• Leber

    Diesmal steht die Leber im Fokus der ernährung heute. Details zu den Themen gibt es weiter unten im Inhaltsverzeichnis.

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Editorial

Die nicht-alkoholische Fettleber (NAFLD) ist mittlerweile die verbreitetste chronische Lebererkrankung in Europa und den USA, sie gilt als Zivilisationskrankheit. Neuere Forschungsergebnisse zeigen, dass NAFLD-Patienten häufig übergewichtig oder adipös sind und unter Diabetes Typ 2 und/oder Bluthochdruck leiden. 20 bis 30 % der europäischen Gesamtbevölkerung haben derzeit eine nicht-alkoholische Fettleber. Diese wird sich in den nächsten 10 bis 20 Jahren zur Hauptursache für Lebertransplantationen entwickeln. Dabei ist die Leber äußerst robust: Erst wenn mehr als 90 % der Leberzellen zerstört sind, kann nur noch eine Lebertransplantation helfen.

In der EU gibt es bisher noch keine Richtlinien oder Behandlungspriorität für dieses Krankheitsbild. Strategien bei Lebererkrankungen sind in Europa entweder nicht vorhanden oder werden nicht implementiert. Daher fand erst kürzlich ein Strategiegipfel im Europaparlament in Brüssel zu NAFLD und NASH (nicht-alkoholische Steatohepatitis) statt. Betont wurde dabei unter anderem, wie wichtig es sei, einfache, kostengünstige und nichtinvasive Tests zu etablieren und die Primärversorgung zu verbessern. Ein einfacher erster Selbsttest findet sich übrigens unter www.lebertest.de. Aber auch Aufklärung ist wichtig. Dazu soll diese Ausgabe beitragen und klären, welche Aufgaben das Organ im Oberbauch hat, welche Alarmzeichen zu berücksichtigen sind und ob eine Detox-Kur wirklich notwendig ist. Ebenso sind wir der Frage nachgegangen, wie Fruktose die Lebergesundheit beeinflusst. Gleich vorweg: Die Daten dazu sind noch nicht eindeutig.

Mit welchen Möglichkeiten und Grenzen die in der ernährungswissenschaftlichen Forschung üblicherweise erhobenen Datensätze generell verbunden sind, worauf bei der Interpretation zu achten ist und wie Forschende, Fachkräfte in der Praxis, Multiplikatoren und Medien mit diesen Limitierungen umgehen können, lesen Sie in einer kritischen Analyse von Prof. Jürgen König, Leiter des Departments für Ernährungswissenschaften in Wien, ab Seite 12.

Außerdem finden Sie einen kurzen Abriss zum unübersehbaren Trend der Fotografie von Essen: foodporn. Was macht das mit uns?

Ich wünsche Ihnen einen schönen und erholsamen Sommer!

Herzlichst!

Inhalt

Fokus: Seite 03-06

Leber: Stilles Organ?

Die Leber ist unser zentrales Stoffwechselorgan. Von der Energiegewinnung bis zur Entgiftung erfüllt sie zahlreiche Aufgaben. Doch sie ist gefährdet. Lebererkrankungen sind stark im Steigen begriffen. In westlichen Industrieländern weist bereits jeder Vierte erhöhte Leberwerte auf. Jeder Dritte über 40 ist mittlerweile von einer nicht-alkoholischen Fettleber betroffen. Tendenz steigend. Ursache ist vor allem ein ungesunder Lebensstil: energiereiches Essen, zu viel Alkohol, zu wenig Bewegung.

Fokus: Seite 07-09

Detox – Drang zur inneren Reinigung

Der Detox-Trend ist vor einigen Jahren auch hierzulande angekommen und findet immer mehr Anhänger. Sie versuchen, mit unterschiedlichen Maßnahmen ihre Körper zu entgiften, zu entschlacken, von innen zu reinigen. Doch wie seriös sind Detox-Kuren? Verkommt der Mensch tatsächlich zur „Müllhalde“? Und muss man den Körper in regelmäßigen Abständen „entgiften“? Wir blicken hinter die Kulissen und in die wissenschaftliche Literatur.

Fokus: Seite 10-11

Fakten zu Fruktose, Kaffee und Leber

Fokus: Seite 12-17

Wie viel Wissenschaft braucht Ernährung?

Die Entwicklung von Strategien, wie man dem nächsten Löwen entkommt, war evolutionsbiologisch sehr wichtig. Wenn es aber darum geht, in den wissenschaftlichen Datensätzen der heutigen Zeit Strukturen zu erkennen, ist genau dieser Ansatz nicht hilfreich: Denn unser Talent, rasche Schlussfolgerungen zu ziehen, verleitet uns allzu schnell dazu, Muster in eigentlich zufälligen Daten zu erkennen und alternative Erklärungen für ein bestimmtes Ergebnis zu ignorieren oder zunächst vernünftig erscheinende Ergebnisse ohne weiteres Hinterfragen zu akzeptieren. Ich wage hier die Behauptung, dass dies – neben der psychologischen Forschung – auch für die Ernährungswissenschaft häufig zutrifft. Eine Analyse über Möglichkeiten und Grenzen.

Lifestyle: Seite 18-21

#foodporn – wenn Essen Modell steht

Üppige Burger mit knackigen Pommes, zuckersüße Pancakes überzogen mit klebrigem Karamell, nährstoffreiche Overnight Oats verziert mit marineblauen Heidelbeeren und gelborangefarbige Blütenpollen – all das ist #foodporn. Fotos von Essen sind beliebter denn je. Aber was machen sie eigentlich mit uns?

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