Wasser unter Druck: Wie gelingt eine resiliente Wasser-Bewirtschaftung?
Der Sommer 2026 ist ein Sommer der Extreme: Dem hydrologischen Monitoring des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz zufolge lag die Temperatur in Österreich von Juni bis August um 2,7 °C über dem langjährigen Mittel, gleichzeitig fiel um 32 % weniger Niederschlag. Damit wird eine Frage immer dringlicher: Wie können wir Wasser so nutzen und bewirtschaften, dass auch bei zunehmenden Wetterextremen genug für Ökosysteme, Menschen, Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion bleibt?
Herausforderungen für Umwelt und Landwirtschaft
Wie viel Wasser verfügbar ist, hängt nicht allein von Niederschlag und Temperaturen ab, sondern auch von Verdunstung, Vegetation, Böden, Grundwasser und menschlichen Eingriffen. Steigen die Temperaturen, nimmt die Verdunstung zu, trocknen Böden stärker aus und führen Flüsse weniger Wasser. Zudem steigt während Hitzeperioden der Bedarf. Wie sensibel diese Systeme reagieren, belegen Forschungsarbeiten des international renommierten Hydrologen Univ.-Prof. Günter Blöschl von der TU Wien, der 2025 mit dem Stockholm Water Prize, der weltweit bedeutendsten Auszeichnung auf dem Gebiet der Wasserforschung, geehrt wurde. Er gibt beim Symposium zum Thema „Planetare Wassergrenzen: Klimawandel, Dürre und die Zukunft der Süßwasserversorgung“ einen Einblick, wie Klimawandel und Dürren die Zugänglichkeit von Wasser verändern – von den globalen Zusammenhängen bis zu den konkreten Veränderungen der Wasservorräte in Österreich.
Dr. Roman Neunteufel von der BOKU University verdeutlicht in seinem Vortrag „Virtuelles Wasser und Wasserfußabdruck in der Lebensmittelproduktion“, wie eng unser Konsum mit der Nutzung von Wasserressourcen verbunden ist. Der Wasserfußabdruck umfasst neben dem direkten Verbrauch auch „virtuelles Wasser“ für die Herstellung von Gütern. In Österreich beträgt er Schätzung zufolge rund 4.700 Liter pro Kopf und Tag – knapp drei Viertel davon entfallen auf die Ernährung. Damit wird deutlich: Wer Wasserressourcen schonen will, muss über den direkten Verbrauch hinaus auch Lebensmittelproduktion und Konsum in den Blick nehmen.
Unmittelbar spürbar wird der Ressourcendruck in der Landwirtschaft. Je nach Böden, Kulturarten, Niederschlägen, Grundwasserständen und regionalen klimatischen Bedingungen sind unterschiedliche Anpassungsstrategien gefragt. Univ.-Prof. Hermine Mitter vom Institut für Umweltsystemwissenschaften der Universität Graz forscht an der Schnittstelle von Umwelt- und Agrarökonomie, Klimawandel und menschlichem Verhalten und beleuchtet diese beim f.eh-Symposium für Österreichs Regionen.
Bewusstsein für Zusammenhänge schaffen
„Durch Wasser wird ersichtlich, wie eng Umwelt, Landwirtschaft, Lebensmittelproduktion und Konsum miteinander verflochten sind. Gerade in einer Zeit, in der Extremwetter häufiger in unseren Alltag eingreifen, brauchen wir Bewusstsein und Dialog entlang der gesamten Wertschöpfungskette“, fasst Dr. Marlies Gruber zusammen. „Genau dafür bringen wir beim Symposium Politik, Wissenschaft, Wirtschaft, Landwirtschaft und Umweltorganisationen an einen Tisch. Denn Wasser fließt durch das gesamte Ernährungssystem und entsprechend müssen wir gemeinsam über zukunftsorientierte Anpassungen nachdenken.“