Steinzeit-Diät oder Paleo-Diät

Bei der Steinzeit-Diät, auch Paleo Diät genannt, sind nur solche Lebensmittel erlaubt, die schon für unsere Vorfahren in der Steinzeit verfügbar waren. Demnach kommen reichlich Obst, Gemüse und Fleisch auf den Teller, ergänzt um Pilze, Eier, Fisch, Meeresfrüchte und Kräuter. Milch- und Getreideprodukte sollen dagegen möglichst gemieden werden. Verarbeitete Nahrungsmittel wie Fertiggerichte, Zucker oder Alkohol sind tabu. Manche Autoren raten dazu, nur das zu essen, was man selbst (oder ein anderer) pflücken, fangen und töten kann.

      Befürworter dieser Diät argumentieren damit, dass sich unser Erbgut seit der Steinzeit kaum verändert hat und so die damals verfügbaren Lebensmittel auch heute die beste Wahl wären. Seit Einführung des Ackerbaus vor rund 10.000 Jahren hätte der Mensch keine Möglichkeit gehabt, sich genetisch an die neuen Ernährungsverhältnisse anzupassen.

 

Fleisch plus Vitaminpillen?

Die bedeutendste Rolle am Speiseplan spielt Fleisch, weil der Steinzeitmensch angeblich deutlich höhere Mengen davon verzehrt haben soll als wir es heute tun. In manchen Ratgebern kommt fast ein halbes Kilo Fleisch bzw. Fisch täglich auf den Teller. Gleichzeitig raten Autoren zu Nahrungsergänzungsmitteln – ein Widerspruch, denn welcher Steinzeitmensch konnte zu Vitaminpillen greifen?

 

Steinzeiternährung de facto nicht bekannt

Die Steinzeit-These ist wissenschaftlich äußerst umstritten. Experten sprechen von einem „Konglomerat aus interessanten Ansätzen, Teilwahrheiten, fraglichen Prämissen und spekulativen Behauptungen“. So geben manche populärwissenschaftliche Autoren überraschend konkrete Angaben zur angeblichen Steinzeiternährung („Kohlenhydrate, Protein und Fett im Verhältnis 41:37:22 Prozent“), während das Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie bereits 2002 zur ernüchternden Feststellung gelangte, dass es schwierig sei, die paläolithische Nahrung zu charakterisieren. Ärchäologische Funde erlauben es maximal, Tendenzen im Essverhalten unserer Steinzeitvorfahren auszumachen. Als sicher kann lediglich gelten, dass die Vorfahren des Menschen Omnivoren, also Allesfresser, waren.

Seit der Steinzeit haben sich die Menschen vom Jäger und Sammler weiterentwickelt zum Gartenbau betreibenden Pflanzer, zu Milchvieh haltenden Hirten und zu traditionellen Ackerbauern. Die ethnologisch-epidemiologische Literatur zeigt, dass keine der daraus resultierenden Kostformen mit gesundheitlichen Nachteilen verbunden sein muss.

 

PLUS

  • reichlich Obst, Gemüse, Pilze und Nüsse
  • keine Mengenbeschränkung, kein Kalorienzählen

 

MINUS

  • Unsere heutigen Lebensgewohnheiten (Bewegungsmangel!) sind nicht vergleichbar mit jenen des Steinzeitmenschen.
  • Auch in der Steinzeit war die Lebensmittelauswahl und –menge je nach Lebensraum unterschiedlich, es gibt nicht „die eine“ Steinzeitkost.
  • Verzicht auf Mich- und Getreideprodukte
  • zu wenig Kohlenhydrate, zu viel Eiweiß, zu wenig Ballaststoffe
  • Versorgung mit manchen Mikronährstoffen, v. a. Kalzium, kann problematisch werden
  • Hoher Fleischkonsum kann zu erhöhten Harnsäurespiegeln und Gicht führen.

 

Literatur

NN: Die Steinzeitdiät: in Stein gemeisselter Unsinn. Konsument 1/2014.

Ströhle A, Hahn A: Ernährung wie in der Steinzeit!? Einsichten und Missverständnisse. Ernährung im Fokus 10/2011, S. 450–456.

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