
Das mikrobielle "Ich"
Im Zentrum des Heftes steht das Mikrobiom und wie Darmbakterien die Gesundheit beeinflussen. Für weitere Informationen einfach hinunterscrollen.
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Editorial
Die Diskussion rund um Extrasteuern auf einzelne Lebensmittel oder Getränke reißt nicht ab. Die Regierung in Großbritannien hat vor, eine Steuer auf zuckergesüßte Getränke einzuführen und will damit das Auftreten von Übergewicht und Adipositas eindämmen. Die Steuer soll 660 Millionen Euro einspielen und die wiederum sollen Grundschulsport zusätzlich finanzieren. Dass bei dem weitverbreiteten inaktiven Lebensstil, fehlenden Vorbildern und minimalem Schulsport mehr Geld für Bewegungsförderung in die Hand genommen werden muss, ist offensichtlich – in UK genauso wie am europäischen Festland. Das ist eine gesamtgesellschaftliche Angelegenheit. Die grundlegende Frage bei fiskalpolitischen Maßnahmen muss aber sein: Können Steuern Verhalten steuern? Sind sie ein effektives Mittel gegen Übergewicht? Im Gesundheitsministerium winkt man ab. Zum einen sind alkoholfreie Getränke wie Säfte und Limonaden ohnehin höher besteuert als Milch oder Lebensmittel – nämlich mit 20 % und nicht mit 10 %. Zum anderen ist die Preisspanne zwischen den einzelnen Produkten im Limonadensortiment relativ hoch, einen Liter gibt es um 20 Cent genauso wie um 5 Euro. Welcher Steuerungseffekt wäre also bei einer Preissteigerung zu erwarten? Konsumenten würden eher von teureren Produkten zu den günstigeren greifen, aber ihr grundsätzliches Trinkmuster nicht ändern. Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser setzt daher auf Initiativen, Aufklärung und Information. Der Beitrag von Limonaden zur Energieaufnahme hält sich übrigens im Durchschnitt ohnehin stark in Grenzen. Den Daten des Österreichischen Ernährungsberichts 2008 zufolge machen sie gerade einmal rund 2,5 % der Tagesenergie aus. Ein wirklich großer Hebel sieht anders aus.
Zu nachweisbar wirksamen Präventionsmaßnahmen zählt, bereits im Kindes- und Jugendalter einen aktiven Lebensstil zu etablieren. Kindern in der Schule, in der Familie, im Sportverein und generell in der Freizeit mehr Lust auf Bewegung zu machen, ist auch das Ziel von UGOTCHI. Das Gesundheitsprogramm animiert jährlich 50 000 Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren. Zusätzlich wird das Thema Essen und Trinken thematisiert, wofür heuer das forum.ernährung heute verantwortlich zeichnet. Schließlich geht es immer um die richtige Balance zwischen einem ausgewogenen Essmuster und ausreichend Aktivität. Lesen Sie mehr auf www.ugotchi.at.
In dieser Ausgabe spielen Essmuster ebenso eine Rolle: Sie prägen unser Mikrobiom. Sie fließen erstmals in die amerikanischen Empfehlungen ein. Und wir starten eine vierteilige Serie: Nose to Tail. Sie gibt Einblicke in die Kultur der Ganztierverwertung. Das Revival alter Selbstverständlichkeiten? Haben Sie Mut!
Herzlichst!
Inhalt
Die Welt der Darmbakterien
Der Mensch ist nicht er selbst. Genau genommen ist er weniger als ein Zehntel seiner selbst. Keine Angst, das wird keine philosophische Abhandlung über das Menschsein. Es geht vielmehr um unsere Mitbewohner: Darmbakterien. Der Mensch beherbergt in seinem Darmtrakt zehnmal mehr fremde Zellen, als er an eigenen Zellen besitzt. Dass dies gravierende Auswirkungen auf Stoffwechsel, Gesundheit und Krankheit hat, wird erst seit wenigen Jahren von der modernen Medizin (an-)erkannt.
