
Individuelles Verhalten - kollektive Verantwortung
Dieses Heft widmet sich der Frage wie individuelles Verhalten und kollektive Verantwortung zusammenspielen. Details weiter unten.
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Editorial
„Freiheit bedeutet Verantwortlichkeit. Das ist der Grund, weshalb die meisten Menschen sich vor ihr fürchten“, sagte George Bernard Shaw, irischer Dramatiker und Politiker (1856–1950). Das scheint auch heute noch der Fall zu sein, wenn sich Menschen staatliche Bevormundung in ihrem Lebensstil wünschen und damit einen „Nanny State“. Denn während die Verantwortung für die Lebensmittelsicherheit sehr klar bei den Produzenten und die Kontrolle beim Staat liegt, weisen ernährungspolitische Diskussionen immer wieder auf Verhältnis- versus Verhaltensprävention hin. Nämlich dann, wenn die Frage nach der Verantwortung für langfristige Essgewohnheiten von recht normalen Lebensmitteln im Raum steht. Diese Frage ist weder neu noch ist sie bereits endgültig gelöst. Im Zuge der Adipositas-Epidemie taucht sie sogar verstärkt wieder auf. In einem Paper des Gesundheitskongresses in Eastbourne im Jahr 1979 wurden die Dilemmata von Verantwortung thematisiert.
Die Veröffentlichung beginnt mit Prinzipien, die heute ebenso zu verfolgen sind: Sämtliche Aktivitäten im Leben, vor allem die interessanten, sind mit Risiko verbunden. Jedes Risiko ist abhängig von der Exposition, und jeder Mensch kann durch die Wahl seines Lebensstils die positiven, freudvollen Erlebnisse beim Essen gegen akute oder langfristige Schäden abwägen. Wesentlich für politische Maßnahmen ist die Bestimmung der Risikokurve: Handelt es sich um eine steile Gerade oder eine hyperbole Kurve? Ist mit etwas höherem Verzehr der Großteil der Menschen einem gesteigerten Risiko ausgesetzt oder können 90 % der Bevölkerung zulangen, ohne etwas befürchten zu müssen? Dann haben nur die Heavy User ein erhöhtes Risiko zu erwarten. Das macht einen wesentlichen Unterschied in der Steuerung von Verhalten und endet schließlich im ethischen Diskurs, wie viele Menschen "unnötigerweise" ihr Verhalten ändern sollten. Für gute Entscheidungen ist eine valide Datenlage unabdingbar. Beim Essverhalten wird es damit oft schwierig, weil Beobachtungsstudien nur Zusammenhänge, jedoch keine Kausalitäten ausweisen. Weiß man also genug, um politische Aktionen zu rechtfertigen? Sind die Daten wissenschaftlich erwiesen? Oder kann es sein, dass man später erkennt, dass nur einzelne Bevölkerungsgruppen betroffen sind oder weitere Forschungsergebnisse Kausalität eher schwächen als stärken? Welche Risiken werden akzeptiert, weil sie vernachlässigbar, unvermeidbar oder gern bei vollem Bewusstsein in Kauf genommen werden? Bereits vor 37 Jahren kam man zu dem Schluss, dass Fragen der Verantwortung in einem konsensualen Prozess zwischen Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Konsumenten zu lösen sind.
Das forum.ernährung heute hat diesen Ansatz wieder aufgegriffen und dieses Jahr eine Konsensus-Umfrage und eine Dialogveranstaltung zum Thema Verantwortung durchgeführt. Lesen Sie dazu auf den ersten Seiten in diesem Heft.
Einen guten Start ins neue Jahr!
Inhalt
Was heißt Verantwortung aus juristischer Sicht?
Redemanuskript vom 15.9.2016 beim f.eh-Dialog in Wien
Verantwortung haben immer die anderen?
Wie kann die Förderung eines gesunden Lebensstils und Körpergewichts als gesamtgesellschaftliche Aufgabe sinnvoll aufgeteilt werden? Lässt sich eine Balance zwischen Eigenverantwortung und Solidarverantwortung finden? Wer in der Gesellschaft soll und kann effektiv Verantwortung übernehmen und welche Rahmenbedingungen braucht es dafür? Die Ergebnisse einer aktuellen f.eh-Umfrage geben Aufschluss.
Wenn ich nur aufhör´n könnt´!
Gesünder und ausgewogener zu essen, steht bei vielen Menschen auf der Liste der guten Vorsätze – generell und zu Neujahr ganz besonders. Doch viele scheitern. Am Wissen mangelt es meistens nicht, vielmehr sind das Umfeld und die Routinen ausschlaggebend. Sich selbst zu regulieren, ist möglich. Aber wie?
Verführerische Verpackung
Verpackungen sind weit mehr als ein Schutzmantel für die Ware. Sie werden gezielt genutzt, um in wenigen Sekunden die Aufmerksamkeit des Konsumenten auf sich zu ziehen und bestimmte Stimmungen, Erlebnisse oder Wertvorstellungen, die mit dem Produkt verknüpft werden sollen, zu transportieren.
Schuld ist der Kellner
Ein gemütliches Lokal, nette Hintergrundmusik, gedämpftes Licht. Ohne es zu wissen, lassen wir uns davon beeinflussen. Wie das funktioniert? Es ist ganz einfach: Das soziale Umfeld und auch das Umfeld eines Lokals wirken auf unsere Essverhalten. Wir nehmen äußerliche Reize ganz unbewusst wahr und lassen uns davon leiten. Ein Forscherteam hat nun herausgefunden, dass auch das Gewicht des Kellners unsere Ess-Entscheidungen beeinflusst.
Dick aufgrund der Gene
„Wenn es nicht die schweren Knochen sind, dann sind es bestimmt die Gene. Und eigentlich esse ich kaum etwas, denn ich brauche das Essen nur anzuschauen und schon schlägt es sich auf die Hüften.“ Sind das nur Ausreden oder steckt ein Funke Wahrheit drin? Eines ist klar: Die Knochen sind es nicht. Aber wie sieht es mit den Genen aus? Ein Forscherteam hat ein bestimmtes Gen genauer unter die Lupe genommen und überraschende Erkenntnisse gewonnen.
Da haben wir den Salat
Weihnachten ist eine Zeit, in der oft exotische Früchte und Gemüse auf den Tisch kommen. Dabei müsste das gar nicht der Fall sein, denn die Vielfalt an heimischen Wintersalaten ist groß. – Sie sind noch etwas Besonderes und eine Erweiterung des kulinarischen Spektrums im Winter.
Waldflucht – der Einzug der Pilze in die Stadt
Sie sind weder Tier noch Pflanze, stehen für schnelle Reproduktion und rasante Vergänglichkeit: Pilze. Seit geraumer Zeit haben sie die Stadtlandwirtschaft erobert. Was hat es mit neuen Anbauflächen in Kellern auf sich? Wie unterscheiden sich wilde von kultivierten Sorten? Dazu haben wir recherchiert und mit Manuel Bornbaum von Hut & Stiel geplaudert.
Innrereien und Gesundheit – Licht ins Dunkel!
Als Schadstoffbomben sind sie verschrien, Nährstoffe liefern sie en masse. Der Versuch einer differenzierten ernährungswissenschaftlichen Beurteilung von Innereien.
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