
Trendgeleitet essen?
Wie sich unser Verhältnis zum Essen verändert und welche Rolle Ernährungstrends dabei spielen, wird in dieser Ausgabe beleuchtet. Mehr dazu weiter unten.
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Editorial
Trends sind im Trend und werden es wohl auch noch länger sein. Was bei Kleidung für viele längst selbstverständlich ist – dass die Art und Weise des persönlichen Stils auch Ausdruck der eigenen Identität sein kann –, festigt sich nun auch beim Essen. Was macht Ess-Moden so attraktiv? Essen verbindet und bietet sich gleichzeitig exzellent zur Distinktion an. Wertehaltungen und persönliche Selbstverortung zeigen sich im Essverhalten. Ernährung ist der Spiegel des individuellen Lebensstils. Während früher die gleichen Werte und der gleiche Ess-Stil ein Leben lang verfolgt wurden, sind sie heute einem Wandel unterworfen. So wechseln zum Beispiel acht von zehn Vegetariern irgendwann wieder zur Mischkost.
Sind die neuen Esstrends nun nur kurzfristige Moden oder entstehen neue Klassiker? Ergebnisse der Nestlé Zukunftsstudieaus 2015 lassen vermuten, dass die Kombination von Ressourcenschonung und Gesundheit ein Szenario ist, das für 2030 als am wahr scheinlichsten gesehen wird. Konkret geht es um ethische Aspekte, die in den Vordergrund rücken, um Verantwortung für andere und die Umwelt. Biologische und regionale Produkte sind in diesem Szenario ebenso eine Selbstverständlichkeit wie das Einsparen von Müll und Ressourcen. Dazu passt unsere Serie „Nose to Tail“, die sich der vollständigen Verwertung von Schlachttieren widmet. Welchen Moden das Essen von Innereien und Co unterworfen war und ist, lesen Sie auf den Seiten 22–23.
Ein wertschätzender und bewusster Einkauf von und Umgang mit Lebensmitteln kann auch gesundheitliche Konsequenzen haben. Wer nicht mehr kauft, als er braucht und nicht die Rolle der Mülltonne für die Reste des Großeinkaufs oder der anderen Familienmitglieder übernimmt, tut etwas für sein Selbstverständnis und reduziert die Wahrscheinlichkeit, an Körpergewicht zuzulegen.
Nicht nur Esstrends, sondern auch ernährungspolitische Trends hängen vom Weltbild ab. Um des steigenden Übergewichts Herr zu werden, hat die niederländische EU-Ratspräsidenschaft Anfang des Jahres eine Roadmap for Action on Food Product Improvement verabschiedet. Hintergründe und Einschätzungen zur Effektivität von Rezepturänderungen finden Sie auf den Seiten 10–13.
Zum Schluss noch Aktuelles zur Jahreszeit: Im Herbst steigt bei vielen witterungsbedingt und mangels Sonnenlicht der Gusto auf Süßes. Wir haben beleuchtet, was es mit dem Craving nach Schokolade auf sich hat und stellen eine Meta-Analyse zum Zusammenhang von Süßigkeiten und Übergewicht vor. Gleich vorweg: Häufig ist von Vorteil aber in kleinen Mengen. Ob Sie aufhören können oder zu Craving neigen, sagt Ihnen der Test auf Seite 17.
Einen stimmungsvollen Herbst!
Inhalt
So will ich sein!
Warum gibt es gegenwärtig so viele Ernährungstrends? Warum fühlen sich so viele Menschen zu Esstrends hingezogen und warum ist Essen überhaupt zum Gegenstand von gesellschaftlichen Trend-Erscheinungen geworden? Antworten auf diese Fragen liefert der Blick durch die Theoriebrillen von Identität und Individualität.
Zwischen Trend und Politik
Wie Modekollektionen werden Ernährungstrends mittlerweile am laufenden Band präsentiert, sorgen mitunter für Verwirrung oder schaffen Bewusstsein. Die meisten verkaufen sich unter dem Deckmantel der Gesundheit. Die ist gesellschaftlicher Imperativ und politische Prämisse. Die breite Masse erreichen die Trends dennoch nicht. Wo steht dagegen der Geschmack in der Diskussion um gesundes Essen?
Rezepturen im Wandel
Übergewicht, Adipositas und andere ernährungsbedingte Krankheiten sind der Grund, weshalb an Lebensmittelproduzenten immer wieder die Forderung gestellt wird, das Nahrungsmittelangebot gesünder zu gestalten und Produkte zu reformulieren. Betroffen sind vor allem der Salz-, Zucker-, Fett- und Energiegehalt.
Heißhunger auf Schokolade?
Fast jeder kennt sie: die starke Lust, etwas ganz Bestimmtes zu essen. Seien es Schokolade, Kekse, Reis oder Salami. Dafür muss man nicht einmal hungrig sein. Doch wie ist dieses Verlangen vom Hunger abzugrenzen? Unterscheidet sich die lukullische Begierde je nach Alter, Geschlecht oder Kultur? Und was passiert, wenn man gerade auf Diät ist?
Dick durch Süßwaren?
Noch heute denken viele: Hände weg von Süßigkeiten, denn sie enthalten viel Zucker und der macht dick. Dass dem nicht so ist, zeigt eine aktuelle Meta-Analyse zu diesem Thema. Die Ergebnisse weisen sogar einen inversen Zusammenhang auf: je häufiger, desto schlanker. Sind das nun gute Nachrichten für Naschkatzen?
Alles Feige!
Die Echte Feige, Ficus carica, ist die Sinnlichste ihrer Art und steht für Sünde und Fruchtbarkeit. Was verbirgt sich hinter dieser paradiesischen Frucht? Woher stammt die Feige ursprünglich? Wie schmeckt sie? Und können Feigenbäume auch in unseren Breiten Früchte tragen? Wir haben recherchiert und den ersten Bio-Feigenhof in Wien besucht.
Ganzkörperverwertung: Warum nicht?
Ekel, Entfremdung, Wirtschaftsaufschwung und Gesundheitsgefahren. Über die Gründe, weshalb viele keine Innereien (mehr) essen. Und warum manche wieder damit anfangen.
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