist. Grundpfeiler dieser Ernährungslehre ist die Ausgewogenheit zwischen Yin und Yang, Materie und Energie. Krankheit oder auch Übergewicht wird als Ungleichgewicht zwischen diesen beiden Polen betrachtet.

In der chinesischen Philosophie basiert Leben auf den beiden Komponenten „Energie“ und „Substanz“. Ist eine Komponente unzureichend oder übermäßig präsent, entsteht Krankheit. Diese Sichtweise kann mit dem Yin-Yang-Modell veranschaulicht werden. Alles Materielle und Nicht-Materielle kann in die beiden Kategorien Yin und Yang eingeteilt werden. Dabei hat die Energie („Qi“, sprich: „tschi“) Yang-Charakter, die Substanz wird Yin zugeordnet. In der Praxis bedeutet das, dass die Yin-Yang-Ausgewogenheit auch auf alle Organe zutrifft. Krankheit ist, stark vereinfacht, die Manifestation eines Zuviel oder Zuwenig an Yin oder Yang. Ursachen können innere oder äußere Faktoren sein. Zu den inneren krankmachenden zählen Emotionen und Einstellungen, zu den äußeren bioklimatische Einflüsse, Umwelt sowie Ernährung.

Der Region angepasste Empfehlungen

In der westlichen Ernährungslehre werden bei einem Mangel die fehlenden Substanzen von außen zugeführt. Die chinesische Lehre geht davon aus, dass im Mangel lediglich die Energie zugeführt werden muss, um dadurch den Körper in die Lage zu versetzen, die nötigen Substanzen selbst zu erzeugen.

Charakteristisch für die 5-Elemente-Ernährung ist die Einteilung der Nahrungsmittel hinsichtlich ihrer thermischen Wirkung: heiß, warm, neutral, erfrischend und kalt. Nach dieser Einteilung wirken Nahrungsmittel mit hohem Wassergehalt abkühlend. Je mehr Mineraldünger im Pflanzenbau eingesetzt wurde, umso mehr Wasser speichern Pflanzen und wirken daher noch abkühlender. Je mehr eine Pflanze der Sonne ausgesetzt war, umso abkühlender wirkt sie. Daher erzeugen laut TCM-Ernährung Südfrüchte, wenn sie in Mitteleuropa verzehrt werden, eine innere Kälte. Deshalb der Fokus auf regionale Lebensmittel. Denn die TCM geht davon aus, dass in der Region, in der der Mensch lebt, auch die richtigen Lebensmittel gedeihen. Die Ernährungsempfehlungen für Europäer unterscheiden sich daher von jenen für Asiaten.

Wärmende und kühlende Lebensmittel

Heiße Lebensmittel wie scharfe Gewürze, Lammfleisch oder hochprozentige Alkoholika schützen vor Kälte und sollten v. a. in der kalten Jahreszeit gewählt werden. Warme Lebensmittel wie Geflügel, Lauch, Ingwer oder Rotwein, wirken ähnlich wie heiße, aber abgeschwächter. Neutrale Lebensmittel, dazu zählt etwa Getreide, liefern Qi und wirkt ausgleichend sowohl bei Überschuss als auch Mangel. Zusammen mit gekochtem Gemüse soll Getreide dafür sorgen, Giftstoffe auszuscheiden, die bei Qi-Mangel anfallen. Neutrale Lebensmittel sollten immer den Hauptteil einer Speise ausmachen.
Erfrischende Nahrungsmittel wie Obst, Gemüse oder einige Salate kräftigen das Blut. Sie sollten nur in Maßen als Rohkost verzehrt werden. Gekochte Lebensmittel werden in der 5-Elemente-Kost bevorzugt, weil der Energieaufwand für die Verdauung geringer ist. Kalte Lebensmittel, wie Südfrüchte, schützen vor Hitze und eignen sich besonders für heiße Sommer oder Regionen.

Individueller, flexibler Ansatz

Generell soll die Ernährung flexibel sein und sich dem individuellen Geschmack anpassen. Der Mensch verändert sich je nach Lebensphase oder –situation. Daher plädiert die chinesische Ernährungslehre dafür, seiner inneren Stimme zu folgen und die Bedürfnisse des Körpers zu erspüren. Somit gibt es hier keine starren, strengen Ernährungsregeln, sondern lediglich Empfehlungen. Fleisch wird nicht grundsätzlich abgelehnt, Rohkost nur in geringem Maße empfohlen. Frischen und biologisch erzeugten Lebensmitteln soll der Vorzug gegeben werden. Besonderes Augenmerk wird der Auswahl saisonaler Lebensmittel geschenkt.

Sanfte Zubereitungsmethoden

Für die Speisenzubereitung gelten die Regeln der goldenen Mitte: ausgewogen und der Saison entsprechend kochen, so oft wie möglich sanfte Garmethoden anwenden (dünsten in wenig Wasser bei schwacher Hitze), ein ausgewogener Einsatz der Geschmacksrichtungen. Durch die Kombination von Nahrungsmitteln verschiedener thermischer Wirkung soll der Organismus harmonisiert werden.

Die fünf Elemente

Namensgebend für die Ernährungsweise ist das System der Fünf Elemente. Demnach können alle geistigen, emotionalen, energetischen und materiellen Phänomene folgenden fünf Elementen zugeordnet werden: Holz – Feuer – Erde – Metall – Wasser
Auf die Ernährung übertragen ist die Einteilung der Lebensmittel in die fünf Geschmacksrichtungen sauer, bitter, süß, scharf und salzig von Bedeutung. So sollen in jeder Mahlzeit idealerweise immer alle fünf Geschmacksrichtungen, zumindest aber drei, enthalten sein. Lediglich Erdnahrungsmittel können auch alleine verzehrt werden, weil sie in sich harmonisch sind.

Ausgewogen mit wenig Kritikpunkten

Auch wenn die TCM auf eine Jahrtausende lange Tradition zurückblickt und das Ernährungskonzept mit viel Pflanzlichem und wenig Tierischem sowie wenig Fett zu begrüßen ist, gibt es bis heute keinen wissenschaftlichen Beweis für die Regeln der Speisengestaltung nach dem Yin-Yang-Prinzip. Der Energiebegriff in der TCM unterscheidet sich von jenem in der Naturwissenschaft. Insgesamt ist es aber eine ernährungswissenschaftlich ausgewogene Kost, lediglich der Rohkostanteil kommt etwas zu kurz und Südfrüchte könnten gerade im Winter gute Vitaminquellen sein. Naturwissenschaftlich nicht nachvollziehbar ist die Ablehnung von industriell verarbeiteten, tiefgekühlten oder in der Mikrowelle zubereiteten Produkten.
 

PLUS

  • ausgewogene, vorwiegend lakto-vegetabile Lebensmittelauswahl mit viel Pflanzlichem und wenig Tierischem
  • Bevorzugung biologischer, regionaler und saisonaler Lebensmittel
  • keine starren Verbote oder Dogmen

MINUS

  • Ablehnung von industriell verarbeiteten, tiefgekühlten oder in der Mikrowelle zubereiteten Produkten ist wissenschaftlich nicht nachvollziehbar
  • Fokus auf Sport und Verhaltensänderung fehlen

Literatur

Leitzmann C, Keller M, Hahn A: Alternative Ernährungsformen. Hippokrates Verlag, Stuttgart (1999)



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