21.09.2022 von Redaktion (aktualisiert)

Zahnpflege – gut geputzt, ist halb gewonnen

Neben regelmäßigen Kontrollen beim Zahnarzt spielt die tägliche Mundhygiene eine wesentliche Rolle für die Zahngesundheit. Wer mehrmals täglich die Bürste schwingt, und dabei fluoridierte Zahnpflegeprodukte verwendet, beugt der Bildung von Karies vor und hält den Mund gesund. Auch zuckerfreier Kaugummi unterstützt dabei. Doch es gibt noch weitere Tipps.

Regelmäßige Mundhygiene und Fluoridierung der Zähne sind Grundlagen, um Karies in Schach und das Gebiss gesund zu halten. Laut einer Umfrage von CP GABA aus dem Jahr 2022 putzen 83 % der in Österreich lebenden Menschen mindestens zweimal am Tag ihre Zähne. 2018 lag dieser Wert noch bei 74 %. Nichtsdestotrotz lohnt es sich, die ideale Zahnpflege nochmals genauer unter die Lupe zu nehmen.

Wissenswert

Der 25. September ist seit 1991 der Tag der Zahngesundheit. Unter dem Motto „Gesund beginnt im Mund – in Kita & Schule“ steht 2022 das Erfolgsmodell der zahnmedizinischen Gruppenprophylaxe im Fokus. Darunter versteht man unter anderem das gemeinsame Zähneputzen in den Kindergärten. Auch der jährliche Besuch von Zahnärzten in den Kindergärten und Schulen ist Teil des Programms zur Erkennung und Vermeidung von Zahnerkrankungen in den deutschen Bildungseinrichtungen.

Wie entsteht Karies?

Karies, auch Zahnfäule genannt, ist eine bakteriell bedingte Erkrankung der Zähne. Bei mangelnder Mundhygiene bilden kariogene Bakterien einen Biofilm (Plaque), der sich auf die Zahnoberfläche legt. Dieser dient den Bakterien als Lebensraum. Als Hauptindikator des Kariesrisikos gilt der Erreger Streptokokkus mutans. Er gewinnt seine Energie aus Speiseresten in der Mundhöhle. Das Bakterium verwandelt den Zucker der Speisen in Säure (vor allem Milchsäure), die den Zahnschmelz angreift und porös macht. Auf diese Weise dringen Erreger in den Zahn ein und können ihn dauerhaft schädigen. Alle Lebensmittel, die Zucker enthalten oder reich an Stärke sind (z. B. Brot, Nudeln, Kartoffeln, Reis oder Bananen), „füttern“ Karieserreger im Mund. Dabei kommt es aber weniger auf die Art und Menge der Kohlenhydrate an. Ausschlaggebend ist eher, wie oft man zugreift: Ständiges Zwischendurchessen und -trinken bilden die größte Gefahr für die Zähne. Ein Glas Wasser nach dem Snack oder nach gesüßtem Tee oder Saft unterstützt dagegen die Prophylaxe.

Fluorid als Schutzschild

Fluorid ist zwar kein essenzieller Nährstoff, spielt aber für die Kariesprävention eine wesentliche Rolle. Weiters kann es bei der Behandlung von überempfindlichen Zähnen helfen. Fluoridsalze wirken direkt auf der Zahnschmelzoberfläche, lagern sich im Schmelz ab und bauen Minerale in die harte Zahnoberfläche ein. Zur Kariesprophylaxe empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) eine Gesamtfluoridzufuhr von 3,8 mg für Männer und 3,1 mg für Frauen. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bezieht sich auf diese Werte und die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) nennt vergleichbare Referenzwerte. Das Spurenelement kommt zwar in verschiedenen Lebensmitteln vor, jedoch in verhältnismäßig geringen Mengen. Die prozentual höchsten Beiträge liefern Walnüsse mit 0,68 mg Fluorid/100g, Sardinen schlagen mit 0,53 mg/100 g zu Buche, 100 g Miesmuscheln punkten mit 0,48 mg Fluorid und ein großes Hühnerei mit 0,11 mg, 1 g jodiertes Speisesalz mit 0,25 mg. In der Praxis jedoch nimmt man am meisten Fluorid über Getränke auf. Trinkwasser enthält im Durchschnitt 0,10-0,30 mg Fluorid pro Liter, einige Mineralwässer 0,045-0,66 mg/L. Schwarztee weist bis zu 1,2 mg/L auf.

