19.06.2020 von Elisabeth Sperr (Aktualisierung)

Sommer, Sonne, Sonnenbrand?

Wer die Sonne in großen Zügen genießt, riskiert einen Sonnenbrand. Schutz vor Hauterrötung bieten aber nicht nur Sonnencremes. Eine kleine Erhöhung des Lichtschutzfaktors um 2-3 erreicht auch, wer bei gelb-orange-rotem Obst und Gemüse kräftig zugreift.

Unsere Haut hat in vielerlei Hinsicht einen hohen Stellenwert: Sie ist die Barriere des Körpers zur Außenwelt, das größte Organ und nicht zuletzt ein wesentliches Schönheitsattribut. Das äußere Erscheinungsbild gibt Aufschluss über Alter, Stress und Lebensstil. Mehrere Maßnahmen können dabei helfen, die Haut gesund zu erhalten: So ist ausreichendes Trinken im Sommer von großer Bedeutung, um ein Austrocknen der Haut zu verhindern und den allgemeinen hitzebedingten Flüssigkeitsverlust wieder auszugleichen. Wer die Haut bestmöglich vor belastender Sonnenstrahlung schützen will, greift nicht nur zum Sonnenschutz aus der Tube, sondern etwa auch zu Paradeisern, Olivenöl und Pfirsichen. Sie können die Haut vor sonnenbedingten Zellstörungen zusätzlich in kleinem Ausmaß schützen.

Entzündung durch UV-Strahlen

Warum ist Sonneneinstrahlung so belastend für den Körper und Hautschutz so wichtig? Die von der Sonne ausgehende ultraviolette (UV-) Strahlung wird in drei Wellenlängebereiche unterteilt. Während die UV-C-Strahlung die Erdoberfläche nicht erreicht, gelangen UV-A und UV-B-Strahlen bis auf unsere Hautoberfläche. Die deutlich hautrötend wirkende UV-B-Strahlung wird größtenteils von der Oberhaut abgefangen. Schwächer, aber tiefer in die Hautschicht eindringend ist UV-A. Zusammen erzeugen sie nicht nur die Bildung von braunem Farbstoff, sondern auch freien Radikalen, DNA-Strangbrüchen sowie hautschädigenden Fotoprodukten. Häufiges, ungeschütztes Sonnenbaden verursacht so dauerhafte Schäden des Erbguts und erhöht das Risiko für Hautkrebs. Eine regelmäßige Selbstbegutachtung von Haut, Pigmentflecken und Muttermalen, sowie fachärztliche Kontrollen sind erforderlich, um Hautkrebs frühzeitig zu erkennen. Ein weiterer Aspekt der Strahlung ist der lichtbedingte Kollagenabbau, der zu Hautalterung und Faltenbildung führt. Dabei fallen auch Stoffwechselverbindungen an, die Entzündungen auslösen. Sonnenbrand ist somit eine entzündliche Verbrennungsreaktion, die umso stärker wird, je länger der Aufenthalt in der Sonne und je intensiver die Sonneneinstrahlung ist.

Nährstoffe als Erste-Hilfe

Gegenspieler des „Sonnenstress" sind Vitamin C und Vitamin E sowie die gelb-orange-roten Pflanzenfarbstoffe Betacarotin, Lykopin und Astaxanthin, wie aktuelle Studien verdeutlichen. Ist die Haut bereits gerötet, lindert Zink die Entzündungsprozesse und lässt so den Sonnenbrand schneller abklingen. Das Spurenelement ist an zahlreichen Prozessen wie der Zellteilung, der Immunabwehr und dem Wachstum beteiligt. Entzündungen sind daher mit einem hohen Zinkverbrauch verbunden. Zinkreiche Milchshakes oder ein Omelette können einen bereits bestehenden Sonnenbrand lindern. Ansonsten gilt: Kühlende Umschläge sind angenehm und spezielle Salben bringen Linderung der Schmerzen. Zudem ist es wichtig, viel zu trinken. Bei schwerem Sonnenbrand, massiv geröteter Haut, flächiger Ablösung der Haut, starken Schmerzen, Übelkeit, Blasenbildung sowie Fieber oder Kopfschmerzen sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Acht Wochen Vorbereitung

