Stella Glogowski, Redaktion Ernährungsumschau
30.06.2016

Gastkommentar: Clean Eating

Clean Eating, zu Deutsch etwa „reines Essen“, ist ein Ernährungstrend, der wie viele andere Strömungen in dem Bereich nicht als Diät, sondern als umfassendes Ernährungskonzept oder Lifestyle zu verstehen ist. Natürlich und ursprünglich soll es sein, frisch zubereitet und selbst gekocht. Klingt positiv und lobenswert.

Was irritiert, sind Vorgaben wie „mindestens 3 Liter am Tag zu trinken“ und „immer frühstücken“ – auch ohne Hunger? Auch ohne Durst? Zudem wird bei Clean Eating, je nach Auslegung, mitunter von „verbotenen Lebensmitteln“ gesprochen. Solch strenge Regeln sind meiner Meinung nach durchwegs aber insbesondere beim Essen, einer sozialen, kulturell geprägten und genussvollen Alltäglichkeit, weder praktikabel noch umfassend bzw. ganzheitlich. Die No Gos sind verarbeitete, industriell hergestellte Lebensmittel, Convenience-Produkte, Fast Food und Süßigkeiten, Erzeugnisse aus Weißmehl (zum Teil sogar generell Weizenprodukte), mit zugesetztem Zucker, Geschmacksverstärkern, „künstlichen“ Konservierungs- und färbenden Zusatzstoffen. Eine Faustregel lautet: Produkte mit mehr als fünf Zutaten seien meist nicht „clean“, ebenso sollten nur solche gekauft werden, deren Zutaten bekannt scheinen oder zumindest ausgesprochen werden können. Zum Großteil sollten wir tatsächlich möglichst unverarbeitete, pflanzliche Lebensmittel verzehren; eine komplette Abkehr von Lebensmittelgruppen wie Convenience, Süßigkeiten und Weißmehl/Weizen halte ich jedoch für lebensfern. Manches isst und genießt man doch extra selten und in kleineren Mengen: Pommes frites hin und wieder, Krapfen im Fasching, eine Süßigkeit oder Käse nach dem Essen. Erst recht möchte ich im Alltag nicht auf fertige, also quasi „Convenience“-Hartweizennudeln und einige Bio-Produkte wie vegane Brotaufstriche, Gemüsebrühe und hin und wieder eine Nudelsoße im Glas verzichten. Zwar können auch diese Zusatzstoffe enthalten, aber laut EG-Öko-Verordnung ist nur ein Bruchteil der für konventionelle Waren zugelassenen erlaubt.

Die nach Clean Eating „erlaubten“ Lebensmittel umfassen all diejenigen, die „clean“, also möglichst natürlich, unverarbeitet, vollwertig und ohne Zusätze sind. Hierzu zählen Gemüse, Obst, Pilze, Hülsenfrüchte, Pseudocerealien wie Quinoa oder Buchweizen, Vollkorngetreide, Samen und Nüsse, Fisch, je nach Auslegung auch Fleisch, Eier, einige Milchprodukte (mit geringem Verarbeitungsgrad und wenigen Zusätzen) und pflanzliche Öle. Diese Liste empfinde ich als vollwertig – wo wir beim Stichwort wären, denn die Positivliste von Clean Eating ähnelt der bereits in den 1970er Jahren konzipierten Vollwert-Ernährung. Diese geht jedoch über den Gesundheitsnutzen für den Einzelnen hinaus und bezieht im Sinne der Nachhaltigkeit auch die Umwelt-, Wirtschafts- und Sozialverträglichkeit der Ernährung und ihren Genusswert ein, was mir leider bei den meisten Clean Eating-Vertretern, vor allem in den zahlreichen Blogs zum Thema und in Publikumszeitschriften, fehlt. Daher sehe ich diesen Trend eher als die jüngere und hippere, aber meist noch etwas oberflächliche und ich-bezogene Verwandte der „älteren öko-Tante“ Vollwert-Ernährung.

Aufgrund der ausgesprochenen Verbote und Gebote sowie dem Fokus auf die Gesundheit des Einzelnen kommt manches zu kurz. Was ich bei vielen Clean Eating-Ansätzen vermisse, sind der ganzheitliche Ansatz und damit das Einbeziehen von Nachhaltigkeitsaspekten. Zudem stört der, wie bei vielen Ernährungstrends, vorgebrachte Anspruch auf Absolutheit als quasi „das Ernährungskonzept mit dem einzig richtigen Ansatz“. Wird Clean Eating jedoch nicht dogmatisch ausgelegt (schließlich gibt es noch andere Bereiche als Essen – Psyche, Bewegung und Kultur, um nur einige zu nennen) sondern als Motivation und Richtschnur für eine „gesunde“ Ernährung, ist es in meinen Augen eine erfrischende Anregung und moderne Erinnerung an Teile der Vollwert-Ernährung. Wer Clean Eating ausprobieren will, kann die mitunter sehr ansprechenden Kochbücher daher als Inspiration nehmen für einen Speiseplan mit mehr frischen, selbstzubereiteten Gerichten aus einer Vielfalt von größtenteils pflanzlichen Produkten.