Schutz aus der Tube

Die meisten Zahnpflegeprodukte sind mit Fluor angereichert. Fluor in Zahngels oder -lacken bilden eine Art Schutzfilm auf dem Schmelz und erhöhen die Fluoridkonzentration im Speichel, die der Säurebildung durch Bakterien vorbeugt. Zahnpasta für Erwachsene sollte eine Fluoridkonzentration von 0,1 bis 0,15 % Fluorid aufweisen, Kindercremes eine Konzentration von 0,05 % Fluorid. Das ist wichtig, denn bei einer Überdosierung von Fluorid im Kindesalter kann der Zahnschmelz „fleckig“ werden. Hier spricht man von Zahnfluorose. Eine erbsengroße Menge Zahncreme deckt in etwa 25 % des täglichen Bedarfs an Fluorid, um den Zahnschmelz zu stärken. Zusammen mit Fluoridsalzen aus Trinkwasser, Speisesalz und anderen Lebensmitteln sorgen fluoridhaltige Zahncremes für eine ausreichende Fluoridversorgung. Zusätzlich kann (insbesondere bei kariesaktiven Personen) die Anwendung von Zahnpasten mit erhöhter Fluoridkonzentration bzw. fluoridhaltige Gele oder Spüllösungen von Zahnärzten empfohlen werden.

Wissenswert

Auch Tee kann dabei helfen, Karieserregern das Handwerk zu legen. Das darin enthaltene Polyphenol Epigallocatechin-3-Galat senkt die Säurebildung im Speichel und hemmt das Wachstum oraler Bakterien. Lesen Sie hier mehr dazu.

Zuckerfreie Kaugummis

Ob unterwegs, im Büro oder nach dem Essen im Restaurant: Wenn nach dem Essen Zähneputzen nicht möglich ist, kann das Kauen eines zuckerfreien Kaugummis für 15 Minuten eine Alternative sein. Das funktioniert, indem Kaugummis den Speichelfluss anregen, der die Zähne und das Zahnfleisch umgibt, wodurch der pH-Wert im Mund neutralisiert wird. Darüber hinaus werden beim Kauen die Kauflächen der Zähne mechanisch gereinigt. So können Kaugummis nach einer Mahlzeit helfen, die Zähne sauber zu halten. Wer regelmäßig zum Kaugummi greift, kann sein Kariesrisiko bis zu einem Drittel reduzieren. Damit das Kauen zwischendurch auch seinen Zweck erfüllt, ist die Wahl eines zuckerfreien Kaugummis entscheidend. Die darin verwendeten Zuckeraustauschstoffe (z. B. Sorbit) und Süßstoffe (z. B. Aspartam) können durch die Mikroorganismen im Mund nicht oder nur in geringem Maß zu Säuren verstoffwechselt werden. Deshalb wirken sie nicht kariogen. Kaugummis sollten aber nur als zusätzlicher Teil zur Mundgesundheit beitragen. Sollte es nach dem Essen möglich sein, zur Zahnbürste zu greifen, ist diese Option zu bevorzugen.

Fazit

Wer seine Zähne sauber und gesund halten möchte, kann einiges dafür tun. Die gründliche Reinigung der Zähne mehrmals am Tag, eine ausreichende Fluoridversorgung durch richtige Zahnpasten, Salz und Lebensmittel sowie das Kaugummikauen nach einer Mahlzeit sind die wichtigsten Maßnahmen, die dafür zu beachten sind. Der regelmäßige Besuch beim Zahnarzt sollte ebenfalls nicht vergessen werden.

Literatur

Bundesministerium für Gesundheit (BMG): Höchstmengenvorschläge für Fluorid in Lebensmitteln inklusive Nahrungsergänzungsmitteln (2021).

CP GABA INTEGRAL: Presseinformation von August 2022: 20. „Monat der Mundgesundheit“: Experten orten neue Herausforderungen, trotzVerbesserung. Prophylaxe darf nie aufhören! (2022).

Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), Österreichische Gesellschaft für Ernährung (ÖGE), Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (SGE): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. 2. Auflage, 1. Ausgabe 2015, Neuer Umschau Buchverlag. (2015).

Elmadfa I, Aign W, Muskat E, Fritzsche D: Die große GU Nährwert Kalorien Tabelle. Neuausgabe 2018/19. Gräfe und Unzer Verlag. (2019).

Newton JT et al.: A Systematic Review and Meta-Analysis of the Role of Sugar-Free Chewing Gum in Dental Caries. In: JDR Clinical & Translational Research 5 (3): 214-223 (2020).

Deutsche Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ), Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK): S2k-Leitlinie: Kariesprophylaxe bei bleibenden Zähnen – grundlegende Empfehlungen (2016). www.awmf.org (Zugriff am 12.09.2022).

Verwendung fluoridierter Lebensmittel und die Auswirkung von Fluorid auf die Gesundheit. Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BGVV) (2002). World Dental Federation (FDI): White Paper on Dental Caries Prevention and Management. (2016). Universität Greifswald: Zähneputzen – aber richtig! Patienteninformation.. www.dental.uni-greifswald.de/patienten/zaehneputzen.php (Zugriff am 12.09.2022).

Österreichische Zahnärztekammer (ÖZÄK): Mundhygiene für zu Hause – 12 Tipps. www.zahnaerztekammer.at (Zugriff am 12.09.2022).

Österreich isst informiert: Mineralstoffe und Spurenelemente im Mineralwasser. www.oesterreich-isst-informiert.at (Zugriff am 12.09.2022).

ZWP online: Branchenmeldung vom 29.08.2022: Prophylaxe: Herausforderungen, trotz Verbesserung. www.zwp-online.info (Zugriff: 21.09.2022).

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