• Gesprächsbasis Evidenz oder Emotion?

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Editorial

Wissenschaftliche Erkenntnisse umfassend, korrekt und doch verdaulich aufzubereiten und zu vermitteln, wird in Zeiten von Informationsüberfluss und Vertrauenskrisen immer entscheidender. Das trifft auch auf Lebensmittel und Ernährung zu und gilt für gesundheitliche Themen ebenso wie für die Diskussion rund um ökologische und klimagerechte Essentscheidungen. Viel zu selten beruhen die Botschaften auf starker Evidenz. Dagegen leiten häufig Intentionen, Beispielsfälle und Zweckmäßigkeiten die Kommunikation über komplexe Themen. Ob Klima, Food Systeme oder Gesundheitsverhalten – es handelt sich um diffizile Systeme. Und bei allen stellt sich die Frage: Welche Handlungsoptionen haben Individuen und wie ist ein gesellschaftlicher Wandel zu erreichen? Dabei kann es zu natürlichen Spannungen kommen: Während die einen sensibilisieren und aufklären wollen, wollen die anderen verdrängen und verleugnen. Geht es den Sendern um Verhaltensänderung, möchten die Empfänger oft beim Gewohnten bleiben. Paternalistischen Konzepten steht das Streben nach Autonomie und Selbstbestimmung gegenüber. Dazu kommt: Einerseits gibt es das Bedürfnis nach Wissen, andererseits die Angst vor Wissen. Im Zweifel entscheiden sich viele eher für die tröstliche Lüge als die unangenehme Wahrheit. Dabei würden ein kritisches Hinterfragen der Datenlagen und faktenbasierte Debatten wohltun. Bei komplexen Sachverhalten ist eine umfassende Evidenz allerdings Wunschdenken, ein kontinuierlicher Prozess. Wir müssen also mit gewissen Ungewissheiten leben lernen, sie aber versuchen zu erkennen, zu verstehen und zu vermitteln. Prof. Jürgen König vom Department für Ernährungswissenschaften in Wien hat daher zusammengefasst, wie Ernährungsstudien zu interpretieren sind und welche Schlüsse sich für die Praxis ziehen lassen.

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Inhalt

Fokus: Seite 04-08

Ernährungsstudien verstehen

Nahezu täglich werden wir medial mit einer Ernährungsstudie versorgt, die mehr oder weniger neue und spektakuläre Ergebnisse punkto gesundheitlicher Wirkungen unserer Ernährung präsentiert. Doch wie lassen sich die Resultate dieser Studien wertfrei interpretieren? Welche Schlussfolgerungen können wir Fachleute ziehen, die wir uns der evidenzbasierten Wissenschaft unterwerfen? Und ist wirklich alles so aufregend, wie es in den Medien dargestellt wird? Ein kleiner Leitfaden soll im Folgenden ein wenig Struktur in die Bewertung von Beobachtungsstudien bringen.

Fokus: Seite 09-10

Evidenzbasierte Kommunikation

Die Ernährungswissenschaften inklusive Ernährungssoziologie und -psychologie sind eine junge Wissenschaft. Deswegen drehen und wenden sich auch immer wieder manche Erkenntnisse. Der Diskurs ist spannend, oft wäre er aber besser in Fachkreisen aufgehoben und ist nicht sofort für Populärmedien geeignet. Was ist für informierte Entscheidungen relevant?

Fokus: Seite 12-13

Ein Navi für bessere Ernährung?

Wie schaut gesunde Ernährung aus? Eine Frage, die im heutigen Dschungel an Informationen und Trends für viele Konsumenten oft schwierig zu beantworten ist. Der Wunsch nach einer Kompassnadel, die eine eindeutige Richtung zur optimalen Ernährungsweise anzeigt, ist groß.

Lebensmittel: Seite 14-17

Olivenernte: Vom Baum zum Öl

Olivenöl zählt zu den beliebtesten Speiseölen der Europäer. Doch die wenigsten wissen, wie aufwendig der Weg von der Olive zum Öl ist, dass damit in kleinen Betrieben immer noch viel Handarbeit verbunden ist und welche ökologischen Folgen Großplantagen haben. Im November 2016 waren die beiden Autorinnen auf Samos bei der Olivenernte und Ölpressung dabei. Eine Reportage.

Lebensmittel: Seite 18-21

Zuckeralternativen: Süßer Ersatz mit Mehrwert?

Zucker genießt bei vielen keinen guten Ruf. Ernährungsbewusste Verbraucher, aber auch Gastronomen und Produzenten geben Honig, Dicksäften und Sirupen daher häufig den Vorzug. Welche Vor- und Nachteile haben die süßen Alternativen?

Serie: Geschmack! Teil 3: Seite 22-23

Süß.

Im Herbst, wenn Kürbis, Birnen, Zwetschken und Trauben reif sind und Maronibrater auf den Einkaufsstraßen stehen, ist eine Geschmacksart vordergründig: süß. Auch Melanzani, die hierzulande bis Oktober geerntet werden, haben eine dezente Süße, die man mit Honig oder Schokolade kombinieren und verstärken kann. Wie aber funktioniert der süße Geschmack? Und welche aktuellen Erkenntnisse bietet die Wissenschaft diesbezüglich?

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