06.02.2009

Flüssiges Penicillin

Wenn die Grippewelle im Anrollen ist, heißt es landläufig: Eine kräftige Hühnerbrühe ist die beste Medizin, wenn der Hals kratzt und die Nase rinnt. Wer glaubt, dass dieses Rezept gegen die Erkältung nur reiner Aberglaube ist, wird durch wissenschaftliche Studien eines Besseren belehrt.

Eine Reihe von Untersuchungen zeigt, dass Hühnersuppe Entzündungsprozesse hemmt und Symptome eines grippalen Infekts erleichtern kann. Außerdem ist erwiesen, dass sie Nasensekrete stärker als andere heiße Flüssigkeiten verflüssigt. Eines ist aber klar: Ein grippaler Infekt gehört bei Komplikationen und hohem Fieber auf jeden Fall in ärztliche Hände.

Wenn das Abwehrsystem auf Hochtouren läuft

Erkältungen oder grippale Infekte gehen meist mit Husten, Schnupfen, leichtem Fieber und Angeschlagenheit einher. Im Laufe des Jahres kommt es bei jedem Mensch auf etwa drei Erkältungen, Kinder sind im Schnitt sogar bis zu zehn Mal erkältet. Warum kommt es zu den unangenehmen Symptomen?
Mag. Marlies Gruber: „Gelangen Erkältungsviren in die Nase und Bronchien, wird das körpereigene Abwehrsystem alarmiert: Schleimhäute werden stärker durchblutet und es wird vermehrt Sekret abgesondert, um die Fremdkörper herauszuschleusen. Der Körper hilft sich mit Schnupfen und Husten. Zudem verursachen neutrophile Granulozyten Entzündungen der Schleimhäute, wodurch diese anschwellen. Da gegen die verursachenden Erkältungsviren Arzneimittel oftmals unwirksam sind, spielen Hausmittel bei der Behandlung von jeher eine wichtige Rolle".

Lässt die Nase rinnen, hemmt Entzündungen

Die ersten Anzeichen einer Erkältung sind meist trockene Schleimhäute und eine verstopfte Nase. Dies verhindert, dass Sekrete abfließen und abgehustet werden. Neben Ruhe und Wärme ist eine hohe Flüssigkeitszufuhr Grundlage der Behandlung.  Eine amerikanische Studie untersuchte nun die Wirkung von Hühnersuppe an Zellkulturen und kam zu dem Ergebnis, dass diese die Bewegung von neutrophilen Granulozyten einschränkt, wodurch sie kaum Entzündungen der Atemwege auslösen können. Diese Wirkung wurde sowohl bei hausgemachten Suppen als auch bei verschiedenen Fertigsuppen beobachtet - entscheidend ist hier die Konzentration der Inhaltsstoffe. Welche Bestandteile jedoch im Speziellen für die heilenden Kräfte verantwortlich sind, ist derzeit noch unklar. Die einzelnen Suppenbestandteile wie Hühnerfleisch und Gemüse zeigten jedenfalls auch unabhängig von einander eine entzündungshemmende Wirkung.

Heilende Temperatur

Grundsätzlich fühlen sich Schnupfenviren bei Temperaturen unter 37° C am wohlsten. Fieber ist daher im Zusammenhang mit viralen Infektionen eine sinnvolle Reaktion des Körpers, da sich Viren nicht reproduzieren, sobald ihnen zu heiß wird. Die Dämpfe der heißen Hühnersuppe sind schon ausreichend, um die Viren an ihrer Vermehrung zu hindern - deshalb: mehrmals am Tag langsam genießen.

Wohlfühlfaktor

Da die psychische Verfassung bei der Genesung eine wesentliche Rolle spielt, schließen WissenschafterInnen die Wirksamkeit des so genannten TLC-Faktors nicht aus. TLC steht für „Tender Loving Care" - die sanfte, liebevolle Fürsorge. Schon der Duft erinnert viele Menschen an liebevoll zu bereitete Hühnersuppe aus ihrer Kindheit. Wenn sich die Seele wohlfühlt, ist das Immunsystem doppelt gestärkt.

Wussten Sie, dass...

...Hühnersuppe bereits im 12. Jahrhundert vom jüdischen Gelehrten Mose ben Maimon als Medizin gegen Erkältung der oberen Atemwege beschrieben wurde? In der jüdischen Tradition ist Hühnersuppe gegen Erkältungen so weit verbreitet, dass sie sich in den USA die scherzhafte Bezeichnung „Jewish penicillin" verdient hat. Hühnersuppe gilt seit Jahrhunderten in verschiedensten Lehren als Haus- und Heilmittel gegen grippale Infekte - Großmütter haben's schon gewusst, wissenschaftliche Studien haben es nun belegt.

Das Rezept - Hühnerbrühe:

    • 1 Suppenhuhn mit Innereien
    • Salz
    • 1 l Wasser
    • 1 Petersilienwurzel
    • 50 g Sellerie
    • 50 g Lauch
    • 100 g Karotten
    • Petersilie, Schnittlauch

Suppenhuhn und Innereien waschen. Mit Salz und kaltem Wasser aufsetzen und zum Kochen bringen. 1-2 Stunden köcheln lassen, zehn Minuten in der Nachwärme fertig garen. Petersilienwurzel und Karotten putzen, waschen und nach der halben Gardauer zufügen. Huhn herausnehmen, Brühe durch ein Sieb gießen und wieder in den Kochtopf geben. Huhn häuten, zerlegen, Knochen herauslösen, Fleisch klein schneiden und in die Brühe geben. Brühe erhitzen und abschmecken. Mit gehackten Kräutern bestreuen. Um die entzündungshemmende und wärmende Wirkung von Hühnersuppe noch zu steigern, kann man zusätzlich mit Chili oder frischem Ingwer würzen.

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