25.06.2021 von Elisabeth Sperr, MSc

Was unser Boden alles kann

Der Boden, auf dem wir tagtäglich stehen und gehen, ist eine unserer wertvollsten Ressourcen: Er steckt voller Leben, ist Grundlage für unsere Lebensmittel und erfüllt viele wichtige Aufgaben. Ein nachhaltiger Umgang mit unseren Böden schützt den Menschen und die Umwelt zugleich.

Der Begriff „Boden“ bezeichnet die oberste, belebte Schicht der Erdkruste. Er ist Teil der Biosphäre (Gesamtheit der von Lebewesen besiedelten Erdteile) und bildet den Übergang von Gesteinsuntergrund zu Atmosphäre (Luft) und Hydrosphäre (Gewässern). Der Boden bietet Lebensraum für eine Vielzahl an Tieren und Mikroorganismen, darunter Milben, Larven, Asseln, Spinnen, Würmer, Pilze und Bakterien. So leben in einem Kubikmeter funktionellem, unversiegeltem Boden mehrere Billionen von Lebewesen. Diese verschiedenen unterirdischen Bewohner sind maßgeblich an seiner Qualität beteiligt. Sie lösen Mineralien aus dem harten Gestein, verarbeiten abgestorbene Blätter, Gräser und Holzteile, binden dadurch Stickstoff wie Kohlenstoff in der Erde und werden durch ihre Ausscheidungen und Verwesung schlussendlich selbst Teil des Kreislaufs. Bis dadurch tatsächlich fruchtbare Erde – der Humus – entsteht, dauert es jedoch sehr lange. Die Neubildung von 1 cm Humus benötigt rund 100–200 Jahre.

Wissenswert

Das Wort „Humus“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet übersetzt so viel wie „Erde“ oder „Erdboden“. Die oberen 10–30 cm des Bodens enthalten in der Regel besonders viel Humus.

Boden sorgt für biologisches Gleichgewicht

Der Boden ist nicht nur eine wichtige Grundlage für den Anbau von Futter- und Nahrungsmitteln sowie Quelle von natürlichen Rohstoffen, sondern schützt auch die Umwelt durch seine Funktion als biologischer „Puffer“. Sind beispielsweise zu viele Nährstoffe im Ökosystem, können diese von gesunden Böden aufgenommen und gehalten werden. Dadurch wird deren Auswaschung in umliegende Gewässer verhindert. Somit wirkt ein gesunder Boden dem übermäßigen Wachstum von Algen entgegen, die den Sauerstoffgehalt im Wasser senken und die dortigen Lebewesen gefährden würden. Böden sind weiters die größten Kohlenstoffspeicher im weltweiten Ökosystem. Sie enthalten global gesehen mehr Kohlenstoff als die Atmosphäre und die gesamte Erdvegetation zusammen. Im Vergleich zur Atmosphäre kann etwa die dreifache Menge an Kohlenstoff durch Wiesen, Wälder und Weiden gebunden werden. Wieviel genau, hängt auch von der geografischen Lage ab. Zusätzlich gelten Böden als wertvolle Wasserspeicher. Ein Hektar funktioneller Boden kann rund 2000 m³ Regenwasser aufnehmen. Das bietet Schutz vor Hochwasser und bewirkt, dass Regenwasser durch die verschiedenen Sedimentschichten gefiltert und an das Grundwasser abgegeben wird. Der Boden speist somit wichtige Trinkwasserreserven und sorgt auf mehreren Ebenen für ein ausgeglichenes Ökosystem.

Abb.: Kohlenstoff in Boden und Vegetation.

Quelle: Heinrich Böll Stiftung: Bodenatlas (2015).

Die Bedeutung des Bodens auf einen Blick:

Boden…

  • …stellt Lebensgrundlage und -raum für zahlreiche Pflanzen- und Tierarten dar und erhält die Biodiversität.
  • …ist Grundlage unserer Nahrung.
  • …bietet zahlreiche Rohstoffe, die wir im Alltag benötigen.
  • …nimmt den größten Anteil von CO2 in der Biosphäre auf und sorgt somit für ein besseres Klima.
  • …reguliert den Wasserhaushalt durch Grundwasserneubildung, Wasserspeicherung und Abflussregulierung.
  • …wirkt als Filter und Puffer für Nähr- und Schadstoffe.
  • …schafft Raum für Erholungsgebiete und Kulturlandschaften.

Wissenswert

Dass der Klimawandel sich auch auf die Böden auswirkt, ist mittlerweile klar. So etwa auch auf die Verfügbarkeit einzelner Elemente, wie die des Spurenelements Selen. Wie man die Selenverarmung der Böden eindämmen kann und was ein Mangel für den Menschen bedeutet, haben wir HIER näher betrachtet.

