Weltgesundheitstag: Diabetes im Fokus

Am 7. April 2016 findet der jährliche Weltgesundheitstag statt. An diesem Tag werden auf aktuelle Ernährungs- und Gesundheitsthemen von globaler Bedeutung aufmerksam gemacht. 2016 rückt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Diabetes ins Rampenlicht.

In Österreich sind derzeit rund 600.000 Menschen an Diabetes erkrankt - Tendenz ist steigend. Vorsichtigen Schätzungen zufolge werden es im Jahr 2030 mehr als 800.000 Betroffene sein. Der Großteil der Erkrankten, etwa 85 – 90 % hat Typ 2-Diabetes, nur 30.000 Personen sind Typ 1-Diabetiker. Laut Internationaler Diabetes Föderation (IDF) leiden weltweit derzeit 415 Millionen Menschen an Diabetes. Das ist jeder Elfte. Zusätzlich sind etwa 318 Millionen glukoseintolerant, das heißt, sie haben bereits ein sehr hohes Risiko, an Diabetes zu erkranken. Rund um den Globus hat sich Diabetes in den letzten 20 Jahren verdoppelt. Die Prognose für die kommenden Jahre sieht ebenfalls alles andere als rosig aus: Im Jahr 2040 werden laut IDF in etwa 642 Millionen Menschen von der Krankheit betroffen sein.
Helmut Brath von der Österreichischen Diabetes Gesellschaft (ÖDG) spricht von einer Diabetes Welle, die auf uns zu rollt. „Diabetes ist eines der größten Gesundheitsprobleme des 21. Jahrhunderts. Die Wachstumsraten betragen rund vier bis fünf Prozent pro Jahr. Man kann von einem richtigen Tsunami sprechen“.

Wissenswert

Obwohl Diabetes ein weltweites Problem ist, leben ca. 80 % der Diabetiker in Ländern mit niedrigem bzw. mittlerem Einkommen. Begründet wird dies neben hohen Bevölkerungszahlen und der Verwestlichung des Lebensstils auch aufgrund der Zugehörigkeit zu ethnischen Gruppen mit höherem Diabetesrisiko. Auch in Österreich sind Migranten öfter davon betroffen: Die Wahrscheinlichkeit an Diabetes zu erkranken ist bei Männern 1,4-mal und bei Frauen 3,4-mal höher im Vergleich zu Einheimischen.

Was ist Diabetes?

Diabetes ist eine Erkrankung, bei der der Blutzuckerspiegel erhöht ist. Das rührt daher, dass Zucker nicht weiter in die Zellen transportiert werden kann. Dafür braucht es das Hormon Insulin. Es wird von der Bauchspeicheldrüse zur Verfügung gestellt und sorgt dafür, dass die Zellen ausreichend mit Energie versorgt werden. Bei Insulinmangel sammelt sich der aufgenommene Zucker im Blut an, der Blutzuckerspiegel steigt. Der Zucker stammt aus kohlenhydratreichen Lebensmitteln wie Kartoffeln, Reis, Brot, Nudeln, Mehlspeisen aber auch Limonaden oder Süßigkeiten. Langfristig schädigt ein zu hoher Blutzuckerspiegel die Gefäße und Organe.
Menschen, die an der Autoimmunerkrankung Typ 1 Diabetes leiden, produzieren wenig bis kein Insulin. Sie haben deshalb einen permanenten Insulinmangel und müssen das Hormon ein Leben lang spritzen. Nur so wird der Blutzuckerspiegel in bestimmten Grenzen gehalten, Organe und Gefäße werden nicht beeinträchtigt.
Anders ist das bei Typ 2 Diabetes. Hier liegt entweder eine verzögerte Insulinausschüttung oder eine sogenannte Insulinresistenz vor. Das bedeutet, die Zellen sprechen nicht mehr in vollem Maße auf Insulin an, der Blutzuckerspiegel steigt. In frühen Phasen der Erkrankung gleicht das der Körper mit einer gesteigerten Insulinproduktion aus. Reicht das nicht mehr aus, entwickelt sich die Krankheit. Die Folgen sind ein hohes Risiko für Spätschäden wie Herz-Kreislauferkrankungen, Nierenversagen bis hin zu Amputation von Gliedmaßen. Bereits die ersten Symptome wie Müdigkeit und Schwindel, gesteigertes Durstempfinden und gleichzeitig vermehrtes Schwitzen, schlecht heilende Wunden und häufiges krank sein, können auf Typ 2 Diabetes hindeuten.

