02.07.2015

EFSA-Bewertung abgeschlossen: Koffein ist sicher

Erhöht Koffein den Blutdruck? Ändert es die Körpertemperatur? Wie wirkt es bei Sport? Und wie in Kombination mit anderen Inhaltsstoffen in Energy Drinks oder mit Alkohol? Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat Koffein auf seine Sicherheit durchleuchtet und Ende Mai 2015 ihre endgültige  Risikobewertung veröffentlicht. Die Eckpunkte…

Koffein kommt in einer Reihe von Pflanzen vor, nämlich in über sechzig Arten. Es gehört zur Gruppe der Purin-Alkaloide, genauer gesagt zu den Methylxanthinen. Koffein ist das 1,3,7-Trimethylxanthin. Die bekanntesten natürlichen Quellen sind Kaffee, Kakao, Teeblätter und Kolanüsse. Ihr Konsum weist eine jahrhundertlange Geschichte auf und man könnte meinen, es gibt einen „record of safe consumption“. Eine verhältnismäßig junge Quelle für Koffein sind Energy Drinks.

Wissenswert

Koffeinhaltige Getränke wie Kaffee oder Tee werden weltweit jeden Tag genossen. Laut Schätzungen konsumieren rund 80 % der Weltbevölkerung mindestens einmal pro Tag ein koffeinhaltiges Lebensmittel oder Getränk. In Österreich liegt Kaffee mit 250 mL pro Tag nach Trinkwasser und Mineralwasser an dritter Stelle der am häufigsten konsumierten Getränke.

Die Europäische Kommission beauftragte das NDA-Panel der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), die Sicherheit von Koffein zu überprüfen. Dieses Expertenpanel zu „Dietetic Products, Nutrition and Allergies“ hatte die Aufgabe, mögliche Zusammenhänge zwischen täglichem Koffeinkonsum aus allen Quellen und gesundheitsschädlichen Auswirkungen zu erfassen. Von besonderem Interesse waren gesundheitliche Bedenken in unterschiedlichen Lebensphasen und Altersgruppen. Wie wirkt sich eine Koffeinaufnahme während der Schwangerschaft und Stillzeit auf das Un- bzw. Neugeborene aus? Welche akuten und langfristigen Effekte zeigt Koffein bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen auf das zentrale Nervensystem, also auf Schlaf, Unruhe oder Verhaltensänderungen? Gibt es langfristige negative Folgen für das Herz-Kreislaufsystem bei Erwachsenen? Und wie steht es um die Gesundheit bei der Aufnahme über Energy Drinks – vor allem in Kombination mit Alkohol oder beim Sport? Bei allen Aspekten stellte sich vor allem die Frage: Welche täglichen Aufnahmemengen sind unbedenklich?

Für das wissenschaftliche Assessment wurden humane Interventions- und Beobachtungsstudien herangezogen sowie – wenn möglich – systematische Reviews und Meta-Analysen. Daten zur Koffeinaufnahme wurden der umfassenden Europäischen Datenbank der EFSA über den Lebensmittelverzehr entnommen. Diese umfasst Daten von 39 Studien aus 22 Ländern.

Dem im Jänner 2015 veröffentlichten Gutachtenentwurf folgte eine zweimonatige Phase, in der die Europäischen Mitgliedsstaaten, Verbraucherverbände sowie die Lebensmittelwirtschaft und andere Stakeholder aufgerufen waren, Rückmeldungen zu geben. Die abschließende Sicherheitsbewertung stimmt im Wesentlichen mit dem Gutachten überein. Außer bei stillenden Frauen hat sich etwas verändert: Sie sind von der Kategorie der Erwachsenen in die der Schwangeren gerutscht. Für sie gilt nun eine tägliche Obergrenze von 200 mg Koffein täglich, statt 400 mg wie es für Erwachsene der Fall ist.

