Aktuelle Umfrage bestätigt: wenig Zustimmung für Zuckersteuer
Skepsis bei positiven Effekten
Auch weitere Ergebnisse der Befragung zeigen, dass die grundsätzliche Zustimmung zu einer Zuckersteuer mit erheblichen Vorbehalten einhergeht. 47,4 % befürchten, dass Lebensmittel und Getränke dadurch noch teurer werden, 41,9 % sind der Ansicht, eine Zuckersteuer würde das eigentliche Problem nicht lösen, und 38,2 % sehen die Gefahr einer stärkeren Belastung von Haushalten mit geringem Einkommen. Bei der erwarteten Wirkung zeigt sich ebenfalls Zurückhaltung. Eine Reduktion von Übergewicht und ernährungsbedingten Erkrankungen erwarten nur 28,3 %, eine insgesamt gesündere Ernährung der Bevölkerung lediglich 19,2 %. 38 % würden ihr Einkaufsverhalten nicht ändern.
Aus Sicht des f.eh ist diese Skepsis nachvollziehbar. Internationale Erfahrungen zeigen zwar, dass Abgaben auf zuckergesüßte Getränke angepasste Rezepturen anstoßen und die Zuckeraufnahme reduzieren können. Weniger eindeutig ist jedoch, ob die Prävalenz für Übergewicht und Adipositas sinkt, denn deren Entstehung ist multifaktoriell. „Entscheidend sind die gesamte Ernährungsweise, Portionsgrößen und Konsumhäufigkeiten, individuelle Bedürfnisse und Vorlieben sowie Bewegung und die sozialen und ökonomischen Rahmenbedingungen. Wer nachhaltige Veränderungen erreichen möchte, muss daher an mehreren Stellschrauben gleichzeitig drehen“, betont Marlies Gruber.
Es braucht daher einen breiteren Maßnahmenmix. Dazu gehören eine umfassende Ernährungs- und Verbraucherbildung von klein an, zielgerichtete Prävention für besonders vulnerable Gruppen, angemessene Portionsgrößen sowie Rahmenbedingungen, die einen aktiven Lebensstil fördern. Ess- und Bewegungsgewohnheiten entstehen langfristig und werden wesentlich vom familiären und sozialen Umfeld, von Bildung, Alltagsstrukturen und sozioökonomischen Voraussetzungen geprägt. Damit gesundheitsförderliche Gewohnheiten entstehen können, müssen individuelle Eigenverantwortung und gesellschaftliche Rahmenbedingungen zusammenspielen.