• Gentechnik 2.0

    Gentechnik spielt bereits in einigen Teilen unseres Lebens eine Rolle. Im Fokus dieses Heftes gibt es ein Update dazu. Weiter unten gibt es mehr zu den Themen.

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Editorial

Die Ablehnung gegen Gentechnik ist groß und vehement – und doch ist diese Technologie bereits in viele Lebensbereiche vor gedrungen. So stammen 80 % der globalen Baumwolle von gentechnisch veränderten Pflanzen. Waschmittel, die Schmutz bereits bei 30 °C effektiv entfernen, schaffen das nur mit Enzymen, die von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) produziert werden. Auch viele Kosmetika und Medikamente setzen auf gentechnische Unterstützung, darunter das für Diabetiker notwendige Insulin, das mit GVO hergestellt wird. Wilke Jedoch wird in der Öffentlichkeit nur wenig über Gentechnik diskutiert, eher scheint sich eine generelle Abneigung breit zumachen. Selbst in den USA boomt das Geschäft mit Non GMO-Zertifizierungen, vor allem bei Lebensmitteln. Dabei sind die Möglichkeiten der modernen Gentechnik Wissen schaftern zufolge enorm. Heiß diskutiert ist der Einsatz der Gen schere CRISPR/Cas, eine Entwicklung der Forscherinnen Jennifer Doudna und Emmanuelle Charpentier im Jahr 2012, die 2020 dafür mit dem Nobelpreis gewürdigt wurden. Schnell und mit hoher Präzision lassen sich mit CRISPR/Cas Ergebnisse erzielen, die mit normalen Züchtungsmethoden viele Jahre benötigen. Jahre, die für die globale Lebensmittelversorgung ebenso relevant sein können wie für die Herausforderungen des Klimawandels. Der Genschere haftet jedoch die Zuordnung zur klassischen Gentechnik an, zumindest in Europa. Bedenken, Sorgen und Ängste sind freilich ernst zu nehmen – ohne die Debatte komplett zu negieren. Diffuses Unbehagen breitet sich häufig dort aus, wo es an Wissen mangelt. Mit die ser Ausgabe möchten wir daher dazu beitragen, ein Grundver ständnis für die moderne Gentechnik zu vermitteln. Der Biologe Jörg Wipplinger hat für uns das Einmaleins der Gentechnik zusammengefasst, und wir stellen auf Seite 8 ein Glossar bereit, das bei der Lektüre unterstützt. Was bei uns erlaubt und was verboten ist, hat sich der Veterinärmediziner Markus Eigner an gesehen. Das Spannungsfeld Bio und Gentechnik haben wir mit Urs Niggli, Obmann des Forschungsinstituts für Biologischen Landbau (FIBL) in Österreich, besprochen. Zudem haben wir weitere Kommentare aus Wissenschaft, Pflanzenzüchtung, Bio Landbau und Verbraucherschutz eingeholt, um verschiedene Standpunkte aufzuzeigen. Ein umfassender Diskurs hat freilich über die in dieser Ausgabe beleuchteten Aspekte hinauszugehen und auch ethische Fragen aufzugreifen sowie soziale Konsequenzen zu antizipieren. Relevant ist auch, die immer lauter werdende Frage bei neuen Errungenschaften zu klären – ob wir dürfen, was wir können. Beginnen wir, uns dem Thema zu nähern.

Herzlichst!

Inhalt

Fokus: Seite 04-05

Gen-ese der Skepsis

Die Forschung hat unsere Erkenntnisse und Handlungsmöglichkeiten in den vergangenen Jahrzehnten wesentlich erweitert – die Gentechnik ist ein Beispiel dafür. Doch gerade hier ist die Skepsis gegenüber wissenschaftlichen Fortschritten groß. Warum sitzt das Unbehagen so tief?

Fokus: Seite 06-08

Der Werkzeugkasten der Gentechnik

1856 begann der Mönch Gregor Mendel, verschiedene Erbsen zu kreuzen, um die Prinzipien der Vererbung zu erforschen. Von den daraus abgeleiteten Mendelschen Regeln bis zum heutigen Stand der Genetik vergingen über 160 Jahre. Darin liegen viele wissenschaftliche Errungenschaften, welche die Welt nachhaltig verändert haben.

Fokus: Seite 09-10

Gentechnisch veränderte Pflanzen im Check

Während in Österreich der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen verboten ist, steigt deren weltweiter Anbau kontinuierlich. Doch auch bei uns sind nicht alle Produkte komplett frei von Gentechnik. Ein Überblick, was erlaubt ist und wo die Grenzen liegen.

Fokus: Seite 11-12

Stimmen zur Gentechnik

Seit einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs im Jahr 2018 gelten für genom-editierte Pflanzen in der EU die gleichen Vorschriften wie für klassisch gentechnisch veränderte. Das wird in der Branche divers wahrgenommen. Um den unterschiedlichen Blickwinkeln Raum zu geben, haben wir Kommentare aus Wissenschaft, Pflanzenzüchtung, Bio-Landbau sowie Verbraucherschutz eingeholt.

Fokus: Seite 13-14

"Will unvoreingenommen diskutieren können"

Urs Niggli ist Obmann des FiBL Österreich und seit Jahrzehnten einer der weltweit führenden Bio-Forscher. Aufsehen erregte er 2016 mit der Ansicht, dass die generelle Ablehnung von Grüner Gentechnik nicht der richtige Weg ist. Trotz heftigen Gegenwindes ist er bei dieser Meinung geblieben. Wir haben mit ihm über seine Sicht der Dinge gesprochen.

Kurzmeldungen: Seite 15

Kurzmeldungen

100 Jahre Insulintherapie | Ernährungsempfehlungen für Diabetiker

Lebensmittel: Seite 16-17

Mikroalgen - klein und grün

Mehrere Millionen Tonnen Algen werden Jahr für Jahr geerntet – allerdings nicht nur für Sushi. Mikroalgen sind aufgrund ihrer Inhaltsstoffe vielseitig verwendbar und rücken durch die Nachhaltigkeitsdebatte vermehrt ins Rampenlicht.

Lebensmittel: Seite 18-19

Pistazien: Aminosäuren all in one

Ursprünglich aus dem Nahen Osten stammend, ist sie schon lange nicht mehr aus unseren Supermarktregalen wegzudenken – die Pistazie. Die Nuss taugt jedoch nicht nur als beliebter Partysnack. Ihr Aminosäureprofil macht sie zu einer spannenden pflanzlichen Eiweißquelle.

Lebensmittel: Seite 20-21

"FOODPRINTS" Nachhaltigkeit zum Nachdenken

Die aktuelle Sonderausstellung „FOODPRINTS“ im Technischen Museum Wien beleuchtet ausgewählte Schwerpunkte des vielschichten Themas Ernährung und regt zur Reflexion an. Über den bisherigen und erst recht über den möglichen zukünftigen Umgang mit unseren Lebensmitteln.

Serie: Wildkräuter - Teil 1: Seite 22-23

Spitzwegerich

Ob auf Wiesen, in Wäldern oder einfach am Wegesrand – überall um uns wächst Essbares. Ohne unser Zutun und meistens gänzlich unbeachtet. Dabei können Wildkräuter Geschmack und Ab- wechslung auf den Teller bringen sowie als pflanzliche Heilmittel unterstützen. Und das sogar kostenlos.

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