15.10.2020 von Elisabeth Rudolph (aktualisiert von Elisabeth Sperr)

Österreicher sind Brotesser

„Brot ist der Stab des Lebens“, behauptete schon der irische Erzähler Jonathan Swift. Brot gilt als Synonym für Nahrung und ist nicht umsonst auch im Vaterunser erwähnt. Dort hat es nicht nur symbolischen Charakter, vielmehr geht es um die Bedeutung des Brotes als Grundnahrungsmittel. Am 16.10. ist nicht nur Welternährungstag, sondern auch Tag des Brotes.

Österreich ist bekannt für seine Brotvielfalt. In kaum einem anderen Land sind die Auswahl und das Sortiment an Brot und Gebäck so groß wie in Österreich. Frau und Herr Österreicher kaufen gerne frisches und schmackhaftes Brot ein. Das Preis-/Leistungsverhältnis wird als drittes Kriterium beim Kauf genannt, gefolgt von der Art des Brotes oder Gebäcks, wie Weiß- oder Schwarzbrot.

Mit dem Alter mehr Brot

Sieben von zehn Österreichern essen mindestens einmal pro Tag Brot oder Gebäck. Dabei bevorzugen sie vor allem Schwarzbrot, dicht gefolgt von weißem. Rund ein Drittel genießt zum Frühstück am liebsten Korngebäck oder Vollkornbrot und jeder Vierte hat in der Früh Lust auf eine Semmel. Der Brotverzehr ist jedoch nicht in jedem Alter gleich, denn je älter, desto öfter wird es gegessen. Die ältere Generation hält dabei nach wie vor an den klassischen Brot-Mahlzeiten am Morgen und Abend fest. Die jüngeren Konsumenten sind flexibler und essen es gerne auch zwischendurch. Das alles ergab die letzte repräsentative Untersuchung des Markt und Meinungsforschungsinstitutes marketagent im Jahr 2015.

Wissenswert

Brot wird aus gemahlenen Getreide, Wasser, Salz und einem Triebmittel, z.B. Backhefe oder Sauerteig hergestellt. Dabei kommen unterschiedliche Mehlarten und Auszüge zum Einsatz. So unterscheidet man je nach Mehltype und Beigaben Roggen-, Weizen- und Mischbrote. Das dunkle Äußere des Brotes bezeichnet man als Kruste, das Innere wird als Krume bezeichnet.

Fakten zum Thema Brot

  • Der durchschnittliche jährliche Pro-Kopf-Verbrauch liegt laut Statista aktuell bei rund 48 kg Brot. Das sind monatlich ca. 4 kg.
  • In Österreich gibt es rund 150 verschiedene Brotsorten.
  • Je niedriger die Typenzahl des Mehls, desto heller ist das Mehl und somit auch das Brot. Lesen Sie hier alles über die unterschiedlichen Mehlsorten.
  • Bei Glutenunverträglichkeit sollte auf Roggen, Gerste, Hafer, Dinkel, Weizen, Grünkern, Emmer und Kamut verzichtet werden. Dafür sorgen Reis, Mais, Buchweizen oder Hirse für keine Beschwerden.
  • Die drei Lieblingsmehlsorten hierzulande sind Roggen-, Weizen- und Dinkelmehl.
  • Zum kurzfristigen Lagern des Brotes eignen sich Leinen- oder Baumwollsäcke, Körbe oder Netze.
  • Schnittbrot ist anfälliger für Schimmel als ganzes Brot.
  • Laut WWF-Umfragen aus dem Jahr 2020 gibt jeder Zehnte an, zumindest ein- bis zweimal pro Woche Brot und Gebäck wegzuwerfen. Der Tag des Brotes am 16.10. soll deshalb an den Wert des Grundnahrungsmittels, seine lange Tradition und seinen wichtigen Bestandteil in unserer Ernährung erinnern.

Kulturgut Brot

Unterschiedliche Museen und Ausstellungen widmen sich mit zahlreichen Projekten dem Thema Brot. Ihr Ziel ist, die Bedeutung und das Verständnis des Alltags- und Kulturgutes Besuchern näherzubringen. Stellvertretend für Einrichtungen, die sich dem Phänomen Brot widmen, sind z.B. das Europäische Brotmuseum in Ebergötzen in Deutschland, das Maison du Ble et du Pain in Echalles in der Schweiz, das Muzej Cleba in St. Petersburg oder das Museu do Pao in Portugal.
1955 gründete die Ulmer Unternehmerfamilie Eiselen das erste Brotmuseum weltweit, um die Bedeutung des Grundnahrungsmittels für den Menschen zu dokumentieren. Untergebracht in einem Jahrhunderte alten Gebäude in Ulm umfasst es ca. 18.000 Objekte aus verschiedenen Epochen und Regionen der Welt. Weit jünger, aber nicht weniger detailreich, widmet sich hierzulande das Paneum-Wunderkammer des Brotes im oberösterreichischem Asten der kulturgeschichtlichen Bedeutung des Brotes. Es ist das erste Brotmuseum Österreichs. Knapp 1.200 Objekte können hier zum Thema Brot, Backen und Brotherstellung besichtigt werden. Die Ausstellung widmet sich der jahrtausendelangen Kultur der Brotherstellung und soll den Besuchern den Stellenwert des Brotes über mehrere Epochen näherbringen. Auch für Sauerteig gibt es mittlerweile in der belgischen Stadt Sankt Vith eine eigene „Bibliothek“. Dort lagern derzeit 128 Sauerteige aus 25 Ländern. Manche soll es bereits seit dem 19. Jahrhundert geben. Jedes Jahr werden zwanzig neue Sauerteige in die Sammlung aufgenommen. Ziel der Bibliothek ist es, die Biodiversität sowie das Wissen über die Herstellung und Verarbeitung zu erhalten. Mehr dazu hier. Der Film „Brot“ von Harald Friedl (2020) beleuchtet die Geschichte und Herstellung des Grundnahrungsmittels und ist auch via Stream verfügbar (z. B. hier).

Literatur

Brot: Dem Phänomen auf der Spur. Wissensforum Backwaren 2: 8-11 (2018).
Brot und Gebäck im Viesier: Das Bäckerhandwerk im Umbruch: www.marketagent.com/webfiles/MarketagentCustomer/pdf/df6f68b1-9cbb-478a-a813-b017a75f82ee.pdf (Zugriff am 14.10.2020).
Die Brotausstellung: www.brotausstellung.de/vom-korn-zum-brot/brotgeschichte/ (Zugriff am 14.10.2020).
Obersteiner G, Luck S: Teller statt Tonne – Lebensmittelabfälle in Österreichischen Haushalten Status quo. WWF Österreich (Hrsgb.), Wien (2020).
Statistik Austria: Konsumerhebung 2009/2010. Ein Blick in die österreichische Speisekammer.  www.statistik.at/web_de/presse/056067.html (Zugriff am 14.10.2020).
Statista GmbH: Brot. de.statista.com/outlook/40050100/128/brot/oesterreich (Zugriff: 14.10.2020).
Verein für Konsumenteninformation (VKI): Brot: Konsum in Österreich. www.konsument.at/essen-trinken/brot-konsum-in-oesterreich (Zugriff am 14.10.2020).
Reich S: „Man muss ihn füttern, mit ihm sprechen“. 7. Juli 2020, www.zeit.de/kultur/2020-07/sauerteig-bibliothekar-brot-karl-de-smedt-corona-krise-backwahn (Zugriff: 14.10.2020)

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