11.02.2016

Schroth-Kur

Die Fastenkur mit Trink- und Trockentagen geht auf den Fuhrmann Johann Schroth (1798–1856) zurück. Der Huftritt eines Pferdes verletzte ihn schwer am Knie, sodass es steif blieb. Im Selbstversuch entwickelte er anschließend seine Kurmethode.
Nasskalte Umschläge beschertem seinem Bein Besserung und er folgerte: „In feuchter Wärme gedeiht Holz, Frucht und Wein, selbst Fleisch und Bein“. Zudem beobachtete er, dass krankes Vieh die Nahrung verweigert und wenig trinkt. Also übertrug er dieses Prinzip auf den Menschen. Die Schrothkur war geboren.

 

Feuchte Wickel und Fasten zur „Entschlackung“

Die feuchten Wickel und die eingeschränkte Nahrungszufuhr sollen den Körper „entgiften“, „entschlacken“ und reinigen. Durch den Wechsel von Trocken- und Trinktagen mit abwechselnd wenig und reichlich Flüssigkeitszufuhr sollen die Selbstheilungskräfte des Körpers angeregt werden.

Fasten für Weinliebhaber

Schon 1898 findet sich folgende Beschreibung in Meyers Konversationslexikon: „Schrothsche Kur ... Heilverfahren, bei welchem der Kranke längere Zeit hindurch mit altbackener Semmel und dickem Brei aus Reis, Grieß, Hirse, Buchweizengrütze ernährt wird. Als Getränk dient früh und abends ein Gläschen Wein, an jedem dritten oder vierten Tag erhält der Kranke zwei bis drei Stunden nach der Mittagsmahlzeit (Pudding mit Weinsauce) so viel Wein, wie er trinken mag. Nachts liegt der Kranke in nassen Tüchern.“

An der Durchführung der Schrothkur hat sich bis heute nicht viel verändert. Die meist drei- bis vierwöchige stationäre Kur besteht aus Heilfasten mit einer salz- und fettlosen sowie eiweißarmen Kost: unbegrenzte Menge trockener Semmeln oder Zwieback, ergänzt durch wenig Reis, Grieß, Hafer und etwas Gemüse. Es gibt einen Wechsel von Trockentagen
(max. 1/8 L Wein, keine weitere Flüssigkeit), „kleinen Trinktagen“ (bis zu 0,5 L Wein) sowie „großen Trinktagen“ (bis 1 L Wein). Dazu kommen feuchtwarme Wickel. An den Trockentagen liegt die Energieaufnahme bei etwa 700 kcal, an den Trinktagen durch den Energiegehalt des Weins bei rund 1200 kcal. Manche Kliniken bieten die Kur in abgewandelter Form mit einer höheren Flüssigkeitsmenge an.

 

PLUS

•    keine
 

MINUS

•    Zu geringe Trinkmengen und zu hoher Alkoholkonsum fördern die Entwässerung und
      belasten den Kreislauf.
•    einseitige Lebensmittelauswahl, die mit der Zeit  zu Nährstoffdefiziten führen kann
      (Eiweiß, Mineralstoffe, Vitamine)
•    Nicht verwertbare Stoffwechselprodukte lagern sich nicht als "Schlacken" ab, sondern
      werden über die Nieren ausgeschieden. 
•    kein Fokus auf nachfolgende Ernährungsumstellung
•    kein Bewegungsprogramm

 

 

Literatur

Leitzmann C et al.: Ernährung in Prävention und Therapie. Hippokrates Verlag, Stuttgart (2003)

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