• Der Run auf Protein

    Die Ausgabe widmet sich Bedarf, Quellen, Qualität und Funktionen von Eiweiß – von Muskelgesundheit über Lebensmitteltrends bis hin zu spannenden Innovationen.

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Editorial

Protein ist der Makronährstoff, der die Ernährungsdebatte dieses Jahrzents regiert. Die Supermarktregale sind gut gefüllt mit Produkten, die mehr Muskeln, weniger Hunger und ein längeres Leben versprechen. Ob natürlich enthalten oder extra hinzugefügt: Besonders hervorgehoben wird Eiweiß mittlerweile in nahezu allen Lebensmittelkategorien. Doch woher kommt diese Obsession? Proteinpulver im Shaker hat wohl den Anfang gemacht, irgendwo zwischen Hantelbank und Umkleidekabine, und diverse Influencer haben via Social Media die Ansinnen der Bodybuilder-Welt in den Mainstream-Diskurs katapultiert. Dazu gesellt sich das wachsende Bewusstsein für gesundes Altern und Longevity. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass bis 2030 jede sechste Person weltweit 60 Jahre oder älter sein wird. Relevant ist das, weil mit zunehmendem Alter Muskelmasse schwindet. Damit gehen unter anderem ein höheres Risiko für Stürze und Knochenbrüche, eingeschränkte Mobilität und verminderte Selbständigkeit einher. Auch die Wahrscheinlichkeit für Diabetes Typ 2 steigt, da Muskeln ein wesentlicher Glukosespeicher sind. Angesichts des fortschreitenden demografischen Wandels gewinnt das Thema zunehmend an Bedeutung. Ausreichend Eiweiß in Kombination mit Krafttraining bremst den Muskelabbau. Eine weitere Entwicklung, die den Proteintrend stützt, ist die GLP-1-Medikation – die Abnehmpille. Wer sie nimmt, braucht kleinere Portionen, wobei eine ausreichend hohe Eiweiß- und Nährstoffdichte im Blick zu behalten ist.

Der Konsumhype ist jedoch nur die eine Seite der Medaille – auf der anderen verbirgt sich eine weitaus fundamentalere Debatte. Die sogenannte Proteinwende beschreibt den strukturellen Wandel unserer Eiweißversorgung – von der Wahl der Futtermittel über die Tierhaltung bis hin zur verstärkten Nutzung von pflanzlichen Quellen. Denn die ökologische Rechnung des heutigen Proteinkonsums zeigt: Der überwiegende Teil der globalen ernährungsbezogenen Treibhausgas-Emissionen geht auf Fleisch und Milchprodukte zurück. Hülsenfrüchte wie Erbsen, Lupinen, Bohnen, Linsen und Soja gelten dagegen als wesentlicher Faktor für ein nachhaltiges Ernährungssystem. Steigt ihr Anteil, geht das mit einer höheren Biodiversität und Resilienz in der Lebensmittelversorgung einher. Zudem binden Leguminosen mehr Stickstoff im Boden, womit der Düngemitteleinsatz reduziert werden kann. Weiters rückt die Fermentation als Technologie der Proteinproduktion (wieder) in den Fokus. Ob traditioneller Tempeh oder Lebensmittel mit fleischähnlicher Textur im Bioreaktor: In kultureller und technologischer Sicht stehen Innovationen am Teller bereit. Ob wir zugreifen, liegt an uns. Denn was bleibt, wenn der Proteinhype verfliegt? Die Frage, wie neun Milliarden Menschen mit ausreichend Protein zu ernähren sind, ohne den Planeten zu überlasten. Die Proteinwende ist daher kein Modewort – sie ist eine ernährungspolitische Notwendigkeit.

Eine angenehme Lektüre wünscht

Inhalt

Fokus: Seite 04-07

Update: Eiweiß

Proteinpancakes zum Frühstück, Eiweißriegel für zwischendurch und ein Shake nach dem Training. Was macht Protein in unserem Körper? Wie viel brauchen wir tatsächlich davon? Und was passiert, wenn wir zu viel aufnehmen?

Fokus: Seite 08-09

Proteinbasics

Fokus: Seite 12-13

Sojaklassiker: Tofu, Tempeh, Natto

Die Sojabohne ist in vielen asiatischen Esskulturen fest verankert. Hierzulande ist sie in den vergangenen Jahren als pflanzliche Eiweißquelle ins Rampenlicht gerückt. Wir beleuchten drei traditionsreiche Produkte und was diese kulinarisch ausmacht.

Fokus: Seite 14-15

Trendlebensmittel Skyr

Cremig, proteinreich, vielseitig – der aus Island stammende Skyr ist der Inbegriff des aktuellen High-Protein-Hypes. Ein Portrait.

Fokus: Seite 16-17

Kreatin im Check

Kreatin ist seit Jahren ein viel diskutierter Stoff in der Sporternährung und gilt als eines der am besten untersuchten Nahrungsergänzungsmittel. Hier die wichtigsten Fakten auf einen Blick.

Lebensmitteltechnologie: Seite 18-19

„Nebenströme haben enormes Potenzial“

In der Lebensmittelherstellung fallen täglich Produkte an, die ungenutzt bleiben. Was man damit machen kann und warum die Umsetzung häufig scheitert, klären wir im Gespräch mit dem Lebensmitteltechnologen Gernot Zweytick.

Serie: Lebensmitteltechnologie – Teil 2: Seite 20-21

Formwunder Extrusion

Knusprige Cornflakes, perfekt geformte Pasta, saftiges Veggie-Faschiertes – all diese Produkte haben eines gemeinsam: Sie entstehen durch Extrusion. Das Verfahren kombiniert Druck und Scherkräfte zu einer vielseitigen Technologie, die heutzutage nicht mehr wegzudenken ist.

Ernährungsmedizin: Seite 22-23

Wer hat an der Uhr gedreht?

Aufwachen, als wäre die Uhr danach gestellt, Hunger Tag für Tag zur gleichen Zeit: Zirkadiane Rhythmen beeinflussen unseren Alltag, doch selten beachten wir sie konkret. Wir beleuchten, wie Essenszeiten und unsere Gesundheit zusammenhängen.

Serie: Getränke – Teil 2: Seite 24-25

Nicht nur abgefüllt: Natürliches Mineralwasser

Mineralwasser wirkt auf den ersten Blick unscheinbar: klar, kalorienfrei, überall erhältlich. Es ist ein reines Naturprodukt, wird streng reguliert und unterscheidet sich je nach Quelle in Zusammensetzung und Geschmack.

Kolumne: Spitze Feder: Seite 26

Ernährungssicherheit in Zeiten multipler Krisen

Klimakrise, Versorgungskrise, Energiekrise, politische Krise: Krisen bestimmen unsere Gegenwart und führen uns vor Augen, wie vulnerabel wir sind. Überrascht es da, wenn wir uns Gedanken machen, ob wir genug sichere und qualitativ einwandfreie Lebensmittel haben?

Fokus: Seite 10

„Innovative Lösungen sichtbar machen“

Den Proteinbedarf von Mensch und Tier möglichst nachhaltig zu decken, ist ein großer Treiber für Innovation. Aber welche Konzepte sind besonders vielversprechend? Wir haben mit Georg Sladek vom Agro Innovation Lab gesprochen.

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