Food Waste: Reduktion spart Wasser

Wer genusstaugliche Lebensmittel wegwirft, verschwendet virtuelle Wasserressourcen. Das f.eh zeigt entlang des Wegs vom Handel zum Teller, wie man Verschwendung reduzieren kann. Wasser ist eine der wertvollsten Ressourcen für die Lebensmittelproduktion. Vielen Menschen bleibt jedoch verborgen, wie viel sogenanntes „virtuelles Wasser“ für ihre Ernährung entlang der gesamten Produktionskette für Anbau, Verarbeitung, Transport und Lagerung verbraucht wird. Damit fehlt auch die Sensibilität für die Ressourcenverschwendung durch Food Waste: „Wer Lebensmittel wegwirft, verschwendet die Ressourcen und insbesondere Wasser, die zu ihrer Herstellung notwendig waren. Die Vermeidung von Food Waste ist daher ein wichtiger Beitrag zum Umwelt- und Ressourcenschutz“, betont Marlies Gruber, Geschäftsführerin des forum. ernährung heute (f.eh). Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Eine Studie der BOKU University gibt den Verbrauch von virtuellem Wasser für die Ernährung mit rund 3.500 L pro Kopf und Tag an. Demnach könnte dieser Wasserfußabdruck durch konsequente Vermeidung von Food Waste um rund 500 Liter reduziert werden, davon bis zu 280 Liter auf Haushaltsebene. Lebensmittel zu retten, ist also ein zentraler Hebel, um Wasserressourcen zu schonen.

Schätzungen internationaler Organisationen zeigen, dass rund ein Drittel aller produzierten Lebensmittel entlang der Wertschöpfungskette weggeworfen werden. Damit verbunden ist ein Verbrauch von Wasserressourcen. So entfallen 12 % des gesamten Wasserverbrauchs für Produktion und Konsum auf Lebensmittel, die am Ende entsorgt werden. Hier liegt also großes Potenzial, um Ressourcen zu schonen. Im Rahmen der Sustainable Development Goals (SDGs) haben es sich die Vereinten Nationen daher zum Ziel gemacht, den Food Waste bis 2030 zu halbieren und den Food Loss zu reduzieren. Ein Hauptansatzpunkt sind die privaten Haushalte, die mehr als die Hälfte der Abfälle verantworten.

Gute Planung reduziert unnötige Verschwendung

Ein wesentlicher Schritt gegen Lebensmittelverschwendung beginnt bereits vor dem Einkauf. Häufig entstehen Lebensmittelabfälle durch Spontankäufe, Angebote oder fehlende Übersicht über vorhandene Vorräte. Wer im Voraus plant und Einkaufslisten erstellt, kann gezielter einkaufen, vorhandene Lebensmittel bewusst in die Menüplanung einbauen und Überschüsse vermeiden. Auch der Einkauf kleinerer Mengen oder von Produkten mit einzelverpackten Portionen kann sinnvoll sein. Zwar benötigen sie meist mehr Verpackungsmaterial, größere Gebinde führen jedoch häufiger zu Lebensmittelverlusten. Eine Lebenszyklusanalyse von Frischkäse zeigte etwa, dass kleine Einzelportionen trotz zusätzlicher Verpackung ressourcenschonender sein können, sobald bei größeren Packungen auch nur geringe Mengen weggeworfen werden, da die Umweltauswirkungen der verschwendeten Lebensmittel schwerer wiegen.

Die Portionierung spielt auch auf dem Teller eine Rolle: Häufig werden Portionsgrößen falsch eingeschätzt und Mahlzeiten größer zubereitet als tatsächlich benötigt. „Nicht jede Portion muss gleich groß sein. Alter, Aktivitätsniveau oder Alltag beeinflussen den individuellen Bedarf erheblich. Wer im Alltag oder auch bei Buffets Portionsgrößen flexibel anpasst, vermeidet unnötige Reste“, unterstreicht Marlies Gruber.