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Ralph Hensel, Convar Europe
20.03.2016

Gastkommentar aus der Praxis: Im Namen der Dose

Mehr als 200 Jahre ist es nun schon her, seit die Dose zur Konservierung von Lebensmitteln erfunden wurde. Betrachten wir heute die Regale in den Supermärkten und heimischen Vorratskammern, ist es umso erstaunlicher, dass Konserven vielerorts das Image anhaftet, nicht mehr zeitgemäß zu sein, wo es doch all die „moderneren“ Verpackungsarten gibt. Und dann noch der Anblick all der leeren Getränkebüchsen, die statt im Mülleimer gerne mal in Parks und Straßengräben „entsorgt“ werden…

Interessanterweise hat ausgerechnet das viel gescholtene Pfand für Getränkedosen in Deutschland den Verbrauchern unter anderem klar gemacht hat, dass es sich dabei keineswegs um eine minderwertige Verpackung handelt, sondern um einen wertvollen Rohstoff! Moderne Konserven aus leichtem, dünnem Weißblech sind mit einer hochwertigen Beschichtung gegen Korrosion geschützt, gleichermaßen natürlich der Inhalt in puncto Sauerstoff, Licht und Bakterien. Auch die Stabilität sucht ihresgleichen und die lange Haltbarkeit ist schlichtweg unschlagbar. Das schafft kein anderes Verpackungsmaterial.

Beim Transport von Konserven muss der Händler auch in heißen Sommern nicht auf eine durchgängige Kühlkette achten, auch nicht bei der Lagerung, was die Dose gegenüber von Gekühltem sogar deutlich nachhaltiger in der Energiebilanz macht – da sparen auch wir als Verbraucher zuhause. Apropos Aufwand: Konserven lassen sich heute mit Peel-Off-Deckeln auch viel komfortabler öffnen als früher. Das größte Plus ist sicher die bereits erwähnte lange Haltbarkeit, die zwischen zwei und zehn Jahren liegt, so dass man für Notfälle auch größere Mengen auf Vorrat kaufen kann. Schätzungen zufolge landet heute fast ein Drittel der weltweit produzierten Lebensmittel aufgrund falscher Einkaufsplanung und einer falschen Einschätzung der Haltbarkeit im Müll, was jeden Verbraucher in Deutschland durchschnittlich 235 Euro im Jahr kostet! Dieses Problem besteht bei lange haltbaren und wiederverschließbaren Dosen nicht.

Ein wichtiges Stichwort ist natürlich Qualität. Klar, im besten Fall kaufen und verarbeiten wir Lebensmittel frisch, aber machen wir uns nichts vor: Das funktioniert oft schon allein aus Zeitgründen nicht und so geht der Griff eher zu verpackten und eingeschweißten Lebensmitteln und Fertiggerichten. Die Dose bietet die Möglichkeit einer schonenden Verarbeitung und durch die metallische Konservierung bleibt ein Großteil an Nährstoffen und Vitaminen erhalten. Dies belegen diverse Tests, die zeigen, wie sich Lebensmittel aus der Dose von gleichen, frisch zubereiteten Gerichten hinsichtlich ihrer Nährstoffzusammensetzung unterscheiden.

Natürlich rate ich niemandem, sich ausschließlich aus der Dose zu ernähren. Aber sie ist eine echte Alternative – und zwar nicht bloß, weil‘s schnell geht oder der Inhalt lange haltbar ist. Orientieren sich die Verbraucher beim Kauf nicht nur am billigsten Preis, sondern informieren sie sich, woher die Produkte kommen, lässt sich gutes Essen mit einem guten Gewissen verbinden. Zum Schluss noch ein Wort zum Umweltschutz in Sachen Verpackung. Auch in diesem Punkt kann die Dose beeindrucken, denn Weißblech ist zu 100 % recycelbar, daher liegt die Recyclingquote von Konserven bei rund 94 %, was speziell ihrer guten Handhabung in der Müllverwertung zu verdanken ist. Hingegen werden sonstige Haushaltsabfälle nur zu etwa 66 % recycelt.

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Wenn das Spiegelbild ein Eigenleben führt

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Verlag: Österreichischer Agrarverlag
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