19.11.2007 von Doris Passler

Schaden Mikrowellen?

In den 90er Jahren hat der Mikrowellenherd die Küchentechnik revolutioniert. Heute hat jeder zweite Haushalt einen. Ängste um gesundheitliche Gefahren durch „Strahlung“ bestehen aber immer noch.

Unserem Zeitgeist kommt Mikrowellen-Garen entgegen. Wir arbeiten viel und greifen in kurzen Arbeitspausen oder abends gerne zu schnellen Gerichten. Mit dem Mikrowellenherd gelingt es innerhalb von Minuten eine warme Mahlzeit auf den Tisch zu zaubern. Das spart Zeit und Nerven. Aber ist der Mikrowellenherd der ideale Ersatz für Kochfeld und Backrohr? Sorgen sich Konsumenten zurecht um gefährliche Strahlung?

Bewegte Moleküle

Hinter jedem Mikrowellenherd steckt ein einfaches Prinzip: Wärmeproduktion durch Bewegung. Das funktioniert so: Ein Magnetron im Inneren des Mikrowellenherds erzeugt Mikrowellen, die in den Garraum eingeleitet werden. Sie bringen Moleküle im Lebensmittel zum Schwingen. Die entstehende Bewegung führt zur Erwärmung des Garguts. Unterschiedliche Bestandteile von Lebensmitteln (Wasser, Fett, Eiweiß, Kohlenhydrate, Salz) erhitzen sich unterschiedlich schnell, was zur Bildung von "hot spots" und "cold spots" führt. Ein rotierender Flügel und der Drehteller sorgen dafür, dass die Mikrowellen im Produkt besser verteilt werden und optimiert die Wärmeverteilung.

Wissenswert

Aufgrund unregelmäßiger Wärmeverteilung ist Mikrowellen-Garen eher für kleinere Portionen geeignet. Bei großen Mengen oder dicken Stücken (dicker als 3 – 4 cm) sind herkömmliche Garmethoden praktischer.
Damit keine Krankheitserreger in wenig erhitzten Zonen überleben können, muss das Gargut in allen Bereichen für mehrere Minuten auf 70 °C erhitzt werden. Deshalb sollten besonders Geflügel und frischeihaltige Gerichte auf niedriger Stufe zubereitet, mehrmals umgerührt, gewendet werden.

Mikrowellen-Kochgeschirr

Glas, Keramik, Porzellan oder Steingut sind für Mikrowellen durchlässig und eignen sich gut als Mikrowellen-taugliches Kochgeschirr. Geschirr mit Gold- oder Silberrand sollte nicht verwendet werden, da sich die „Edelränder“ lösen können.  Metallgefäße gelten als ungeeignet, weil sie Mikrowellen fast vollständig reflektieren, wodurch das Gargut nicht erwärmt wird. Eine Ausnahme sind ganz flache Alugefäße. Außerdem stören Metallgefäße die optimale Verteilung der Mikrowellen im Garraum. Geraten Metallteile zu nahe an die Garraumwand, können Funken entstehen, die das Gerät beschädigen. Hersteller weisen deshalb in Produktbeschreibungen explizit darauf hin, welches Kochgeschirr geeignet ist.

Nährwertgehalt gleich gut

Zahlreiche Untersuchungen entkräften Befürchtungen von Nährstoffverlusten. Wie bei konventionellen Methoden ist auf schonende Zubereitung zu achten z. B. Garen in wenig Flüssigkeit. Nährwert, Verdaulichkeit von Eiweißen, Zusammensetzung von Aminosäuren und Stabilität von fettlöslichen Vitaminen verhalten sich ähnlich wie bei konventionellen Kochmethoden. Die Stabilität von wasserlöslichen Vitaminen wird durch Mikrowellen-Kochen sogar weniger beeinträchtigt. Fette werden weniger oxidiert, so dass keine hochreaktiven toxischen Substanzen (Radikale) entstehen. Beim Auftauen von Tiefkühlkost werden Nährstoffe durch die kurze Auftauzeit geschont. Auch beim Aufwärmen einzelner Portionen in der Mikrowelle gehen übrigens weniger Inhaltsstoffe verloren als beim konventionellen Erwärmen.