Kluge Lagerung verlängert die Haltbarkeit

Ein weiterer zentraler Faktor für weniger Lebensmittelabfälle ist die richtige Lagerung. Unsachgemäße Kühlung oder unterbrochene Kühlketten können dazu führen, dass Lebensmittel frühzeitig entsorgt werden müssen. Vor allem an heißen Tagen verderben empfindliche Produkte schneller. Im Kühlschrank wiederum ist zu beachten, dass sich unterschiedliche Temperaturzonen für verschiedene Lebensmittelgruppen eignen. Während Fleisch und Fisch weiter unten optimal gelagert sind, eignen sich obere Fächer eher für Milchprodukte oder bereits zubereitete Speisen. Obst und Gemüse benötigen teils unterschiedliche Lagerbedingungen und Abstand voneinander, um Reifungsprozesse zu verlangsamen. Einige Gemüsearten wie Paprika, Tomaten und Kartoffeln sowie Äpfel oder Südfrüchte sind zudem kälteempfindlich und verderben bei zu niedrigen Temperaturen schneller. Sie lagern idealerweise im Vorratsraum oder im kühlen Keller.

Auch eine gute Kühlschrankhygiene ist wesentlich: Besonders empfindliche tierische Produkte wie rohes Fleisch, Fisch oder Geflügel sollten stets gut verschlossen und im kältesten Bereich des Kühlschranks gelagert werden, damit austretende Flüssigkeiten keine anderen Lebensmittel verunreinigen. Verzehrfertige Speisen, Milchprodukte oder bereits gekochte Lebensmittel gehören in getrennte Bereiche und sollten ebenfalls abgedeckt aufbewahrt werden. Regelmäßiges Reinigen des Kühlschranks sowie das rasche Entfernen verdorbener Lebensmittel helfen zusätzlich, Keimbildung und Geruchsübertragung zu vermeiden.

Das Mindesthaltbarkeitsdatum und Verbrauchsdatum sind bei der Lagerung ebenfalls zu beachten. Was länger hält, wird weiter hinten gelagert, aber so, dass man den Überblick behält, wie z.B. mit durchsichtigen Gläsern oder Aufklebern. Wichtig ist aber auch das Wissen, was sie konkret bedeuten: „Das Mindesthaltbarkeitsdatum gibt an, bis wann ein Produkt bei richtiger Lagerung seine spezifischen Eigenschaften wie Geschmack, Farbe oder Konsistenz behält. Viele Lebensmittel sind jedoch auch nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums noch genießbar. Entscheidend sind Geruchs-, Sicht- und Geschmacksprüfung. Anders verhält es sich beim Verbrauchsdatum: Es betrifft leicht verderbliche Lebensmittel und sollte aus Sicherheitsgründen unbedingt eingehalten werden“, so Marlies Gruber.

Restverwertung spart Ressourcen

Großes Potenzial zur Reduktion von Lebensmittelabfällen liegt auch in der kreativen Verwertung von Resten. Viele vermeintliche Küchenreste lassen sich in Aufläufen, Suppen, Salaten, Smoothies oder Pfannengerichten unkompliziert weiterverwenden. Gerade Brot, gekochte Beilagen, Gemüse oder Obst werden häufig voreilig entsorgt.

Aus Sicht des f.eh braucht es mehr Bewusstsein dafür, dass Lebensmittel weit mehr sind als reine Konsumgüter: „In jedem Produkt stecken landwirtschaftliche Flächen, Betriebsmittel, Energie, Arbeitsleistung und Wasserressourcen. Gerade vor dem Hintergrund zunehmender Wetterextreme, Trockenperioden und globaler Ressourcenknappheit gewinnt ein verantwortungsvoller Umgang mit Lebensmitteln zusätzlich an Bedeutung. Bereits kleine Veränderungen im Alltag können in Summe große Wirkung entfalten“, stellt Marlies Gruber klar.

Food Waste

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© Anita Jankovic