
Maßstäbe beim Essen
Der Schwerpunkt liegt auf dem Thema Qualität von Lebensmitteln. Im Inhaltsverzeichnis gibt es nähere Informationen zu den Beiträgen.
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Editorial
Wir alle wollen hochqualitative Lebensmittel. Doch was macht Qualität tatsächlich aus und wie verschiebt sich unser Wertesystem im Laufe der Zeit und unter den aktuellen Bedingungen – wenn sowohl die Kosten als auch die Preise steigen?
Den unterschiedlichen Verständnissen von Qualität, den vielschichtigen Dimensionen sowie deren Zusammenwirken widmeten wir uns beim 10. f.eh Symposium im September des Jahres in Wien. Eine Reihe von Expertinnen und Experten diskutierte, wie wir Lebensmittel wahrnehmen und beurteilen, welche Maßstäbe angelegt und wie bestimmende Parameter objektiviert vermittelt werden können. Ihre Beiträge haben wir in dieser Ausgabe gesammelt. Eine umfassende Ernährungs- und Verbraucherbildung sowie eine familiäre Wissenstradierung sahen die Fachleute als wichtigste Maßnahmen, um Wissen, Kompetenzen sowie Haltungen zu transportieren und die Urteilskraft zu schärfen. Christine Brombach von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften betonte dazu etwa: „Wir sind auf die umgebende Kultur und Sozialsituationen angewiesen, über die Wertschätzung vermittelt wird. Das Kind lernt über familiäre Alltagsroutinen, mit Lebensmitteln entsprechend umzugehen, und sammelt Lernerfahrungen. Zudem werden gewisse Werte weitergegeben. Strategisch mehr Wertschätzung für Lebensmittel zu erzeugen, muss aber als öffentliche Bildungsaufgabe gesehen werden. Wir können nicht erwarten, dass dies nur im Haushalt tradiert wird.“
Dass es bereits in der schulischen Laufbahn eine umfassendere Ernährungs- und Verbraucherbildung braucht und wie komplex Qualität und Wertschätzung sein können, zeigen nicht zuletzt die Diskussionen um Fleischkonsum und Tierwohl. Qualitätskundiger zu werden, kann demnach ein lebenslanger Prozess sein. Urteilsbildende Instanzen wie Kritiker und Tester sowie Communities, in denen eine kritische und genussvolle Lebenskunst kultiviert wird, helfen dabei, sich informiert und entdeckerisch mit kulinarischen Themen auseinanderzusetzen. Dabei kann eine Kultur der Qualitätszentrierung nicht nur Freude bereiten, sie verringert auch das Risiko, mit der Angebotsfülle überfordert zu sein. Denn Ohnmachtsgefühle wer den vor allem dann geschmälert, wenn wir Komplexität nicht ausblenden, sondern Handlungsalternativen kennen.
Tauchen Sie im aktuellen Heft ein in Diskussionen rund um das neue Qualitätsverständnis, das ethische, ökologische und gesellschaftliche Aspekte sowie zunehmend erlebnisbezogene Wow Effekte einschließt.
Viel Vergnügen und einen guten Start ins neue Jahr!
Inhalt
"Die Ansprüche sind gestiegen"
Der Qualitätsdiskurs rund um Lebensmittel ist häufig von Emotionen, individuellen Erfahrungen und sehr unterschiedlichen Verständnissen geprägt, obwohl es objektive Kriterien für die Bewertung gibt. Wir haben mit Dirk Hohnsträter von der Universität Hildesheim darüber gesprochen.
Lebensmittelqualität vermitteln
Immer mehr Jugendliche wollen Genaueres über Lebensmittel wissen: Wie viel Bio steckt in Bioprodukten vom Discounter? Wie erkenne ich vegane Produkte? Die Fragen zeigen: Lebensmittelqualität ist vielfältig, objektiv nicht leicht überprüfbar und fokussiert oft nur einen Aspekt. Dabei ist Qualität viel umfassender und äußerst komplex.
Essmuster als Indikator
Aus ernährungsphysiologischer Perspektive steht bei der Qualitätseinschätzung der Lebensmittelauswahl und des Essverhaltens der Gesundheitswert im Zentrum. Dabei sind Essmuster aussagekräftiger als einzelne Lebensmittel oder Nährstoffe.
Wert und Wertschätzung - Interdependenzen im Ernährungssystem
Der Begriff Wertschätzung wird meist im Umgang mit Personen verwendet und verdeutlicht eine grundlegend respektvolle Haltung einem Mitmenschen gegenüber. Er ist demnach Ausdruck von Ehrfurcht, Haltung, Bedeutung, Geltung, Zugewandtheit oder auch Hochachtung. Was sind uns Lebensmittel wert?
Ehrliche Kommunikation für Tierwohl
Mehr Tierwohl wird oft gefordert, doch selten gekauft. Der Grund ist, wie so oft, der Preis. Doch wie kann es gelingen, dass sich moralische Haltungen und Werte nicht nur in Umfragen, sondern auch tatsächlich im Kaufverhalten niederschlagen? Ein Diskussionsbericht.
Lebensmittel Lebewesen
Ohne Schlachten gibt es kein Fleisch. Das ist eine unumstößliche Tatsache, die wir nur allzu gerne ausblenden. Das Projekt „Lebensmittel Lebewesen“ hat die Schlachtung bewusst in den Fokus gerückt und Familien dazugeholt. Projektbericht eines doppelten Tabubruchs.
Leitfaden: Wissenschaftliche Studien kommunizieren
Winterhart: Echter Dost und Hirtentäschel
Wer glaubt, dass Wildkräutersammeln nur etwas für warme Monate ist, der irrt. Die „andere Saison“ der Wildpflanzen ist die dunkle Jahreszeit. Geschmack und Optik verändern sich zwar ein wenig, nichtsdestotrotz können sie einen wertvollen Beitrag zu einer genussvollen Ernährung leisten.
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