Immer weniger Boden verfügbar

Fruchtbarer Boden ist also unsere Lebensgrundlage und wird dennoch weltweit immer weniger. Allein in Europa leben mittlerweile drei von vier Menschen in urbanen Gegenden. Die Städte dehnen sich aus und Beton- und Asphaltflächen versiegeln den Boden. Dadurch kann er seine regulierenden Funktionen nicht mehr ausüben. Parallel dazu geht die biologische Vielfalt zurück, da der Lebensraum von Tieren, Pflanzen und Kleinlebewesen auf immer kleinere Gebiete beschränkt wird. Doch auch die Abwanderung im ländlichen Raum hat mitunter negative Auswirkungen auf den Flächenverbrauch. Um den sinkenden Bevölkerungszahlen entgegen zu wirken, werden oft Flächen am Ortsrand als attraktive Wohngegenden vermarktet und zu Bauland umgewidmet. Während der Ortskern leerer wird, weil Geschäfte schließen, Wohnungen nicht bewohnt sind und vermeintlich unattraktive Flächen zurückbleiben, wächst der Rand nach außen – oft mit Einfamilien- oder Wochenendhäusern – weiter. Häufig muss dafür auch noch die notwendige Infrastruktur (z. B. Straßen, Parkplätze) geschaffen werden, wodurch weitere Flächen verloren gehen.

Wie lassen sich Böden schützen?

Um diesem Trend entgegen zu wirken, wird bereits in der Raumplanung und Landwirtschaft an einem stärkeren Bewusstsein für Bodenschutz gearbeitet. Unterschiedliche Projekte widmen sich der Wissensvermittlung und interdisziplinären Zusammenarbeit. Themenschwerpunkte sind unter anderem der Erhalt des Humusgehaltes im Boden, der Schutz vor Auswaschung, Versauerung und Auslaugung, ein entsprechender Erosionsschutz durch Bodenbedeckung sowie eine Einschränkung der bebaubaren Flächen für Häuser oder Verkehrsflächen. Aber auch im eigenen Garten können Böden nachhaltig genutzt und geschützt werden.

Tipps zum Bodenschutz zu Hause:

  • Besser wasserdurchlässige Flächen statt befestigte Terrassen, Gartenwege und Parkplätze anlegen.
  • Mischkulturen sowie Fruchtwechsel betreiben, um eine Bodenermüdung sowie einseitige Nährstoffverarmung vorzubeugen.
  • Boden schonend bearbeiten und vorzugsweise organisch düngen (z. B. Kompost oder Mist).
  • Kontrolliert gießen, wodurch Pflanzenwurzeln in tiefere Bodenschichten gelangen und weniger Wasser benötigen.
  • Offene Böden mit Mulch vor Austrocknung und unerwünschtem Pflanzenwuchs schützen.

Wissenswert

Der Ökosoziale Bodenkompass ist ein Leitfaden für Bodenschutz und nachhaltiges Flächenmanagement im ländlichen Raum. Er steht HIER zum kostenfreien Download zur Verfügung.

Fazit

Gesunder, fruchtbarer Boden ist Lebensraum für eine Vielzahl an Lebewesen, Grundlage unserer Nahrungsmittel und erfüllt zahlreiche weitere Funktionen im Ökosystem. Der Erhalt unbebauter Gebiete steht jedoch oftmals in Konkurrenz mit dem Bedarf an Flächen für Wohnungen, Landwirtschaft und Infrastruktur. Ein sorgsamer Umgang mit unseren Böden ist notwendig, da er ein natürlich begrenztes Gut ist!

Literatur

Chemnitz C, Weigelt J: Bodenatlas. Daten und Fakten über Acker, Land und Erde. Hrsg.: Heinrich-Böll Stiftung, Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS), Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Berlin, Potsdam (2015).

Die Umweltberatung: Bodenschutz. www.umweltberatung.at (Zugriff 09.06.2021).

Europäische Umweltagentur: Editorial – Land und Boden: Für eine nachhaltige Nutzung und Bewirtschaftung dieser lebenswichtigen Ressourcen. www.eea.europa.eu (Zugriff 09.06.2021).

Forum Umweltbildung: Praxismaterial – Bodenforscherinnen gefragt. www.umweltbildung.at (Zugriff 09.06.2021).

Ökosoziales Forum: Ökosozialer Bodenkompass. www.oekosozial.at (Zugriff 09.06.2021).

WWF Österreich: Was ist Boden. www.wwf.at (Zugriff 09.06.2021).

 

 

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