Zusatzstoffe: unterschätzte Helfer gegen Lebensmittelverschwendung

Lebensmittelzusatzstoffe sichern Qualität und Haltbarkeit und sind ein Baustein für mehr Nachhaltigkeit im Ernährungssystem.
Am 29. September ist Internationaler Tag gegen Lebensmittelverschwendung. Sie zählt zu den größten Herausforderungen für Ernährungssysteme. Jährlich landet weltweit rund ein Drittel aller produzierten Lebensmittel nicht auf dem Teller. Allein in Österreich werden pro Kopf rund 70 bis 75 Kilogramm Lebensmittel entlang der gesamten Wertschöpfungskette verschwendet. Die Folgen reichen von unnötigen Treibhausgas-Emissionen über den Verlust wertvoller Ressourcen wie Wasser, Land, Energie, Arbeitszeit und Geld bis hin zu erheblichen wirtschaftlichen Kosten. Die Vereinten Nationen sehen deshalb die Halbierung der Lebensmittelverschwendung bis 2030 als zentrales Nachhaltigkeitsziel. Ein Hebel dafür ist auch, Lebensmittel möglichst lange sicher und genusstauglich verfügbar zu halten. Hier setzen zahlreiche Zusatzstoffe an. Sie verlängern die Haltbarkeit, schützen vor Verderb und helfen, Qualität und Sicherheit von Lebensmitteln bis zum Verbrauch zu erhalten.

Im Kampf gegen Food Waste bedarf es einer Vielzahl von Maßnahmen, um die zahlreichen Herausforderungen zu bewältigen. „Lebensmittelzusatzstoffe sind bei all den Anstrengungen gegen Lebensmittelverschwendung ein Baustein unter vielen. Sie erfüllen wichtige technologische Aufgaben und leisten einen Beitrag dazu, die Lebensmittelsicherheit zu gewährleisten und Lebensmittelverluste zu reduzieren. Sie ersetzen weder einen bewussten Einkauf noch einen sorgfältigen Umgang mit Lebensmitteln, können diese Bemühungen jedoch wirksam unterstützen. Statt pauschaler Ablehnung braucht es eine wissenschaftlich fundierte und differenzierte Betrachtung", betont Marlies Gruber, Geschäftsführerin des forum. ernährung heute (f.eh). 

Viele Lebensmittelzusatzstoffe übernehmen Funktionen, die Verbrauchinnen und Verbraucher selbstverständlich erwarten: 

  • Konservierungsstoffe hemmen das Wachstum von Mikroorganismen und schützen Lebensmittel vor frühzeitigem Verderb. 
  • Antioxidationsmittel verhindern, dass Fette ranzig werden oder sich Obst- und Gemüseprodukte verfärben. 
  • Säureregulatoren stabilisieren den pH-Wert und erschweren das Wachstum unerwünschter Keime. 
  • Emulgatoren und Stabilisatoren sorgen dafür, dass Produkte ihre gewünschte Konsistenz behalten und sich Bestandteile nicht entmischen. 

Dadurch verlängert sich die Haltbarkeit, was die Verluste entlang der Lieferkette vom Hersteller über den Handel bis in private Haushalte reduzieren kann. 

Streng geprüft, oft natürlichen Ursprungs

Die öffentliche Diskussion über E-Nummern ist häufig von Unsicherheit geprägt. Sie werden pauschal mit ungesunden oder stark verarbeiteten Lebensmitteln gleichgesetzt. Tatsächlich steht das „E" lediglich für Europa und kennzeichnet Zusatzstoffe, die ein umfangreiches europäisches Zulassungsverfahren durchlaufen haben, das ihre gesundheitliche Unbedenklichkeit und technologische Notwendigkeit sicherstellt. 

Oft wird zudem übersehen, dass zahlreiche Zusatzstoffe natürlichen Ursprungs sind oder auch natürlicherweise in Lebensmitteln vorkommen: 

  • Ascorbinsäure (Vitamin C, E300) dient etwa als Antioxidationsmittel.
  • Pektin (E440) aus Äpfeln oder Zitrusfrüchten wird als Geliermittel eingesetzt. 
  • Zitronensäure (E330) kommt in vielen Früchten vor. 
  • Glutamat (E620-625) findet sich unter anderem in Tomaten, Parmesan oder Muttermilch. 
  • Propionsäure sorgt für guten Geschmack in Emmentaler oder Blauschimmelkäse. Wird sie in der Produktion aus technologischen Gründen eingesetzt – wie etwa zur Konservierung von Schnittbrot –, ist sie laut EU-Aromenverordnung 1334/2008 als Zusatzstoff (E280) zu deklarieren. 

Anpassung bei Einkauf und Lagerung

Produkte ohne Zusatzstoffe können mehr Frische bedeuten, aber auch ein höheres Risiko für Verderb, wenn Planung und Lagerung nicht angepasst werden. Für Menschen, die weniger Zusatzstoffe aufnehmen möchten, lohnt es sich daher, Einkaufsfrequenz, Lagerbedingungen und Verzehrsplanung gezielt zu optimieren. Ist das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) überschritten, kann das Produkt trotzdem noch einige Tage bis Wochen danach genießbar sein. Hier heißt es, selbst zu prüfen, ob das Lebensmittel noch „gut“ ist. Riecht beispielweise das mehrere Tage überfällige Joghurt nach dem Öffnen noch gut und sieht optisch unverändert aus, so muss es nicht entsorgt werden. Weisen Lebensmittel allerdings einen untypischen Geruch, veränderte Farbe und Konsistenz oder gar Schimmel auf, sind sie nicht mehr zu verzehren.