Wissenswert

Früher wurde Typ 2 Diabetes laienhaft als „Altersdiabetes“ bezeichnet, da dieses Krankheitsbild hauptsächlich bei älteren Menschen auftrat. Mittlerweile sind jedoch bereits auch viele junge Menschen Typ-2-Diabetiker. Typ 2 Diabetes entwickelt sich schleichend über Jahre und wird oft nur im Rahmen einer Folgeerkrankung diagnostiziert, wie Depressionen, Demenz, Augenerkrankungen, Nierenfunktionsstörungen oder Beingeschwüre. Hauptrisikofaktor für Diabetes Typ 2 ist Übergewicht, vor allem das Bauchfett scheint hier eine besonders große Rolle zu spielen.

Mehr zu den unterschiedlichen Diabetes Typen lesen Sie hier.

Was kann man tun?

Ist man bereits an Diabetes erkrankt, raten Ärzte und Gesundheitseinrichtungen zu regelmäßigen Kontrolluntersuchungen. Denn ein schlecht eingestellter Diabetes führt unweigerlich zu Spätfolgen. Der Präsident der ÖDG Hermann Toplak betont, dass aufgrund der fortgeschrittenen medizinischen Forschung, Menschen mit Diabetes heute länger,  mit weniger Folgeerkrankungen und besserer Lebensqualität leben können. Da die Neuerkrankungen stets zunehmen, wird Diabetes mellitus allerdings zu einer enormen Herausforderung für die Gesamtgesellschaft.
Verschiedenen Gesundheitseinrichtungen arbeiten aktiv daran, das Diabetesproblem in den Griff zu bekommen. Von den Wiener Krankenversicherungsträgern, der Krankenfürsorgeanstalt Wien und der Stadt Wien wurde das Programm „Therapie aktiv – Diabetes im Griff“ initiiert. Etwa 13.600 Diabetiker nehmen daran teil. Sie werden von speziell geschulten Ärzten umfangreich und vor allem langfristig betreut.
Menschen mit Diabetes werden auch in den vier WGKK-Gesundheitszentren umfassend behandelt. Spezialisierte Fachleute kümmern sich um eine individuelle ärztliche Behandlung, einer Diabetesschulung und Ernährungsberatung. Zusätzlich werden Broschüren über das Thema Diabetes angeboten.

 

Besser Vorbeugen!

Diabetes aus dem Weg gehen in sechs Schritten:
1.    Stress vermindern!
2.    Ausreichend und regelmäßig zu bewegen. Mindestens 150 Minuten pro Woche sollten es sein. Dabei sollte auch das Krafttraining nicht zu kurz kommen.
3.    Bewusst und ausgewogen essen und trinken
4.    Auf Normalgewicht achten
5.    Alkohol nur moderat trinken
6.    Rauchfrei leben

Literatur

Pressemeldung der Österreichische Diabetes Gesellschaft „Weltgesundheitstag am 7. April 2016“ vom 6.4.2016.

Statistik A, Österreichische Gesundheitsbefragung 2006/2007, Bundesministerium für Gesundheit, Familie und Jugend. Sozio-demographische und sozio-ökonomische Determinanten von Gesundheit. 2007.

Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG): www.oedg.at (Zugriff am 7.4.2016)

World Health Organization (WHO): www.euro.who.int/en/about-us/whd (Zugriff am 4.4.2016)

Pressemeldung der WGKK: WGKK betreut Menschen mit Diabetes umfangreich vom 6.4.2016

Medizin Populär: ZU viel Zucker? In 6 Schritten Diabetes natürlich bekämpfen. Ausgabe 3 (2016)

 

 

 

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Zitat zu Diabetes

„Der Kohlenhydratanteil in der Ernährung - und dazu zählen auch Zucker - zeigt keinen Zusammenhang mit der Entstehung von Diabetes mellitus Typ II. Zucker macht nicht zuckerkrank!"

[Univ.-Prof. Heiner Boeing, Deutsches Institut für Ernährungsforschung (DIfE)]

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