07.12.2011

Anbraten. Einkochen. Abschmecken. So wird Ernährung zum Männerthema

Selber Essen auf den Tisch zaubern statt nebenbei Pommes futtern: Auch junge Männer profitieren, wenn sie wissen, wie's in der Küche läuft. Ein neues Männerbild, kontinuierliche Erziehung und neue Kochtrends könnten dabei helfen. Das zeigt nun das vom ‚forum. ernährung heute' als Fazit eines Symposiums veröffentlichte Konsensuspapier, an dem Experten, Trendforscher und Soziologen mitgewirkt haben.

Männer essen häufig Fleisch und viel Fettes - Salat und Gemüse überlässt man(n) lieber den Frauen. Die Folgen sind alarmierend: „Nahezu jeder fünfte männliche Jugendliche ist zu dick, jeder achte ist sogar adipös", erklärt Marlies Gruber vom ‚forum. ernährung heute'. „Drei Viertel aller jungen Männer sind mit Kalzium unterversorgt. Die Fettaufnahme ist viel zu hoch - bei den gesättigten Fettsäuren sogar fast doppelt so hoch wie empfohlen. Verschärfend dazu kommt noch, dass die Hälfte der jungen Männer so gut wie nie Gemüse isst und ein Drittel nicht mal Obst." Das ‚forum. ernährung heute' ist daher gemeinsam mit Experten den Ursachen auf den Grund gegangen und hat daraus konkrete Lösungsansätze erarbeitet. Diese wurden jetzt in einem ausführlichen Konsensuspapier veröffentlicht.

Rollenerwartungen: Mann am Grill - Strammer Max am Teller

 Eine der wesentlichen Ursachen der Fehlernährung sieht der deutsche Ernährungsexperte Thomas Altgeld in der Rollenerwartung der Gesellschaft: „Männer bereiten das ganze Jahr keine Nahrung zu, stehen aber wie selbstverständlich im Sommer beim Grill. Das ist geschlechtsstereotypes Verhalten." Genau dieses bestimmt oft auch, was der Mann aus der Speisekarte auswählt: „Die Forelle Müllerin etwa kann für viele Herren mit dem Jägerschnitzel, Strammen Max oder dem Holzfällersteak nicht mithalten. Hier zeigt sich deutlich, dass man gerade beim Essen beweisen kann, wie männlich oder unmännlich man ist." Altgeld warnt, dass junge Männer ungesunde Ernährungsgewohnheiten kaum aufgeben können, ohne dabei um ihre männliche Identität zu fürchten. Deshalb müssten sich Männlichkeitskonzepte und Rollenerwartungen verändern.

Das ‚forum. ernährung heute' rät nun unter anderem zur Früh-Förderung in der Küche daheim: „Junge Männer können am ehesten in die Speisenzubereitung eingebunden werden, wenn es sich um die Lieblingsspeise oder schnelle Gerichte handelt. Nimmt man sie mit zum Einkaufen oder lässt sie allein los ziehen, steigen auch das Interesse und die Freude am Kochen", sagt Marlies Gruber. Dass Zwiebel schneiden und Abschmecken auch Spaß machen, könnten ebenso die Väter vorleben: „Die Vorbildrolle ist sehr wichtig. Wenn der Vater in der Küche öfter aktiv ist, werden die Söhne dieses Verhalten eher übernehmen," so Gruber. Zudem geht es darum, sich im hektischen Alltag Zeit zum Essen und Genießen nehmen zu können. "Mit einem kleinen 1x1 der Lebensmittelzubereitung und Qualitätsbewusstsein im Hinterkopf lassen sich auch schnell gute  und situationsgerechte Essensentscheidungen treffen. Das kann man trainieren," sagt Gruber.  

Neue Konzepte für trendiges Kochen

 Auch Österreichs Foodtrendexpertin Hanni Rützler sieht gerade in der Zubereitung viel Potenzial und eine große Chance: „Wir haben es meiner Meinung nach einem einzigen Mann zu verdanken, dass Männer ihre Leidenschaft fürs Kochen entdecken können. Jamie Oliver hat gezeigt, dass man nicht französisch sprechen muss, um Gemüse zu schneiden. Er hat ein neues männliches Kochen inszeniert." Auch boomende neue Restaurantkonzepte weisen in diese Richtung: „Da gibt es zum Beispiel das Kochen im Supermarkt: Die Leute können einkaufen, dort direkt selber alles zubereiten, essen und danach alles liegen lassen. Das Konzept ist sehr erfolgreich. Oder auch ein Trend namens Visit Kitchen. Dort kann der Mann dem Koch über die Schulter schauen und Fragen stellen. So kochen zu lernen macht großen Spaß", erklärt Rützler.

Neben der Familie ist somit auch die Wirtschaft verstärkt gefordert, das Kochen völlig neu zu erfinden. „Der Bogen der Lösungsansätze ist ein sehr weiter", sagt Gruber: „Die Schulen könnten im interdisziplinären Unterricht der Herkunft von Lebensmitteln und der
Speisenzubereitung weit mehr Platz einräumen. Aber auch die Medien sind gefragt, das Thema "ausgewogenes Essen" männergerecht zu präsentieren", appelliert Gruber. Das ‚forum. ernährung heute' wird nun vom Konsensuspapier abgeleitet 2012 ein zielgruppenspezifisches Projekt starten. 

Konsensuspapier Ernährungskompetenz junger Männer zum Download
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