
Buddha in der Küche
Harald Lemke
Transcript Verlag, 588 Seiten (2025)
ISBN: 978-3-8376-6714-1
Rezension:
Wie kann ich ein erfülltes Leben haben und die Welt ein Stück besser machen? Diese Frage stellten sich in der Vergangenheit schon viele Philosophen. Harald Lemke – Direktor vom Internationalen Forum Gastrosophie (IFG), das die Praxis des Essens philosophisch ergründet – sucht die Antwort darauf nun an einem alltäglichen Ort: am Esstisch.
Sein neues Buch ist dreigeteilt. Zunächst setzt sich der Autor kritisch mit dem japanischen Philosophen Kohei Saito auseinander, der für seine Kapitalismuskritik und Neuinterpretation von Karl Marx bekannt ist. Dabei beschreibt Lemke Probleme im Ernährungssystem als sogenannte Meta-Probleme, die auf verschiedene Bereiche ausstrahlen und macht deutlich, wie eng unsere Ernährung mit ökologisch-sozialen Fragen verwoben ist. Dann wendet er sich der Esskultur Japans und Chinas zu, wo Essen als bedeutsames Ritual gesehen wird, das Identität schafft. Abschließend verbindet er die ersten zwei Teile und streicht heraus, dass Essen als kulturelle Praxis das Potenzial hat, Spannungen zu mildern und Krisen entgegenzuwirken. Sein Fazit: Wer nicht nur aus Notwendigkeit isst, sondern beim Kochen und Essen Selbstbestimmung und Gemeinschaft erfährt, ist erfüllter und letztlich auch produktiver.
Eine anspruchsvolle Lektüre, die philosophisches Vorwissen erfordert. Die komplexe Sprache kann im ersten Moment abschrecken, lädt aber zu einer tiefen Auseinandersetzung ein – für ein harmonisches Miteinander, in der Küche wie im Alltag.
© Christoph Brettlecker