19.05.2020 von Elisabeth Sperr

Tiefkühlkost: ewiges Eis für zu Hause

Jeder kennt die Situation: Man kommt spät abends nach Hause, der Magen knurrt und im Kühlschrank herrscht gähnende Leere. Aber Rettung ist in Sicht. Ob Pizza, Gemüse-Mischung oder Fischfilet – das Tiefkühlfach bewahrte schon so einige vor dem drohenden „Futtergrant“. Heutzutage sind Tiefkühlprodukte praktische Alltagshelfer, aber wie hat sich diese Erfolgsgeschichte entwickelt?

Bereits Alexander der Große ließ während der Zeit des Persischen Krieges Gruben mit Eis füllen, um darin Wein und Lebensmittel zu kühlen. Auch in Rom nutzte Kaiser Nero Schnee und Eis aus dem Apennin, um Früchte für seine Festgelage frisch zu halten. Die Entwicklung zu den Produkten, wie wir sie heute kennen, beginnt jedoch erst viel später. Als Erfinder der Tiefkühlkost gilt der amerikanische Meeresbiologe Clarence Birdseye. Auf seinen Forschungsreisen nach Neufundland in den frühen 1920er-Jahren faszinierte ihn, wie die einheimischen Inuit den frisch gefangenen Fisch haltbar machten. Sie hängten ihren Fang bei den eisigen Temperaturen von etwa -40 °C in den Wind, bis er nach kurzer Zeit gefroren war. Die so haltbar gemachten Lebensmittel hielten den ganzen Winter über und schmeckten nach dem Auftauen noch so frisch wie eben erst gefangen.

Cool gelagert bei -18 °C

Birdseye entwickelte kurz darauf die erste Schockgefrieranlage und fand heraus, dass die ideale Lagertemperatur für Lebensmittel bei 0 °F liegt. Ab dieser Temperatur werden Zellaktivitäten gehemmt, die sonst zu Verderb und somit Qualitätsverlust führen. Diese Angabe wurde weltweit übernommen und in andere Temperaturskalen übertragen. Die empfohlene Lagertemperatur von -18 °C ist auch heute gültig und entspricht 0 °F.

Tiefkühlkost: Siegeszug ab 1930

Am 6. März 1930 wurden im amerikanischen Springfield erstmals tiefgekühlte Lebensmittel in ausgewählten Supermärkten verkauft. Dieser Tag ist bis heute als „National Frozen Food Day“ (Tag der Tiefkühlkost) bekannt. Damals wie heute ist Tiefkühlen eine Form der Konservierung, die keine weiteren Zusatzstoffe oder Hilfsmittel benötigt. So wie in Neufundland ursprünglich die tiefen Temperaturen den Kühlprozess ermöglichten, wird heute die Technik des Blitzfrierens (auch Schockgefrieren genannt) angewandt. Der Vorteil gegenüber anderen Konservierungsmethoden: Während sich durch das Einfrieren bei etwa -30 °C die Haltbarkeit der Lebensmittel verlängert, bleiben die Inhaltsstoffe zum größten Teil erhalten. So werden nicht nur der Eiweiß-, Kohlenhydrat- oder Fettgehalt, sondern auch Vitamine und Mineralstoffe im Lebensmittel kaum verändert. Bohnen haben beispielsweise nach einem Jahr Lagerung bei -18 °C in der Tiefkühltruhe immer noch 80 % ihres ursprünglichen Vitamin C-Gehalts, während sie bei Lagerung bei 4 °C im Kühlschrank nach einer Woche 40 % und bei 20 °C Raumtemperatur im selben Zeitraum 80 % davon verlieren.

Tiefkühlprodukte sind beliebt

Mittlerweile haben sich Tiefkühlprodukte in den Haushalten weltweit etabliert. Auch ihr Image vermeintlich ungesund zu sein, hat sich durch das breite Sortiment gewandelt. Der durchschnittliche Pro-Kopf-Jahresverbrauch in Österreich steigt seit Jahren stetig an und lag laut Erhebungen der Statista im Jahr 2019 bei 11,4 kg. Zu den beliebtesten Produkten gehören Tiefkühl-Gemüse und –Fisch. Im Vergleich zum ersten Quartal des Vorjahres vermerkte die RollAMA (Rollierende Agrarmarktanalyse) durch die Corona-Krise in den Monaten Jänner bis März 2020 übrigens einen Zuwachs von rund 15 % bei tiefgekühlten Fertiggerichten und ein Plus von 20 % bei Tiefkühl-Gemüse.

Wissenswert

Was man beim Tiefkühlen zu Hause beachten sollte, lesen Sie hier. Wer mehr über Convenience-Produkte sowie die Lagerung von Lebensmitteln erfahren möchte, kann das auch in unseren Quiz erfahren.  


Fazit

Tiefkühlkost ermöglicht eine flexible Auswahl an Lebensmitteln auch abseits deren Saison. Besonders in den erntearmen Wintermonaten ist heimisches Tiefkühl-Gemüse eine gute Alternative zu importierter Ware. Für die eingefrorene Ware spricht zudem, dass sie gut und lange lagerfähig ist. Je nach Convenience-Grad erübrigen sich bei Tiefkühlkost auch oft einige Zubereitungsschritte und man kann sich einfach, rasch und dennoch bunt und ausgewogen ernähren.

Literatur

AMA-Marketing: PK RollAMA 1. Quartal 2020, Pressemitteilung Mit Kohl und Kraut durch die Krise. www.amainfo.at/presse (Zugriff: 15.05.2020). 
Buchner N: Verpackung von Lebensmitteln: Lebensmitteltechnologische, verpackungstechnische und mikrobiologische Grundlagen. Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, S. 398 (2013). 
Deutsches Tiefkühlinstitut (DTI): Tiefkühlgeschichte. www.tiefkuehlkost.de (Zugriff: 20.03.2020). 
Deutsches Tiefkühlinstitut (DTI): Mythen rund um Tiefkühlprodukte. www.tiefkuehlkost.de (Zugriff: 15.05.2020). 
Österreichische Gesellschaft für Ernährung (ÖGE): Tiefkühlgemüse. www.oege.at (Zugriff: 20.03.2020). 
Statista GmbH: Fertiggerichte. www.statista.com (Zugriff: 20.03.2020).  

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