Achtung: Überdruck

Bei luftdicht verschlossenen Gefäßen (Flaschen, Babynahrung in Gläschen, Vakuumverpackungen etc.) besteht durch entstehenden Überdruck Explosionsgefahr. Genauso bei Lebensmitteln wie Eiern, Tomaten, Kartoffeln oder Würstchen, die von einer geschlossenen äußeren Hülle umgeben sind. Deshalb ist es ratsam, Verschlüsse vor dem Erwärmen zu öffnen oder von einer Hülle umschlossene Lebensmittel einzustechen oder zu schälen. Gefahr besteht auch bei Flüssigkeiten: Sie überhitzen rasch. Dann können große Blasen schon bei geringer Erschütterung explosionsartig aus dem Gefäß treten und zu Verbrennungen führen. Abhilfe schafft ein im Gefäß stehender Glasstab oder Löffel aus hitzebeständigem Material (z. B. Edelstahl, nicht versilbert).
Beim Erwärmen von Babyflaschen und Gläschenkost ist zusätzlich Vorsicht geboten: Fläschchen oder Gläschen können außen noch kühl erscheinen, obwohl sie im Inneren schon sehr heiß sind. Um Verbrennungen im Mund- und Speiseröhrenbereich auszuschließen, sollte man das Gargut immer umrühren und kurz stehen lassen, damit sich die Wärme verteilt.

Gefährliche Strahlung

Metallgehäuse und Drahtgitter am Sichtfenster des Mikrowellenherds halten die Mikrowellen großteils im Gerät. Durch die Türfuge können geringe Mengen an Mikrowellenstrahlung, der so genannten Leckstrahlung, austreten. Das passiert am ehesten, wenn die Türdichtungen abgenutzt oder schmutzig sind oder das Schloss fehlerhaft ist. Bei einwandfreien Geräten und Sauberhalten von Türrahmen und Türdichtung kann das nicht passieren. Beruhigen kann auch, dass Mikrowellen in einem Frequenzbereich liegen, der als „nicht ionisierend“ eingestuft wird und Mikrowellen-erhitzte Lebensmittel geben selbst keine Strahlung ab. Untersuchungsergebnisse, die eine Verschlechterungen des Blutbildes nach ausschließlicher Ernährung mit Mikrowellen-erhitzer Nahrung und negative Einflüsse auf Aminosäuren mit neurotoxischen Wirkungen feststellten, haben sich als nicht stichhaltig erwiesen. Für Strahlenschutzexperten steht fest: Unter Einhaltung gerätespezifischer Vorschriften besteht keine Gefahr, auch nicht für Schwangere, Säuglinge oder Kinder.

Wissenswert

Nach internationaler Norm darf die Leckstrahlung in fünf Zentimeter Abstand vom Gerät 5 mW/cm2 nicht überschreiten. Zahlreiche Studien haben Leckstrahlungen neuer und gebrauchter Geräte getestet. Das Ergebnis: Geräte emittieren nur etwa 1 % der zugelassenen Leckstrahlung. Die Strahlung verringert sich bereits bei 30 cm Entfernung vom Gerät auf ein Zehntel.

Fazit

Bei sachgemäßem Umgang bestehen keine gesundheitlichen Gefahren durch den Gebrauch des Mikrowellenherdes. Wer alle Zubereitungstipps beachtet, findet beim Mikrowellen-Garen eine praktische Ergänzung zu Kochfeld und Backrohr. Ganz ersetzen kann man konventionelle Methoden aber nicht – vor allem nicht, wenn größere Mengen zubereitet werden.

Literatur

Bundesamtes für Gesundheit (BAG): Mikrowellenofen. www.bag.admin.ch (Zugriff am 17.11.2007).

Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V.: Mikrowellengeräte. Beratungspraxis 01/2001. www.dge.de
(Zugriff am 17.11.2007).

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