Ein steuerndes Nervengeflecht
Seit einigen Jahren ist von der Darm-Hirn-Achse die Rede und davon, wie intensiv Kopf und Bauch miteinander kommunizieren. Über welche Wege und Boten verständigen sich die beiden? Welche Folgen haben Kommunikationsstörungen? Und welchen Einfluss hat die Nahrung? ernährung heute im Gespräch mit Peter Holzer, Neurogastroenterologe an der Medizinischen Universität Graz.
Gute und schlechte Futterverwerter
„Bei mir legt es sich mehr an“ oder „Ich bin halt ein guter Futterverwerter“ – wer hat das im eigenen Umkreis noch nicht gehört? Lange Zeit galt diese Annahme schlicht als charmante Ausrede für ein paar Kilos mehr auf der Waage. Doch nun zeigt sich tatsächlich, dass nicht jeder gleich viel Energie aus der Nahrung zieht – je nachdem, wie die Darmflora aufgestellt ist.
Einfluss von Polyphenolen auf den Darm
Polyphenole, eine bestimmte Gruppe sekundärer Pflanzenstoffe, werden in einer ersten Reaktion meist mit ihrer antioxidativen Wirkung auf den Organismus assoziiert. Erst seit wenigen Jahren tauchen vermehrt Publikationen auf, die sich mit dem Einfluss von Polyphenolen auf Darmbakterien und vice versa beschäftigen. Was Polyphenole betrifft, ist dies wohl eines der zukunftsträchtigsten Forschungsfelder.
Low-FODMAP-Diät: Die Lösung für den Darm?
Sie kommen in Nahrungsmitteln vor, haben eine spezifische Struktur und werden von manchen Menschen schlecht vertragen. Die Rede ist von bestimmten Kohlenhydraten, die in Verdacht stehen, Darmbeschwerden auszulösen: FODMAPs. Lässt man sie weg, verbessern sich die Symptome. So die Theorie. Was steckt dahinter und sind die Zusammenhänge wissenschaftlich belegt?
Weizen in der Kritik
Brot, Pasta, Couscous, Grieß. Wenn Weizen dick machen würde, wäre ich ein Ballon. Das bin ich nicht. Freilich ist n=1 nicht wissenschaftlich, aber das sind auch einige Behauptungen nicht, die in aktuellen Büchern über und gegen den Weizen geschrieben wurden. Auch in diesen werden neben Studienergebnissen zahlreiche Einzelschicksale (auch immer n=1) beschrieben. Dennoch: ein differenzierter Blick auf das Getreide lohnt sich.
Neue Empfehlungen für Amerika
Nach einer langen öffentlichen Debatte, Hearings im Kongress und knapp 30 000 Kommentaren von Medizinern, Ernährungswissenschaftern und anderen Health Professionals wurden Anfang des Jahres die neuen U.S. Dietary Guidelines (2015–2020) veröffentlicht. Was hat sich getan?
Das ganze Tier - Nose to Tail eating
Es gibt sie noch, die Menschen, denen Kutteln, Sulz und Blunz'n schmecken. Und es gibt sie wieder! Unter Nose to Tail firmiert das Bewusstsein, wieder alles zu essen, was an einem Tier dran ist. Wir schauen uns diesen Trend eine vierteilige Serie lang genauer an.
"Das ganze Projekt ein einziges Aha-Erlebnis"
Ochs im Glas ist ein Nose to Tail-Projekt, bei dem der Fotograf Ingo Pertramer, der Künstler Thomas Nowak und der Gastro-Kritiker Florian Holzer in zwei Wochen einen Ochsen schlachten, zerlegen und ihn von der Nase bis zum Schwanz in 700 Gläsern einkochen. Ingo Pertramer ist das Mastermind hinter Ochs im Glas: Es war seine Idee und Produzent ist er auch. Wir haben mit ihm gesprochen.
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