02.02.2017 von Elsiabeth Rudolph und Marlies Gruber

Diabetes als Risikofaktor für Krebs – und umgekehrt?

Dass Diabetiker häufiger von Herzinfarkt, Schlaganfall oder Sehstörungen betroffen sind, ist geläufig. Weniger bekannt ist, dass sie auch ein erhöhtes Risiko für bestimmte Krebsarten haben. Studienergebnisse deuten auf eine Wechselbeziehung zwischen den beiden Krankheiten hin. Wie sind die Zusammenhänge und was können Betroffene tun?

Diabetes und Krebserkrankungen hängen offenbar zusammen. Bei beiden Krankheiten werden Rauchen, Übergewicht, inaktiver Lebensstil und Umwelteinflüsse als Ursache genannt. Wie sich Diabetes auf Krebs isoliert auswirkt, ist jedoch schwer zu sagen. Beobachtungsstudien weisen darauf hin, dass Diabetes das Wachstum bösartiger Zellen begünstigen kann.

Risikofaktor Prädiabetes

Doch nicht erst, wenn sich Diabetes entwickelt hat, steigt das Krebsrisiko. Experten vermuten Prädiabetes als größten Risikofaktor, also das Vorstadium. Es liegt vor, wenn der Blutzuckerspiegel bereits über den Normwerten liegt, sich aber noch kein Diabetes entwickelt hat. In dieser Phase ist das Risiko für Krebs sogar um 15 % erhöht. Das zeigen die Ergebnisse einer Metaanalyse von 16 Kohortenstudien mit knapp 900.000 Teilnehmern. Betroffen sind vor allem Magen, Darm, Leber, Bauchspeicheldrüse und Brust. Je früher eingegriffen wird, desto besser sind die Chancen, eine Erkrankung abzuwenden.

Wie kommt es zum erhöhten Risiko?

Durch chronisch erhöhte Blutzuckerspiegel im Frühstadium einer Typ-2-Diabetes-Erkrankung steigen die Insulinspiegel im Blut an. Mit fortschreitender Erkrankung nimmt jedoch die Wirkung des Hormons ab und der Körper pumpt mehr Insulin ins Blut, um den Blutzucker zu regulieren. Dabei passiert aber noch etwas: Ein hoher Insulinspiegel fördert die Produktion des Insulin-Like Growth Factor (IGF). Der Wachstumsfaktor ist für die Zellteilung verantwortlich und beschleunigt diese auch in bösartigen Geweben. Hohe Insulinkonzentrationen lassen deshalb z.B. Darmkrebszellen schneller wachsen, zumindest bei Versuchen im Reagenzglas.

Wissenswert

Das Hormon Insulin wird in den beta-Zellen der Langerhans‘schen Inseln der Bauchspeicheldrüse gebildet. Es reguliert den Blutzucker und sorgt dafür, dass Glukose nach dem Essen in die Zellen gelangt. Liegt Insulinresistenz vor, sprechen die Zellen schlechter auf das Hormon an. Es wird weniger Zucker aufgenommen, dieser bleibt somit in der Blutbahn. Die Glukosespiegel steigen an, in weiterer Folge kann sich Diabetes-Typ 2 entwickeln.

Ein zweiter Mechanismus für ein gesteigertes Risiko gründet auf dem erhöhten Blutzuckerspiegel. Denn bösartige Zellen haben einen anderen Stoffwechsel als gutartige und nützen die hohen Blutzuckerspiegel zur Energiegewinnung. Sie wachsen daher schneller. Zusätzlich scheint der epidermale Wachstumsfaktor (EGF) eine Rolle zu spielen, der die Teilung des Zellkerns beschleunigt. Zudem wird bei einigen Krebsarten auch eine erhöhte Zellteilung mit dem EGF assoziiert.

Was kann man tun?

Diabetiker wird zu einer regelmäßigen Krebs-Vorsorgeuntersuchung geraten. Typ-2-Diabetiker haben vor allem ein erhöhtes Darmkrebs-Risiko. Deshalb ist gerade die Darmspiegelung im Rahmen einer Darmkrebs-Vorsorgeuntersuchung besonders wichtig. Umfassende Informationen zu Früherkennungs-Untersuchungen und Vorsorgemaßnahmen gibt die Österreichische Krebshilfe. Je früher ein Tumor erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Wird die Diabetes-Erkrankung mit Insulin behandelt, rät die Deutsche Diabetes Gesellschaft so viel wie nötig, aber so wenig wie möglich zu verabreichen. Um Insulin einzusparen, raten sie, mit dem ebenfalls blutzuckersenkenden Medikament Metformin zu therapieren. Dieses scheint bei Typ-2-Diabetikern zusätzlich das Krebsrisiko zu senken.

Am allerwichtigsten ist jedoch, es gar nicht so weit kommen zu lassen. Ein ausgewogener Ernährungsstil und ausreichend Bewegung sind die besten Therapieformen, um Prädiabetes und in weiterer Folge eine Typ-2-Erkrankung in Schach zu halten.

Keine Einbahnstraße

Einige Krebsarten können auch Diabetes auslösen. In Verdacht stehen vor allem Bronchial-, Nebennierenrinden- oder Pankreaskarzinome. Dabei handelt es sich weniger um direkte Tumoreffekte, als um damit verbundene Therapieansätze. Denn einige Krebsmedikamente beeinflussen die Glukosetoleranz und führen zu Stoffwechselveränderungen, die einer Diabetes-Erkrankung gleichen.

Fazit

Diabetes erhöht das Risiko für Krebserkrankungen. Vor allem Prädiabetes wird die größte Rolle zugeschrieben. Ein aktiver Lebensstil und ausgewogene Ernährung, aber auch die richtige Wahl der Medikamente sind die wichtigsten Hebel bei der Prävention.

Literatur

Huang Y et al.: Prediabetes and the risk of cancer: e meta-analysis. Diabetologia 57, 2016
Diabetes und Krebs: Diabetesinformationsdienst München. www.diabetesinformationsdienst-muenchen.de/erkrankungsformen/folgeerkrankungen/diabetes-und-krebs/index.html (Zugriff am 30.1.2017)
Typ-2-Diabetes und Krebs: Pharmazeutische Zeitung online. www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=42012 (Zugriff am 31.1.2017)
Erhöhtes Krebsrisiko durch Diabetes: Pharmazeutische Zeitung online. www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=7255 (Zugriff am 30.1.2017)

 

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