
Mind the Gap!
Im Fokus stehen Diskrepanzen zwischen gesellschaftlichen Ansprüchen und individuellem Verhalten. Details zu den Beiträgen gibt es unten im Inhaltsverzeichnis.
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Editorial
Unsere Lebensumstände als Kollektiv – von den Jüngsten bis zu den jetzt besonders schutzbedürftigen und -würdigen Hochrisikogruppen – sind disruptiv umgebrochen wie niemals zuvor. Was eben noch relevant ist, kann bereits Makulatur sein, wenn Sie dieses Heft aufschlagen. Unsere Wahrnehmung, unser Wissen, unsere Einstellungen und (Selbst-)Erfahrungen ändern sich täglich. In dieser neuen Realität beginnen sich auch Prioritäten neu zu sortieren. Denn oft merkt man erst, wie sehr man Menschen, Erlebnisse, Gewohnheiten, Freiheiten und Dinge schätzt, wenn sie fehlen. Das zeigt die Phase der sozialen Distanzierung und der aktuellen Einschränkungen deutlich. Gleichzeitig erfährt die Digitalisierung einen enormen Schub, es entwickeln sich neue Muster des sozialen Halts und auch der Lebensmittelversorgung. Die Frequenz der Einkäufe geht zurück, Lieferservices und Eigenanbau nehmen zu. Plötzlich haben Lebensmittel wieder einen höheren Stellenwert, und es ist zu hoffen, dass diese Wertschätzung und ein bewusster Umgang auch nach Corona erhalten bleiben. Eindrücklich zeigt sich in der Corona-Krise, wie fundamental solide wissenschaft liche Daten, deren korrekte Kommunikation und schlüssige Inter pretation für (gesundheits-)politische Entscheidungen und jeden Einzelnen sind. Ebenso, welch gesellschaftliches Gift Fake News und Panikmache bergen. Gerade auf dem Gebiet der Ernährung haben wir mit beidem immer wieder zu kämpfen. Unermüdlich arbeitet das forum. ernährung heute daran, wissenschaftliche Daten und komplexe Sachlagen valide, objektiv und verständlich aufzubereiten.
Bei allen Leserinnen und Lesern, die uns im Rahmen der Magazin-Umfrage Feedback gegeben haben, bedanke ich mich herzlich im Namen des gesamten Redaktionsteams. Ihr äußerst positiver Zuspruch zur Auswahl der Themen, der Aufbereitung und Informationstiefe sowie Ausgewogenheit der Botschaften geben Motivation, das Heft in die richtige Richtung weiterzuentwickeln. Zudem freut uns, welch hohen Grad an Kompetenz Sie uns sowie unseren Autorinnen und Autoren attestieren. Das ist auch insofern erfreulich, als die „Meister ihres Faches“ von Dossier vor geraumer Zeit die Finanzierung des f.eh durch die Lebensmittelwirtschaft zwar heftig kritisierten, aber keinen einzigen inhaltlichen Anhaltspunkt für inkorrekte oder unausgewogene Berichterstattung nennen konnten – oder wollten. Sie interessierten sich nicht für die Qualität unserer Arbeit, sondern wollten offenbar einzig und allein die Organisation diskreditieren.
Wir sprechen uns stets dafür aus, genau hinzusehen und kritisch zu sein, Mythen keinen Glauben zu schenken, Widersprüche zu erkennen, Datenlagen zu vergleichen. Mind the Gap – nach diesem Motto ist auch die aktuelle Ausgabe konzipiert. Sie soll Einblicke geben in die Klüfte zwischen gesellschaftlichen Wünschen und individuellem Kaufverhalten – wie beim Thema Regionalität und Tierwohl – sowie zwischen Image und Realität – wie bei Fleischalternativen – oder zwischen unterschiedlichen Bilanzierungsmodellen und Datengrundlagen, wenn es um die Diskussion der CO2-Emissionen bei der Lebensmittelproduktion geht.
Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre und alles Gute für diesen Frühling. Bleiben oder werden Sie gesund!
Herzlichst!
Inhalt
Konsumenten fehlt bei Tierwohl das Big Picture
Der f.eh-Mediendialog ist ein neues Veranstaltungsformat, das eine sachliche und faktenbasierte Diskussion über Essen und die Lebensmittelproduktion ermöglichen soll. Beim ersten Termin stand das Tierwohl im Fokus. Bei sechs Themenbereichen orteten die Teilnehmer dringenden Handlungsbedarf – auch wenn über konkrete Lösungen nicht immer Einigkeit herrschte.
Kann Pflanze auch Fleisch
Sie sehen aus wie Fleischprodukte, schmecken wie Fleischprodukte und können jüngst sogar bluten. Vegetarische und vegane Alternativen zu Wurst, Steak und Burger liegen im Trend. Doch was steckt unter der Verpackung, und ist pflanzlich automatisch umweltfreundlicher?
Der CO2-Fußabdruck unserer Lebensmittel
Maßnahmen gegen den Klimawandel zielen auch auf den Lebensmittelkonsum ab. Vor allem tierischen Lebensmitteln wird hinsichtlich ihrer Klimawirksamkeit ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. Dabei gilt es jedoch zu differenzieren: Welche Daten wurden abgebildet? Welches Bilanzierungsmodell wurde herangezogen, und welche Verhältnisse liegen den Aussagen zugrunde?
Regionalität in aller Munde
Drei von vier Österreichern wünschen sich im Handel ein größeres Angebot an regionalen Lebensmitteln. Und das quer durch alle Gesellschaftsgruppen. Woher kommt dieses Bedürfnis nach Produkten „aus der Heimat“? Und was verstehen die Österreicher unter „regional“?
Wurzel der Barbaren: Rhabarber
Einst gehörte er zur Grundausstattung jedes Gartens. Heute lässt er die Herzen von Marktbesuchern höherschlagen: Mit dem Rhabarber kommt der Frühling auf den Tisch. Wissen über dieses Gemüse ist jedoch rudimentär verbreitet.
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