• Bewusst essen?

    Im Zentrum steht die Psychologie beim Essen, inkl. der Rolle von Emotionen und Social Media. Für Details einfach zum Inhaltsverzeichnis hinunterscrollen.

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Editorial

Dass der Magen und Emotionen zusammenhängen, besagen traditionelle Sprichwörter. „Liebe geht durch den Magen“, „Stress schlägt sich auf den Magen“ und „Hunger macht grantig“. Bei Hunger handelt es sich – evolutionär betrachtet – im Grunde um eine Stressreaktion. Denn aufgrund des niedrigen Blutzuckerspiegels werden Stresshormone ausgeschüttet. Dieser unangenehme Zustand macht gereizt und wird häufig als Ärger, Zorn oder Wut fehlinterpretiert. Im Englischen gibt es dafür das Wort hangry – eine Kombination aus hungry (dt. hungrig) und angry (dt. wütend). Bei uns bezeichnen sich manche als futtergrantig. Dass es sich dabei nicht nur um eine Alltagshypothese handelt, haben kürzlich der Psychologe Univ.-Prof. Stefan Stieger von der Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften in Krems und der Sozialpsychologe Prof. Viren Swami von der britischen Anglia Ruskin University in Cambridge genauer unter die Lupe genommen. Über einen Zeitraum von drei Wochen beantworteten 64 Personen fünfmal am Tag via Smartphone Fragen zu ihrem Hungergefühl und Essverhalten sowie zu ihrer aktuellen Stimmungslage. Dabei wurde beobachtet: Immer wenn der Hunger groß war, waren auch Ärger, Zorn, Wut oder Gereiztheit hoch. Personen, die öfter angaben, hungrig zu sein, waren auch generell gereizter. Wie wütend oder gereizt man sich fühlt, hängt dabei zu gut einem Drittel mit dem Hungergefühl zusammen. Auch die Varianz einer vergnüglichen Stimmung ist zu 38 % vom Hunger- bzw. Sattheits gefühl beeinflusst. Die Studienergebnisse sind wissenschaftlich interessant, um Gefühlslagen und deren Auslöser besser zu verstehen, können aber auch für den Einzelnen relevant sein. Mit einer besseren Interozeption – also der Fähigkeit, Körpersignale wahrzunehmen und richtig deuten zu können – lässt sich einerseits leichter gegensteuern, wenn man gerade grantig oder gereizt ist. Andererseits hilft sie dabei, Essen nicht als Kompensation überzustrapazieren. Wir haben in diesem Heft die Psychologie rund ums Essen ins Zentrum gerückt. Dabei werden die Hintergründe dieser Disziplin erklärt, die Wechselwirkungen zwischen Emotionen und Essverhalten beleuchtet sowie Fragen zu Essstörungen, deren Entstehung, Prävention und Therapie geklärt. Zudem wird der Einfluss von Social Media und Werbung diskutiert. Viel Vergnügen mit der Lektüre und einen schönen Sommer!

Herzlichst!

Inhalt

Fokus: Seite 04-08

Essen zwischen Kopf und Bauch

Die Ernährungspsychologie beschäftigt sich damit, wie Menschen das Essen erleben und sich dabei verhalten. Dass diese Wissenschaftsdisziplin nicht im internationalen Umfeld entstanden ist, sondern im deutschsprachigen Raum, ist ungewöhnlich.

Fokus: Seite 09-11

Wenn Essen Emotionen reguliert

Ungesundes Essverhalten ohne Krankheitswert ist weitverbreitet. Ein Grund dafür ist die Funktionalisierung des Essens. Dabei wird es vielmehr von Emotionen als von physischen Hunger- oder Sättigungssignalen gesteuert.

Fokus: Seite 12-13

Wie Social Media unser Essen formt

Essen, Kochen und Ernährung gehören zu den Top-Themen in sozialen Medien. Die Vielfalt an Plattformen, Influencern und Communitys ist enorm. Vielen fällt es schwer, Orientierung zu finden. Dabei kann Social Media zu einer besseren Auseinandersetzung mit Ernährungsthemen beitragen.

Fokus: Seite 14-15

"Versuchen, ganzheitlich zu therapieren"

Essstörungen haben ihren Ursprung meist in der Psyche, weshalb die Psychotherapie das Mittel der Wahl ist. Doch an gewissen Punkten kommen die Betroffenen oft nicht weiter. Wir haben bei sowhat, dem Kompetenzzentrum für Menschen mit Essstörungen nachgefragt.

Fokus: Seite 16-17

Nur Nudeln und sonst nichts

Picky Eater sind wählerisch, sehr wählerisch. Oft begnügen sie sich mit einer Handvoll unterschiedlicher Speisen, die sie mögen. Zum Leidwesen der Eltern. Einseitiges Essverhalten kann viele Gründe haben, aber nicht jeder Dauernörgler hat eine Essstörung. Die genaue Abgrenzung bleibt dennoch heikel.

Fokus: Seite 19-21

"Konsumverhalten neu denken"

Werbung für Lebensmittel und damit verbundene Einschränkungen sind ein heißes Thema in der europäischen Politik. Welche Rolle die Werbung tatsächlich spielt, haben wir mit Dr. Brigitte Naderer, Kommunikationswissenschafterin an der Ludwig-Maximilians-Universität München, diskutiert.

Serie: Wildkräuter - Teil 2: Seite 22 - 23

Gundelrebe aka Gundermann

Ein ausgeprägter Aberglaube rankt sich um die Gundelrebe, die auch Gundermann oder Guck-durch-den-Zaun genannt wird. So hängte man etwa vor der Walpurgisnacht Sträuße zum Schutz über Haus- und Stalltüren, wenn die Hexen draußen ihr Unwesen trieben. In der Küche ist die Gundelrebe ein Würzkraut mit einmaligem Aroma.

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