15.04.2014 von Theresa Janson

Bärlauch, Maiglöckchen oder Herbstzeitlose?

Sammler sollten fit im Unterscheiden der verwechselbaren Grünblätter sein! Besonders in den Monaten April und Mai häufen sich in ganz Europa die Vergiftungsfälle, nicht selten mit tödlichen Folgen.

Als schmackhaftes Kraut hat der Bärlauch im Frühjahr seinen fixen Platz in der Kräuterküche gefunden. Mit Bärlauch verfeinert kommen Suppen, Pesto oder Knödel auf den Tisch. Seinen scharf-würzigen Geschmack hat das beliebte Frühlingsgewächs den Schwefelverbindungen zu verdanken. An Nährstoffen liefert Bärlauch viel Vitamin C, Eisen und Kalium. Sobald im April die Tage wärmer werden und die Pflanzen ihren charakteristischen Duft verbreiten, zieht es viele in den Wald, um den "Bärenknoblauch" (von französisch "Ail des Ours") selbst zu sammeln.

Dabei ist Vorsicht geboten: Die genusstauglichen Blätter des Bärlauchs (Allium ursinum) sind den Blättern des giftigen Maiglöckchens (Convallaria majalis) und jenen der sehr giftigen Herbstzeitlose (Cholchicum autumnale) zum Verwechseln ähnlich. Wie seine giftigen Doppelgänger wächst Bärlauch in krautreichen, schattigen und nährstoffreichen Laub- und Mischwäldern, Parkanlagen und Auwäldern. Verzehrt man unwissend nur drei bis vier Blätter der Herbstzeitlose kann das schwerwiegende Folgen haben. Übeltäter ist das Zellgift Colchicin. Es verhindert, dass sich Darm-, Blut- und Knochenmarkszellen teilen. Nach mehreren Stunden kommen Magen-Darmprobleme auf, nach ein bis zwei Tagen kann der Tod eintreten. Lebensgefährliche Vergiftungen durch Maiglöckchen sind selten. Die enthaltenen Glykoside verursachen Übelkeit, Erbrechen und Durchfall sowie einen erhöhten Puls.

Die AGES warnt vor einem sorglosen Konsum und rät, im Zweifelsfall besser auf den Verzehr zu verzichten. Im Prinzip reicht eine Geruchsprobe, um den Bärlauch zu identifizieren. Dazu zerreibt man ein Blatt zwischen den Fingern und prüft, ob der typische knoblauchartige Duft des Bärlauchs wahrnehmbar ist. Wenn nicht: Finger weg! Der Saft seiner Ebenbilder riecht nicht. Allerdings hat der sensorische Test seine Tücken: Riechen die Hände vom vorangegangenen Test noch nach Lauch, so ist das Ergebnis verfälscht. Relativ leicht ist das "Jagdobjekt" zur Blütezeit zu erkennen, nicht jedoch als Jungpflanze (siehe Charakterisitka). Um Bärlauch sicher von den giftigen Doubles zu unterscheiden, sollten Sammler die Pflanzen samt ihrer Merkmale gut kennen.

Botanische Charakteristika:

 

Bärlauch

Herbstzeitlose

Maiglöckchen

Blätterwachstum

März und April

etwas später als Bärlauch

etwas später als Bärlauch

Geruch und Geschmack

nach Knoblauch

kein Knoblauchgeruch; herb, bitter

kein Knoblauchgeruch; herb, bitter

Farbe und Festigkeit

lindgrün, elliptisch; Oberseite glänzend, Unterseite matt; weich; Blattfläche häufig nach unten umgerollt

schmäler; beiderseits glänzend; fester als Bärlauch

blaugrün; Unterseite hellgrün glänzend; fester als Bärlauch

Blätter und Stiel

ein Blatt pro Stiel; langer, dünner Stiel; Stiel wächst direkt aus dem Boden; Pflanzen in Gruppen dicht beieinander

meist drei umeinander gewickelte Blätter, nicht einzeln wie beim Bärlauch; kein deutlicher Blattstiel

zwei Blätter pro Stiel; Stiel von rötlicher Blattscheide umschlossen

Blüte

Weiße, sternchenförmige Blüte

Blassrosa bis violette, selten weiße Blüte

Weiße, übereinander aufgereihte Blüten


            

Ohne Bauchweh können die Bärlauch-Blätter aus kontrollierten Kulturen vom Gemüsehändler verwendet werden. Auch selbst im Garten oder auf der Fensterbank angebauter Bärlauch ist eine Alternative zum Sammeln.

Im Notfall

Die Wiener Vergiftungszentrale steht im Notfall rund um die Uhr unter der Nummer 01/ 406 43 43 zur Verfügung. Vermeintliche Hausmittel wie Milch zu trinken oder einen Brechreiz auszulösen, sind nicht empfehlenswert und können sogar gefährlich sein. Auch im Zweifelsfall sollte man Fachleute (Notfallzentrale) konsultieren.

Wichtige Informationen am Telefon:

  • Wer ist betroffen? (Alter, Geschlecht, Gewicht der Person)
  • Was und wie viel wurde eingenommen?
  • Wann und wo kam es zur Vergiftung?



Literatur

Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Verwechslungsgefahr bei Bärlauch. Presseinformation 10/2005.

Till S: "Novel food" mit Tradition: Bärlauch. Ernährung aktuell 1/2009.

Agentur für Ernährungssicherheit (AGES): Bärlauch - Vorsicht vor Verwechslung mit giftigen "Doppelgängern". URL: http://www.ages.at/ages/ernaehrungssicherheit/pflanzliche-lebensmittel/baerlauch/ (Zugriff am 03.04.2014).

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