09.09.2014

Macht Schokolade fett oder schlank?

Schokolade gilt als Dickmacher. Doch eine aktuelle Studie widerspricht diesem Mythos. Was ist dran? Das forum. ernährung heute (f.eh), der Verein zur Förderung von Ernährungsinformation, nimmt die Wirkung von Schokolade auf Körpergewicht und Körperfett in der aktuellen Ausgabe des Magazins ernährung heute unter die Lupe. Ob Liebhaber der Bratwurst auch aufatmen dürfen, ist eine andere Frage.

Schlanke Versuchung?

„Wer gerne Schokolade isst, kann dies ohne schlechtes Gewissen tun", sagt Marlies Gruber, wissenschaftliche Leiterin des f.eh. Spanische Forscher werteten die Daten von rund 1.458 Jugendlichen der HELENA-Studie aus. Die Ergebnisse wurden kürzlich im Journal Nutrition veröffentlicht und zeigen: Der Konsum von täglich 20 Gramm Schokolade senkt Körpergewicht und Körperfett geringfügig, vermutlich - aber keineswegs bewiesen - aufgrund der darin beinhalteten Katechine. Diese sekundären Pflanzeninhaltsstoffe kommen vor allem in dunkler Schokolade vor und führten bei Versuchen zu geringen Gewichtsverlusten.

„20 Gramm Schokolade entsprechen einer Rippe einer 100 Gramm Tafel. Ungezügeltes Naschen ist also nicht gemeint. Die Studie beweist keineswegs, dass mehr Schokolade essen, schlanker macht. Vielmehr zeigt sich, dass trotz regelmäßigen Schokokonsums - in kleinen Mengen - das Körpergewicht gehalten wird. Das Motto ist und bleibt mit Maß und Ziel genießen", schränkt Gruber die Hoffnungen wahrer Schokoholics ein.

Kleine Menge mit positiver Wirkung

Positive Wirkungen dunkler Schokolade auf die Herzgesundheit sind schon länger bekannt. Forscher des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIfE) stellten in einer Auswertung der achtjährigen EPIC-Studie fest: Der Konsum von sieben Gramm Schokolade, also einem kleinen Stück, täglich kann das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 40 Prozent senken.

Herz liebt Bratwurst?

Und was sagt die Wissenschaft zu herzhaft Pikantem? Eine Forschergruppe der Universität Cambridge kommt jüngst nach umfassender Literaturrecherche zu dem Schluss, es sei sinnlos, Butter gegen Olivenöl einzutauschen oder Bratwurst gegen Lachs. Die Gesundheit des Herzens bliebe davon unbeeinflusst. Nicht ganz. So berücksichtigt der Literaturvergleich die in den 1960er- und 1970er-Jahren großangelegte Sydney Diet Heart Study. Damals tauschten Studienteilnehmer Butter gegen Margarine aus - ohne positive Wirkung auf die Herzgesundheit. „Den Grund dafür kennen wir heute: Margarine enthielt früher reichlich gefäßschädigende Transfette. Sie war kein ideales Ersatzprodukt für gesättigte Fette in der Butter. Heute ist Margarine nahezu frei von Transfetten. Ihr Gehalt liegt bei unter ein Prozent", erklärt Ernährungswissenschaftlerin Gruber.

Bleibt die Sydney Diet Heart Study hingegen unberücksichtigt, werden gängige Ernährungsempfehlungen weiterhin gestützt: Der Ersatz von gesättigten Fetten (wie sie in Butter, Wurst  oder Fleisch vorkommen) durch Omega-6-Fettsäuren in Pflanzenölen, Nüssen oder Fisch kann das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 19 Prozent senken. Dennoch ist die Beweislage für den Einfluss verschiedener Öle und Fette auf die Gesundheit noch nicht gänzlich gesichert. Gruber ist für einen entspannten Umgang mit dem Essen: „Es geht um das gesamte Essmuster und nicht um Schwarz-Weiß-Malerei. Wenn man bewusst und vielfältig isst, spricht nichts dagegen, gelegentlich in einen Burger, Kebab oder eine Käsekrainer zu beißen."

ernährung heute 2/2014

Das aktuelle Magazin befasst sich darüber hinaus mit der Geschichte der Österreichischen Küche, dem Essen als Kindheitserinnerung, dem f.eh-Genussbarometer, Mozzarella und Europäern als Sportmuffel. Neugierig? Die ernährung heute 2/2014 kann beim f.eh bestellt werden. Mehr zu den Inhalten ernährung heute 2/2014.

Weitere Informationen

  • Die HELENA-Studie (Healthy Lifestyle in Europe by Nutrition in Adolescents Cross-Sectional Study) wurde von der EU im Rahmen des 6. Rahmenpogramms 2002-2006 finanziert. Ziel war es, einen Einblick in den Lebensstil von Jugendlichen in zehn Ländern Europas zu erhalten.
  • Die EPIC-Studie (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition) ist die weltweit größte prospektive Studie an der zehn europäische Länder beteiligt sind, die die Zusammenhänge zwischen Ernährung und chronischen Krankheiten wie Krebs erforscht.
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