
Funga? Welt der Pilze
Die Ausgabe widmet sich der Biologie, Geschichte und Kulinarik der Pilze – von Myzelnetzwerken über das Sammeln und Züchten bis hin zu Zubereitungstipps und Food-Trends.
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Editorial
Pilze sind ein Faszinosum. Sie umgeben uns in der Erde, auf Bäumen, in Häusern, in der Luft, auf der Haut und in Lebensmitteln. Sie sind jeden Tag omnipräsent, und doch wissen wir gemeinhin recht wenig über sie. Ohne Pilze wären die Pflanzen vor etwa 450 Mio. Jahren nicht vom Wasser aufs Land gekommen, ohne Pilzpartner würde kein Lebewesen in seiner aktuellen Form bestehen. Oft denken wir bei Pilzen nur ans Essen, doch der weitaus größere Teil der Pilze – das Myzel – befindet sich unter der Erde. Hier sind sie Netzwerker par excellence und weisen Verwobenheiten auf höchstem Grad auf. Sich mit Pilzen auseinanderzusetzen, bedeutet daher auch, komplexe Verflechtungen zu erkennen, und kann helfen, die Beziehungen zwischen Lebewesen – also die Ökologie – zu verstehen.
Die längste Zeit wurden Pilze im Reich der Pflanzen verortet. Erst seit 1969 sind sie in der biologischen Systematik eine eigene Welt. Doch bis heute gibt es keinen offiziellen Begriff für alle auf einer Fläche lebenden Pilze, wie das für Pflanzen die Flora und Tiere die Fauna ist. Forschende haben daher am Beginn dieses Jahrtausends vorgeschlagen, den Terminus Funga einzuführen. Dieser eigene Begriff soll zu mehr Pilzbewusstsein beitragen. Denn trotz zunehmenden Interesses sind Pilze weitgehend unbekannt. Sowohl die Bilder im Kopf als auch unser Wortschatz sind begrenzt, wenn wir uns vor Augen halten, dass es über 2 Mio. Arten gibt, von denen etwa 140 000 erforscht sind und etwa 200 kulinarisch oder medizinisch genutzt werden. Weil ernährungsökologische Aspekte und Auswirkungen unserer Lebensmittelauswahl auf Umwelt, Gesundheit und Gesellschaft zunehmend an Bedeutung gewinnen, wächst auch die Nachfrage nach Pilzen. Ihre Herstellung benötigt wenig Ressourcen, ihre Verwendungsmöglichkeiten sind mannigfach. Schließlich sind Pilze unter mehreren Aspekten geschmacklich interessant. Ein Punkt ist ihre Umami-Kraft, die sich aus dem Zusammenspiel von zwei Aminosäuren ergibt: Glutamat und Aspartat. Die meisten Aminosäuren schmecken jedoch bitter oder süß. Passenderweise ist – abseits des Fokusthemas – auf den Seiten 16–19 zu lesen, was es mit süßen Proteinen auf sich hat.
Mit dieser Ausgabe möchten wir einen Beitrag für ein erhöhtes Pilzverständnis leisten, Neugierde wecken und Gusto auf eine erweiterte Aromavielfalt machen. Gehen Sie in die Pilze, erkunden Sie die Vielfalt der kultivierten Schwammerl und lassen Sie es sich schmecken!
Herzlichst!
Inhalt
Wood Wide Web
Zwischen Wald und Zucht, Tradition und Trend: Die Welt der Pilze reicht von einzelligen Hefen bis hin zu komplexen Organismen wie den klassischen Speisepilzen. Als eigenes Reich jenseits von Tier und Pflanze verblüffen sie biologisch, kulinarisch und ernährungsphysiologisch.
Healing Mushrooms?
Sogenannte Vitalpilze wie Cordyceps und Reishi werden in Asien schon lange als Heilmittel verwendet. Mittlerweile gibt es sie auch bei uns zu kaufen. Wie steht es um ihre Wirkung?
Pilz-Basics
„Es lassen sich hunderte Pilzarten kultivieren“
Pilze findet man nicht nur im Wald, sondern auch im Supermarkt. Doch wie funktioniert der Anbau? Was sind die Herausforderungen dabei? Und wie „pilzophil“ wird die Zukunft? Wir haben bei Pilzzüchter Markus Scharner nachgefragt.
Schwammerlgenuss im Wandel
Pilze sind Wunderdinge – unter der Erde und am Teller. Sie können zu wahren Geschmacksbomben mutieren, mischen im Trend der nachhaltigen Ernährung mit, sind Basis traditioneller Lebensmittelproduktion und vieler innovativer Kreationen. Kurzum: ein kulinarisches Kleinod.
Sekundäre Pilzvergiftung
Man kommt abends hungrig nach Hause und kocht ein Risotto mit Pilzen, die seit einigen Tagen im Kühlschrank liegen. In der Nacht folgen Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Schweißausbrüche. Der Grund: eine „unechte“ Pilzvergiftung.
Mythen-Check: Schwamm drüber?
Süße Proteine
Der Konsum von Zucker – vor allem über Erfrischungsgetränke – steht seit Jahren in der Kritik, gleichzeitig bleibt die menschliche Vorliebe für Süße bestehen. Proteinbasierte Süßstoffe könnten eine neue Möglichkeit sein, unsere Lust auf Süßes zu stillen.
Verbraucherakzeptanz von Mikroalgen
Mikroalgen gibt es nicht nur in Tablettenform, sie können auch Lebensmitteln hinzugefügt werden. Doch schmeckt das? Und wollen wir so etwas wirklich essen? Eine Verkostungsstudie ging diesen Fragen nach — mit Pesto, Laibchen und Neugier.
Kurzmeldungen
Intermittierendes Fasten oder Kalorienrestriktion? | BMI nicht allein betrachten | Hülsenfrüchte für alle
Sanddorn
Er heißt auch „Zitrone des Nordens“ – und damit ist bereits vieles über ihn gesagt: leuchtende Farbe, saurer Geschmack, hoher Vitamin-C-Gehalt. Ein Portrait.
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