Wasserkrise ante portas? Experten zeigen Handlungsdruck & Maßnahmen
Das Jahr 2026 hat verdeutlicht, dass der Klimawandel den Wasserhaushalt in Österreich verändert und auch in einem wasserreichen Land wie Österreich Wasser nicht immer überall im gleichen Ausmaß verfügbar ist. „Wir müssen daher noch besser über Ressourcen Bescheid wissen und sie vorausschauend bewirtschaften“, so Umweltminister Norbert Totschnig. Das Wasserentnahmeregister, die Studie „Wasser im Klimawandel“, der Trinkwassersicherungsplan und die geplante Nationale Wasserstrategie schaffen dafür wichtige Grundlagen.
Gemeinsam ganzheitlich Lösungen diskutieren
Steigende Temperaturen haben in Österreich die Verdunstung innerhalb von rund vier Jahrzehnten um etwa 17 Prozent erhöht, erläuterte der Hydrologe Günter Blöschl (TU Wien) die Auswirkungen des Klimawandels. „Das verändert das Verhältnis zwischen Niederschlag, Bodenfeuchte, Grundwasserneubildung und Abfluss. Dabei sind die Menge, die Zeit und der Ort des Niederschlags ausschlaggebend. Längere Trockenperioden erhöhen den Wasserbedarf von Pflanzen. Aber Starkregen fließt häufig rasch ab, anstatt in den Boden einzudringen.“ Seine Lösungsansätze sind eine verbesserte hydrologische Datengrundlage, eine vorausschauende Raum- und Wasserwirtschaftsplanung sowie Maßnahmen, die Wasser länger in Böden halten. Hermine Mitter (Universität Graz) nannte weiters eine geeignete Sortenwahl, veränderte Anbauverfahren und wassersparende Bewässerungstechniken. Sonst drohen durch die veränderte Wasserverfügbarkeit um bis zu 30 Prozent geringere Erträge bestimmter Kulturen in den trockeneren Regionen Ostösterreichs.
Roman Neunteufel (BOKU University) ging auf den Wasserfußabdruck und den virtuellen Wasserverbrauch ein, der zu einem wesentlichen Teil außerhalb Österreichs anfällt. Wichtig sind daher transparente Lieferketten seitens der Unternehmen. Verbraucher können durch bewusste Kaufentscheidungen sowie die Vermeidung von Lebensmittelabfällen einen Beitrag leisten, so Gudrun Obersteiner (BOKU University): Werden Lebensmittel entlang der Wertschöpfungskette weggeworfen, gehen die Lebensmittel und mit ihnen auch sämtliche eingesetzten Ressourcen wie Wasser verloren.
In der anschließenden Podiumsdiskussion betonten Emmerich Haimer (FH Wiener Neustadt), Manfred Weinhappel (LK NÖ) und Theresa Fleischberger (Coca-Cola Hellenic) die gemeinsame Verantwortung für regional begrenzte Wasserressourcen. Eine wesentliche Herausforderung ist dabei, den Bedarf von Landwirtschaft, Industrie, Energieversorgung und Trinkwasserwirtschaft zu balancieren. Zugleich brauchen Flüsse, Böden und Ökosysteme ausreichend Wasser, um ihre Funktionen zu erfüllen, so Sabrina Peer (WWF Österreich).
Wasserqualität zu erhalten, ist oberstes Gebot
Wasser muss nicht nur in ausreichender Menge vorhanden, sondern auch gesundheitlich unbedenklich sein, erläuterte Andreas Farnleitner (TU Wien und KL Krems). Österreich profitiert von hochwertigen Grundwasserressourcen und etablierten Versorgungsstrukturen. Dennoch können Schadstoffeinträge, Krankheitserreger und Veränderungen der Umweltbedingungen neue Risiken schaffen. Eine verlässliche Trinkwasserqualität verlangt neben Kontrollen am Ende der Versorgungskette auch einen vorsorgenden Schutz der Einzugsgebiete, eine systematische Gefährdungsanalyse, geeignete Aufbereitungsverfahren und ein kontinuierliches Monitoring.
Petra Rust (Universität Wien) verdeutlichte, dass der Flüssigkeitsbedarf von individuellen und äußeren Faktoren abhängt und eine ausreichende Wasserversorgung v.a. bei Hitze, körperlicher Aktivität sowie für die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit wesentlich ist. Manuel Schätzer (SIPCAN) zeigte, dass gesundheitsförderliches Trinkverhalten durch Ernährungsbildung und attraktive Wasserangebote unterstützt wird. Sie leiteten damit zur Podiumsdiskussion zur Trinkwasserqualität und den ökologischen Auswirkungen unterschiedlicher Getränkeangebote mit Roland Fehringer (c7-consult e.U.), Daniela Kornberger (Vöslauer Mineralwasser) und Susanne Haase (Abg. z. Wr. Landtag und Gemeinderat) über. Leitungswasser hat ökologische Vorteile, wenn es wie bei der Wiener Hochquellwasserversorgung über eine gut ausgebaute, energieeffiziente Infrastruktur bereitgestellt wird. Bei abgefülltem Mineralwasser entscheiden mehrere Faktoren wie Verpackungsmaterial, Mehrweg- oder Einwegsystem, Transport und Recyclingquoten.
Wer trägt Verantwortung?
Die abschließende Podiumsdiskussion stellte sich der Frage, wer bei zunehmender Knappheit Verantwortung übernimmt. Ein einheitlicher globaler Maßnahmenkatalog reicht dabei nicht aus, da Wasserverfügbarkeit, Nutzungskonkurrenz und regulatorische Bedingungen regional unterschiedlich sind, stellte Charlotte Eberl (AGRANA) klar. Wichtig sind belastbare Primärdaten, transparente Wasserbilanzen und Standort-spezifische Risikomanagementpläne, so Jakob Schrittwieser (BMLUK). Anna Selitsch (ÖVGW) betonte, dass darüber hinaus die Infrastruktur laufend instandgehalten und neue Infrastrukturprojekte vorbereitet werden müssen. Verena Winiwarter (Österreichische Akademie der Wissenschaften) warnte davor, Österreich als „Insel der Seligen“ zu betrachten, denn Wasserknappheit und Nutzungskonflikte in anderen Weltregionen wirken sich über globale Lieferketten auch auf Österreich aus. Daher müssen die Trinkwasserversorgung und Ökosysteme geschützt sowie Nutzen und Verteilung geregelt werden, zudem muss in Infrastruktur und Forschung investiert werden.