
Kulinarische Integration
Der Schwerpunkt dieser Ausgabe liegt auf dem Thema kulturelle Vielfalt in Verbindung mit Ernährung und Gesundheit. Details im Inhaltsverzeichnis.
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Editorial
Von Migration und ihren Herausforderungen ist in den Tagesmedien stets zu lesen. Unübersehbar ist Europa in einer Wendezeit und häufig ein Blick in die Vergangenheit aufschlussreich. Ein knapper Exkurs* also: Europa war über Jahrtausende Ziel von Einwanderungen und Invasionen gewesen, bevor ab 1500 im Laufe von fünf Jahrhunderten Millionen von Menschen aus Europa auswanderten, um ihre wirtschaftliche Lage und ihre Lebensumstände zu verbessern. So exportierte der „alte Kontinent“ von 1800 bis zum Ersten Weltkrieg 50 Millionen Menschen, womit sich die Emigration in jedem der drei vorangegangenen Jahrhunderte um mehr als das Zehnfache steigerte. Das demografische Wachstum war enorm in dieser Zeit, die Einwohnerzahl wuchs von 100 Millionen in 1500 auf 188 Millionen in 1800, auf 458 Millionen im Jahr 1913. Seither sank die Geburtenrate auf ein historisches Minimum, die eigenen Humanressourcen werden knapp, und erst seit dem letzten Drittel des 20. Jahrhunderts schlägt das migratorische Pendel wieder in die andere Richtung aus. Das Einwohnerwachstum generiert sich aus der Zuwanderung. Der Start des dritten Jahrtausends kennzeichnet also den Beginn eines neuen Zyklus, der knapp fünfhundert Jahre Export von Humankapital beendet und in dem sich Europa wieder in einen Importeur verwandelt. Wie Europa damit umgehen und Migration steuern wird, hängt von politischen Entscheidungen ab, und eine Lösung wird sich irgendwo zwischen „geschlossener“ und „offener“ Gesellschaft finden. Dass Migration je doch ein eher gewöhnlicher und weniger ungewöhnlicher Lebensumstand ist, verdeutlicht der italienische Demografie-Professor Massimo Livi Bacci mit einer eingängigen Zahl: Jeder Neunte in den reichen Industrieländern hat eine Migrationsgeschichte hinter sich. Was Wanderungsbewegungen für die Kulinarik rund um den Globus, für das Essverhalten der Migranten sowie für Produzenten und Gemeinschaftsverpflegung bedeuten, haben wir in dieser Ausgabe angerissen.
*Die Zahlen stützen sich auf die Daten in „Kurze Geschichte der Migration“ (vgl. Seite 6).
Herzlichst!
Inhalt
Kulturvielfalt auf unseren Tellern
Seit jeher wandern Menschen und mit ihnen Speisen und Lebensmittel. Nicht nur Migration per se, auch Globalisierung bringt Vielfalt auf unsere Teller. Dabei handelt es sich nicht zwingend um Exoten, denn viele Grundnahrungsmittel kamen mit den Globalisierungswellen nach Europa. Was wäre unsere heutige Küche ohne Kartoffeln oder Tomaten? Heute sind sie nicht mehr wegzudenken, dennoch galt lange Zeit: „Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht.“ Denn einige Lebensmittel aus der neuen Welt hatten einen schweren Start.
Gesundheitsverhalten anderswo
Migration ist kein neues Phänomen, denn Wanderungswellen gab es schon immer. Egal aus welchen Gründen Menschen ihr Heimatland verlassen, sie sind alle mit dem gleichen Umstand konfrontiert: Die soziale, kulturelle, aber auch die Ess-Identität werden neu definiert. Wie verändert sich das Essverhalten von Migranten und wie gesund leben sie im Gastland?
Halal: Ein Rundumblick
Das Wort „halal“ kommt aus dem Arabischen und lässt sich mit „erlaubt“ oder „rein“ übersetzen. Entsprechen Lebensmittel und Dienstleistungen den islamischen Vorschriften, werden sie unter diesem Begriff zusammengefasst. Erfüllen sie diese Vorgaben nicht, bezeichnet man sie als „haram“ und sind demnach verboten. Welche Bedeutung haben Halal-Produkte für den österreichischen Markt?
Esskultur des ständigen Kulturkontakts
Die Außer-Haus-Verpflegung nimmt zu und stellt Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser sowie Betriebskantinen vor große Herausforderungen. Denn die Vielfalt der sozialen, ethnischen und religiösen Hintergründe der kleinen und großen Gäste verlangt oft eine Umstellung, um alle zufrieden zu stellen. Die Begegnungszone Esstisch kann eine Bereicherung sein – oder auch Konfliktherd. Wir haben mit dem Konsum- und Ernährungssoziologen Daniel Kofahl gesprochen.
Mikrobiota-Transplantation gegen Darmentzündungen
Die Darmflora – die Mikrobiota – wird schon seit Jahrhunderten als Schlüsselfaktor bei der Entstehung verschiedener Erkrankungen gesehen. Vor allem bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) scheint die Mikrobiota eine wesentliche Rolle einzunehmen. Wie und ob die Mikrobiota eine Entzündung verursacht und ob man sie im Rahmen der Therapie verändern könnte, wird derzeit intensiv erforscht. ERRATUM: In diesem Artikel ist leider ein Fehler passiert. Wir bedauern. Sie finden die korrigierte Version hier: https://www.forum-ernaehrung.at/fileadmin/user_upload/eh_3_2017_mikrobiota_final.pdf
Umami – der unverstandene Geschmack
Umami wird oft vereinfacht als Geschmack von Eiweiß dargestellt. Das stimmt – aber nicht ganz. Denn von allen Aminosäuren haben nur zwei Umami-Geschmack: Glutaminsäure und Asparaginsäure, jeweils in Form ihrer Salze. Deutlich mehr Aminosäuren schmecken süß oder bitter. Glutamat ist in unserer Nahrung jedoch stark repräsentiert, etwa ein Drittel der gegessenen Aminosäuren sind Glutaminsäuren.
Heimische Waldpilze und Kulturpilze
Der zum Teil ausgeprägte Umami-Geschmack und die fleischige Textur machen Pilze so beliebt. Setzt man auf die Vielfalt des Waldes, ist man von Jahreszeiten und Witterung abhängig. Dagegen sind Kulturpilze populär, weil sie das ganze Jahr über und vielerorts anzubauen und jedenfalls nicht giftig sind. Ein Überblick über einige Vertreter aus Wald und Zucht.
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