10.10.2008

Altern stellt Ernährung auf den Kopf - Gewichtsverlust ist Alarmsignal im Alter

Haben wir es bei Kindern und Jugendlichen mit einem verstärkten Trend zu Übergewicht zu tun, stellt sich die Problemlage im Alter anders dar. In der wachsenden Altersgruppe der über 70-Jährigen ist vermehrt Mangel- bzw. Unterernährung festzustellen. Die richtige Ernährung muss also eine ‚altersgerechte‘ sein.

Während Österreichs Jugendliche in steigender Zahl an Übergewicht und Adipositas leiden, ist besonders für ältere Menschen eher Untergewicht ein zunehmendes, aber unterschätztes Problem. Denn Nährstoff- (v.a. Eiweiß) und Energiemangel verschlechtern den Gesundheitszustand, der wiederum mangels körperlicher Ressourcen nicht kompensiert werden kann. Die Spirale nach unten ist vorprogrammiert: Fehl- und/oder Unterernährung gehen mit einem geschwächten Immunsystem einher, bedingen postoperative Komplikationen und längere Krankenhausaufenthalte. „Mollige" Senioren haben in diesem Fall eine bessere Ausgangslage. Sie haben zudem eine höhere Knochendichte und sind so eher vor Sturz und Fraktur geschützt. Leichtes Übergewicht mit einem BMI von 25-26 kann daher vor frühzeitigen Komplikationen bewahren

Sinkender Grundumsatz und Untergewicht im Alter - ein Widerspruch?

Mit fortschreitendem Alter verändert sich unser Körper und damit auch sein Grund-umsatz. Generell gilt: Je älter wir werden, desto weniger Energie verbraucht unser Organismus. Abnehmende physische Aktivität lässt den Grundverbrauch in der Regel noch weiter sinken. Und trotzdem ist im Alter - besonders in der Altersgruppe 70+ - eher eine Tendenz zum Untergewicht festzustellen. „Während mit fortschreitendem Alter der Anteil der Übergewichtigen abnimmt, steigt jener der untergewichtigen Personen in erheblichem Ausmaß an", führt Mag. Marlies Gruber, wissenschaftliche Leiterin des forum. ernährung heute aus. „Leiden bei den 60-Jährigen noch 10 % an Untergewicht, so beträgt dieser Anteil bei den über 84-Jährigen bereits 30 %." Erklärt wird die immer geringere Nahrungsaufnahme einerseits durch den abnehmenden Gesamtenergieumsatz, andererseits mit dem sinkenden Appetit, verminderten Geschmacksempfinden und den häufiger auftretenden Depressionen. „Die mit Mangelernährung und Untergewicht verbundenen Gesundheitsrisiken sind ebenso ernst zu nehmen, wie die wesentlich besser bekannten Gesundheitsfolgen von Übergewicht. Bei über 75-Jährigen ist ein Gewichtsverlust, ob freiwillig oder nicht, immer ein Alarmsignal."

Essen und Trinken fallen im Alter zunehmend schwer 

„Ältere Menschen leiden in einer großen Zahl an Appetitlosigkeit und abnehmendem Durstempfinden", beschreibt Gruber das Problem. „Hinzu kommen viele weitere Faktoren, die diese sogenannten Regulationsstörungen verstärken können. So kann sich etwa die vermehrte Einnahme von Medikamenten oder können sich gesundheitliche Probleme wie Kau- und Schluckbeschwerden negativ auf den Appetit auswirken."

Was das Trinken betrifft, so ist besonders im Winter Gefahr in Verzug: In der kalten Jahreszeit trinken 60 % der Senioren weniger als die empfohlene Mindestmenge von 1,5 L; im Sommer sind es „nur" 23 %. Werden die 1,5 L Flüssigkeit am Tag nicht erreicht, so können Austrocknungs- und Verwirrtheitszustände, Kreislaufstörungen oder Verstopfung die Folge sein. Wichtig ist daher, zu jeder Mahlzeit mindestens ein Glas (Mineral-)Wasser, Tee oder verdünnten Saft zu trinken. An das Trinken erinnern sich manche Menschen selbst mithilfe eines Trinkweckers oder sie haben in ihrer Nähe immer ein Glas Wasser stehen.
Während der alternde Organismus zwar immer weniger Energie verbraucht, bleibt der Bedarf an wichtigen Nährstoffen wie Eiweiß, Vitaminen und Mineralstoffen unverändert oder nimmt sogar zu. Mit zunehmendem Alter gilt es daher, auf möglichst nährstoff-dichte Lebensmittel zu setzen.

‚Mit dem Alter besser essen‘ - die gängigsten Mangelerscheinungen vermeiden

Vitamin D-Mangel: Vitamin D wird nicht nur über die Nahrung aufgenommen, sondern auch vom Körper selbst produziert. Im Alter nimmt die Eigenproduktion allerdings ab. Fetter Fisch, Leber, Eigelb oder Margarine können für Ersatz sorgen.

Kalzium-Mangel: Auch die Fähigkeit des Körpers, Kalzium aus der Nahrung aufzunehmen, sinkt mit zunehmenden Alter. Auf eine ausreichende Kalziumversorgung ist daher besonders  zu achten, auch um Osteoporose vorzubeugen. Neben Milchprodukten kann auch kalziumhaltiges Mineralwasser einen wichtigen Beitrag leisten.

Folsäure-Mangel: Eine zu niedrige Folsäure-Zufuhr ist in allen Altersgruppen ein Problem. Ein Zuwenig an Folsäure erhöht das Risiko für Artherosklerose. Folsäure ist vor allem in grünem Gemüse (Salat, Kohl, Spinat, Gurken), Orangen, Weizenkeimen, Sojabohnen, Tomaten, Vollkorn- oder Milchprodukten enthalten. Viele der genannten Lebensmittel sind aber gerade für ältere Menschen mit Kau- und Schluckbeschwerden oder mit Zahnprothesen schwer zu konsumieren. Als Alternative bieten sich z. B. angereicherte Fruchtsäfte an.

Vitamin  B12-Mangel: Zur Aufnahme von Vitamin B12 bedarf es einer intakten Magenschleimhaut. Ist diese chronisch entzündet (Gastritis), kann Vitamin B12 nicht vom Körper resorbiert werden. Ein Drittel aller über 65-Jährigen entwickeln eine Gastritis. Vitamin B12 ist in Fleisch und Fleischprodukten sowie Eiern enthalten.

Auch eine Supplementierung mit den entsprechenden Nährstoffen kann in manchen Fällen  sinnvoll sein.


‚Golden Rules‘ fürs Alter - Ernährungs-Tipps

    • Trinken: Wasser und Tees - 8 Gläser+ / Tag
    • Vollkornbrot, Cerealien, Reis, Nudeln: 6 Portionen+ / Tag
    • Gemüse: 3 Portionen+ / Tag
    • Obst: 2 Portionen+ / Tag
    • Fettarme Milch/Milchprodukte: 3 Portionen+ / Tag
    • Fleisch, Geflügel, Fisch, Hülsenfrüchte, Eier, Nüsse: 2 Portionen+ / Tag
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