12.11.2020 von Elisabeth Sperr, MSc & Dr. Marlies Gruber

Fakten zu Diabetes

Die sogenannte Zuckerkrankheit betrifft laut Österreichischer Diabetes Gesellschaft mehr als 800 000 Menschen in Österreich – Tendenz steigend. Dabei gilt: Je früher sich Menschen, die ein erhöhtes Risiko haben oder schon erkrankt sind, über ihre Krankheit informieren, umso erfolgreicher gestaltet sich die Vorbeugung und die Behandlung.

Rund 440 000 Österreicherinnen und Österreicher haben laut Österreichischem Diabetesbericht 2017 einen ärztlich diagnostizierten Diabetes (ca. 6 %). Jeder dritte Diabetiker weiß jedoch nichts von seiner Stoffwechselerkrankung und ist dementsprechend nicht in Behandlung. Die Dunkelziffer liegt bei 150 000 – 295 000 Personen (2 - 4 %). Bis zum Jahr 2030 werden wahrscheinlich 1 Mio. Diabetiker in Österreich leben.

Personen mit Diabetes haben hohe Blutzuckerspiegel, entweder weil der Körper zu wenig oder kein Insulin bildet oder das Insulin nicht ausreichend nützen kann, um den Zucker aus dem Blutkreislauf in das Gewebe aufzunehmen. Dies bedeutet ein besonders hohes Risiko für Spätschäden wie Herz-Kreislauferkrankungen, aber auch für Blindheit, Nierenversagen und Amputationen von Gliedmaßen. Jedes Jahr werden in Österreich rund 3000 Amputationen an Patienten mit Diabetes mellitus durchgeführt. Zudem gibt es jedes Jahr in Österreich 300 neue Dialysepatienten und 200 neu erblindete Patienten. Die Gesamtkosten, die Diabeteserkrankungen verursachen, betragen in Österreich rund 3 Mrd. Euro, wobei der Großteil davon durch Spätkomplikationen anfällt.

Wissenswert

Die Auswirkungen von Diabetes sind vielfältig und manchmal weitreichender, als im ersten Moment gedacht. So gibt es etwa einen Zusammenhang mit sexuellen Funktionsstörungen oder Parodontitis.

Diabetes-Typen: 

PrädiabetesTyp-1-DiabetesTyp-2-DiabetesGestationsdiabetes

Vorstufe des Diabetes.

Der Nüchtern­blut­zucker­spiegel ist bereits erhöht, oder die Glukose­toleranz gestört, aber die Krankheit hat sich noch nicht manifestiert.

Eine Änderung der Ess- und Bewegungs­gewohnheiten ist nötig, um eine Erkrankung zu vermeiden.

Absoluter Insulinmangel durch Auto­immun­reaktion, Erkrankung oder Verlust der Bauch­speichel­drüse.

Tritt plötzlich auf und ist bis dato unheilbar.

Betrifft meist Kinder und Jugendliche, kann aber auch bei Erwachsenen auftreten (Latent Autoimmune Diabetes in Adults, LADA).

Ohne Insulin stirbt der Betroffene, deshalb muss es gespritzt werden.

Risikofaktoren:

Familien­geschichte von Diabetes, Genetik, Infektionen und andere Um­welt­ein­flüsse

Kombination aus verminderter Insulinwirkung (Insulinresistenz) und relativem Insulin­mangel.

Kann unbemerkt und ohne Diagnose jahrelang bestehen.

Zur Behandlung reicht häufig eine Änderung der Ess- und Bewegungs­gewohn­heiten; manchmal sind Medikamente nötig.

Risikofaktoren:

Übergewicht, Blut­hoch­druck, erhöhte Blut­fett­werte, Bewegungs­mangel, Mangel­ernährung, Familien­geschichte von Diabetes, Genetik, Gestations­diabetes, hohes Alter

Glukose­toleranz­störung, die während der Schwanger­schaft erstmals auftritt.

Kann zu ernsthaftem Gesundheitsrisiko für Mutter und Kind werden.

Erhöht das Risiko für Mutter und Kind später an Typ-2-Diabetes zu erkranken.


Es gibt noch weitere Diabetes-Typen, die auf Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse oder genetische Defekte zurückzuführen sind. Dazu zählt unter anderem auch der Maturity Onset Diabetes of the Young (MODY), der meist im frühen Erwachsenenalter bei Normalgewichtigen auftritt. Es sind also nicht alle Diabetiker übergewichtig.

Der Großteil der Erkrankten, etwa 85 – 90 %, hat jedoch Typ 2-Diabetes. Zusätzlich haben laut International Diabetes Federation (IDF) etwa 374 Mio. (7,5 %) eine gestörte Glukosetoleranz, das heißt, sie haben bereits ein sehr hohes Risiko, an Diabetes zu erkranken. Rund um den Globus hat sich die Zahl der Menschen mit Diabetes in den letzten 20 Jahren verdoppelt.

Globale Perspektive


Die International Diabetes Federation schätzt im aktuellen IDF Diabetes Atlas aus 2019:

  • Einer von elf Erwachsenen hat Diabetes (4463 Mio.)
  • Einer von zwei Erwachsenen mit Diabetes weiß nicht über seine Erkrankung Bescheid (232 Mio.).
  • Weltweit sind Gesundheitskosten von 760 Mrd. US-Dollar auf Diabetes zurück zu führen.
  • Gestationsdiabetes und/oder Hyperglykämie treten bei rund 16 % aller Geburten auf.
  • Über 1 Mio. Kinder und Jugendliche haben Typ 1 Diabetes.
  • Alle acht Sekunden stirbt weltweit eine Person an Diabetes. 

Für 2045 schätzt die IDF, dass

  • Rund 700 Mio. Menschen von Diabetes betroffen sind.
  • Die Diabetes-verbundenen Gesundheitsausgaben auf 845 Mrd. US-Dollar steigen werden.


Obwohl Diabetes ein weltweites Problem ist, leben ca. 70 % der Diabetiker in Ländern mit niedrigem bzw. mittlerem Einkommen. Begründet wird dies neben hohen Bevölkerungszahlen und der Verwestlichung des Lebensstils auch mit der Zugehörigkeit zu ethnischen Gruppen mit höherem Diabetesrisiko.

Literatur

Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz: Österreichischer Diabetesbericht 2017. Wien (2017).
International Diabetes Federation: IDF Diabetes Atlas - 9th Edition 2019. Internet: www.diabetesatlas.org (Zugriff am 11.11.2020).
Österreichische Diabetes Gesellschaft: Diabetes betrifft uns alle. www.oedg.at (Zugriff: 11.11.2020).
Österreichische Diabetes Gesellschaft: Face Diabetes – Zahlen und Fakten zu Diabetes mellitus. www.facediabetes.at (Zugriff: 11.11.2020).
Pressemeldung des Hauptverbandes der österr. Sozialversicherungsträger. Zeitbombe Zuckerkrankheit: Neuer Ratgeber für Betroffene und Angehörige. Vom 12.11.2015.
Pressemeldung der Österreichischen Diabetes Gesellschaft: Problemzone Fuß. Vom 15.07.2019.

 

 

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