Zwar kann eine „Sonnendiät“ das Eincremen mit Sonnenschutzprodukten nicht ersetzen, den Sonnenschutz aber zusätzlich von Innen aufzubauen hat einen entscheidenden Vorteil: Während Sonnencremes nur dort wirken, wo man sie aufgetragen hat, erreichen die Wirkstoffe aus Lebensmitteln den gesamten Körper. Um einen tatsächlichen Schutz zu erzielen, sind größere Portionen Obst und Gemüse täglich über mindestens acht Wochen notwendig. Nur so bleibt genug Zeit, leere Speicher zu füllen und den Überschuss in der Haut abzulagern. Bunte Obst- und Gemüsesorten, bevorzugt in intensiven Farben Rot, Orange und Gelb sollten den Speiseplan dafür dominieren. Vitamin C-reiche Früchte werden idealerweise mit Vitamin E-haltigen Ölen kombiniert. Zusätzlicher Nutzen: Der hohe Antioxidantien-Gehalt in Obst und Gemüse wirkt auch der sonnenbedingten Hautalterung entgegen.

Helfer beim „Sonnenstress":

  • Betacarotin ist in Pfirsichen, Nektarinen, Marillen, Wassermelonen, Mangos, Karotten und roten Paprika sowie in Spinat enthalten.
  • Lykopin, der rote Pflanzenfarbstoff aus der Carotinoid-Familie, kommt reichlich in Tomaten, Wassermelonen und roten Grapefruits vor. Am besten nimmt es der Körper aus gekochten Tomaten (Tomatensauce, Tomatenpaste) auf.
  • Die wichtigsten Vitamin C-Quellen sind frisches Obst und Gemüse - vor allem Paprika, schwarze Johannisbeeren, Zitrusfrüchte, Kiwi und Sanddorn.
  • Besonders hohe Gehalte an Vitamin E weisen Pflanzenöle wie Weizenkeimöl, Sonnenblumenöl oder Olivenöl auf.
  • Gute Zink-Quellen sind tierische Produkte wie Fleisch, Innereien, Fisch, Eier und Milchprodukte. Sie enthalten an Histidin gebundenes Zink, wodurch es besser für den Körper verfügbar ist. Auch die Aminosäure Histidin selbst wirkt entzündungshemmend und antioxidativ und bietet so einen zusätzlichen Hautschutz.

Ein Sonnenschutz-Cocktail kann sein:

  • 230 ml Karottensaft (enthält 6 mg Betacarotin)
  • 70 ml Orangensaft (enthält 30 mg Vitamin C)
  • ½ EL Sonnenblumenöl (enthält 4 mg Vitamin E)

Fazit

Innerhalb mehrerer Wochen bauen farbenfrohes Obst und Gemüse einen inneren Sonnenschutzfaktor von etwa 2-3 auf und können somit ein wertvoller Basisschutz sein. Kleine Sonnensünden lassen sich zwar mit Zink "ausbügeln", allerdings sollte man dennoch auf keinen Fall vergessen, die Haut ausreichend mit T-Shirts, Kappen und Sonnencremes zu schützen. Besonders bei Kindern ist das wichtig, denn ihre Haut ist in punkto UV-Schutz noch nicht vollständig entwickelt.

Literatur

Baswan SM et al: Orally administered mixed carotenoids protect human skin against ultraviolet A-induced skin pigmentation: A doubleblind, placebo-controlled, randomized clinical trial. Photodermatol Photoimmunol Photomed 36: 219– 225 (2020).

Deutsches Krebsforschungszentrum: Ultraviolette Strahlung. www.krebsinformationsdienst.de/vorbeugung/risiken/uv-strahlung.php (Zugriff: 15.06.2020).

Krutmann J, Humbert P: Nutrition for healthy skin - Strategies for clinical and cosmetic practice. Springer-Verlag, Berlin Heidelberg (2011).

NN: Zu viel Sonne. Internet: www.gesundheit.gv.at (Zugriff: 05.06.2020).

Solway J et al: Diet and Dermatology: The Role of a Whole-food, Plant-based Diet in Preventing and Reversing Skin Aging – A Review. J Clin Aesthet Dermatol 13: 38-43 (2020).

Stahl W, Sies H: Photoprotection by dietary carotenoids: Concept, mechanisms, evidence and future development. Mol Nutr Food Res 56: 287-295 (2012).

Parrado C et al: Oral Photoprotection: Effective Agents and Potential Candidates. Front Med (2018).

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