Eckpunkte der EFSA-Sicherheitsbewertung zu Koffein:   

  • Mit Ausnahme von Schwangeren und Stillenden gilt für Erwachsene (18–65 Jahre):
    Pro Tag sind 400 mg Koffein (rund 5,7 mg/kg Körpergewicht) völlig unbedenklich. Dabei sind Einzeldosen bis zu 200 mg verträglich – auch kurz vor dem Sport. Der Koffeingehalt bei Kaffee und Schokolade weist starke Schwankungsbreiten auf: Dennoch braucht man sich bei bis zu fünf Tassen Kaffee pro Tag keine Sorgen machen.
  • Wenn Koffein kurz vor dem Schlafengehen aufgenommen wird, können Einzeldosen von 100 mg bei manchen Erwachsenen das Einschlafen verzögern und die Dauer der Nachtruhe verkürzen.
  • Alkohol und übliche Inhaltstoffe in Energy Drinks wie Taurin oder Glucuronolacton zeigen wahrscheinlich keine nachteiligen Wechselwirkungen mit Koffein.
  • In der Schwangerschaft und in der Stillzeit haben bis zu 200 mg Koffein pro Tag keine negativen Folgen für das Kind. Mehr zum Thema Kaffee in der Schwangerschaft ist hier zu lesen.
  • Für Kinder (3–10 Jahre) und Jugendliche (10–18 Jahre) gelten 3 mg/kg Körpergewicht als täglich tolerierbare Obergrenze. Ein fünfjähriges Kind mit 20 kg liegt daher bei einer Tagesobergrenze von 60 mg Koffein. Das entspricht in etwa einer Dose Eistee (à 330 ml) und einer Tafel Milchschokolade (à 100 g). Ein 65 kg schwerer Jugendlicher erreicht seine maximale Dosis von 195 mg Koffein mit zweieinhalb Dosen Energy-Drinks.

 

Koffeingehalt in Lebensmitteln

LebensmittelKoffeingehalt
Cola33 mg/330 ml Dose
Energy Drinks80 mg/250 ml Dose
Eistee16-28 mg/330 ml Dose
Schwarztee42 mg/250 ml Tasse
Grüntee36 mg/250 ml Tasse
Mate-Tee25-50 mg/250 ml Tasse
Entkoffeinierter Kaffee3-7 mg/250 ml Tasse
Instant-Kaffee33-117 mg/250 ml Tasse
Gebrühter Kaffee/Filterkaffee50-167 mg/250 ml Tasse
Espresso40 mg/30 ml Tasse
Cappuccino40 mg/120 ml Tasse
Latte Macchiato40 mg/330 ml Glas
Halbbitterschokolade50-110 mg/100 g
Vollmilchschokolade3-35 mg/100g

Quelle: Modifiziert nach Hey E: Coffee and pregnancy (2007).

Wissenswert

Bei moderatem Konsum (d. h. Einzeldosen von 50–200 mg Koffein) werden dem Koffein positive Eigenschaften zugeschrieben, darunter: Entspannung, Energie, bessere Konzentrationsfähigkeit und erhöhte Aufmerksamkeit. Negativ kann Koffein ab hohen bis sehr hohen Dosen wirken (d. h. Einzeldosen von 400–800 mg Koffein) und z. B. Nervosität, Angst, Aggressivität, Schlafstörungen sowie Herzrasen auslösen.

 

Mehr zum Thema:

Endgültige Sicherheitsbewertung
Pressemeldung der EFSA
Fragen und Antworten zur Sicherheit von Koffein
Fakten zu Koffein
Artikel „Koffein hält die Welt auf Trab“ von Andreas Kadi in der ernährung heute 2015_1


Literatur

European Food Safety Authority (EFSA), Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies (NDA):  Scientific Opinion on the safety of caffeine. EFSA Journal 13(5): 4102 (2015).

Elmadfa I et al: Österreichischer Ernährungsbericht 2012, 1. Auflage, Wien (2012).

Hey E: Coffee and pregnancy. British Medical Journal 24: 377 (2007).

Institute for Scientific information on Coffee (ISIC): Coffee and health [Zugriff am 04.02.2015].

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