
Einspruch: Widersprüche!
Schwerpunktmäßig widmet sich dieses Heft den Themen Mythen, Widersprüche und Skandalisierung beim Essen. Details weiter unten.
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Editorial
Der Vorstand der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), Klaus Müller, fordert für alle Schultypen in Deutschland eine in mehreren Fächern integrierte praxisorientierte Verbraucherbildung. Und zwar prüfungsrelevant, damit sie nicht zur "Wohlfühlveranstaltung" mutiert. Er möchte dafür Politik, Verbraucherorganisationen und die Wirtschaft an einen Tisch holen, um tatsächlich Schritte vorwärts zu gehen. Egal wo man hin- und wem man zuhört: An einer strukturierten Konsumschulung scheint à la longue kein Weg vorbeizugehen. Das ergaben auch die Diskussionen beim 6. f.eh-Symposium am 24. September 2015 zum Thema "Über Mythen, Widersprüche und Skandalisierung beim Essen", dem sich dieses Heft schwerpunktmäßig widmet. Die Veranstaltung mit rund 150 Teilnehmern drehte sich also um die Qualität von Ernährungskommunikation und deren Folgen. Gesundheitsministerin Dr. Sabine Oberhauser wies in ihrer Begrüßungsrede auf die Verantwortung aller Akteure hin: "Mit Diätwundern oder Heilungsversprechen lassen sich Schlagzeilen machen. Es braucht deshalb eine Allianz der Vernunft all jener, die Empfehlungen rund ums Essen machen - Politik, Gesundheitsexperten, Wissenschaft und Medien." Und Dr. Peter Reinecke, Präsident des f.eh., erklärte: "Beim Essen schwingen immer zwei tiefsitzendende Urängste mit: Die Angst vor dem Verhungern und die Angst vor dem Vergiftet-Werden. Während Ersteres in unseren Breiten kein bestimmendes Thema ist, dominiert die Angst, etwas Falsches oder Ungesundes zu essen, hierzulande die öffentliche Diskussion." Gleichzeitig gab es noch nie ein derart vielfältiges Angebot an sicheren und hochwertigen Lebensmitteln. Gründe für dieses Paradoxon sind nicht zuletzt ein extrem gesteigertes Gesundheitsbewusstsein und der Drang nach gesunder Ernährung, während gleichzeitig das Alltagswissen über Nahrungsmittel und deren Herstellung abnimmt. Lesen Sie in dieser Ausgabe ausführliche Beiträge von einzelnen Referenten und auf der Webseite eine prägnante Nachlese zum Event. Wie der Aufbau einer breitgefächerten Lebensstilkompetenz zur Prävention von Adipositas funktionieren kann, zeigt zudem die Vorstellung des Projektes SALTO (Seite 17).
Viel Freude beim Lesen!
Inhalt
Realitäts-Check – Widersprüche in der Ernährungskommunikation
Ein Abriss einiger Aspekte unseres Essens soll aufzeigen, warum wir wie essen und wie wir dies bewerten. Dabei geht es nicht um Befunde aus empirischen Studien, sondern viel eher um Denkanstöße, damit wir unser Essverhalten reflektieren können.
Ernährungsstudien: Kritik zwischen den Zeilen
Bei einer faktenorientierten, sachlichen Ernährungskommunikation geht es letztlich um zwei wesentliche Stufen: erstens um den Inhalt, die Fakten, deren Analyse und das Verstehen der selbigen. Und zweitens um den Transfer der Forschungsergebnisse in das Alltagswissen. Basis für das Formulieren von Empfehlungen muss immer eine valide Forschung und das richtige Einordnen der Ergebnisse sein. Gerade Letzteres erweist sich jedoch in der Praxis als Stolperstein.
Futter für die Medien?
Paleo-Diät, Veganismus und Detox. Abnehmen, Fasten und Körperideale, Cholesterin, Diabetes und Darmgesundheit – Mit diesen und vielen anderen Schlagworten findet man zahlreiche Beiträge in österreichischen Tageszeitungen. Welche Rolle spielen Fragen rund um Ernährung für Tageszeitungen? Und welche Rolle spielen die Tageszeitungen für jene Akteure, die ihre Botschaften zu diesem Thema in den Medien platzieren möchten?
Besonderheiten von Lebensmittelskandalen
Lebensmittelskandale sind Teil der aktuellen Berichterstattung: 2010 las man über Tote durch Bakterien in Rohmilchkäse aus Österreich; 2011 schockierten Meldungen über den Tod durch EHEC die deutsche Bevölkerung; 2012 verursachten Enthüllungen über Hygienemängel bei der bayrischen Großbäckerei Müller-Brot Ekel; 2013 riefen Berichte über Pferdefleisch in Tiefkühl-Buletten Empörung hervor; und 2014 ging es um Hexachlorbenzol in österreichischem Rindfleisch. Waren diese Skandale nur mediengemacht? Offensichtlich nicht in dem Sinne, dass es keine realen Missstände gab. Die gab es. In einigen Fällen waren die Belastungen der Lebensmittel so gravierend, dass Menschen starben. Waren die Skandale demnach alle hausgemacht? Offensichtlich auch nicht, denn einige der Missstände hatten keine Auswirkungen auf die Gesundheit der Verbraucher, etwa die Beimischung von Pferdefleisch in Buletten. Diese Ungereimtheiten werfen drei Fragen auf: Was ist sinnvollerweise unter einem Skandal zu verstehen? Wie verhalten sich Skandale zu Missständen? Welche Rolle spielen die Medien?
Mythen der Esskultur
Essen am Abend macht dick, Kaffee entwässert, Eier erhöhen den Cholesterinspiegel, Bio-Lebensmittel sind gesünder: Ernährungsmythen gibt es wie Sand am Meer. Was macht einen Mythos zum Mythos? Wer glaubt daran? Und sind Mythen verhaltensrelevant?
Furchtappelle: Stilmittel mit Potenzial?
Rauchen kann tödlich sein. Passives Sitzen ist das neue Rauchen. An drastischen Warnungen vor möglichen Gefahren durch falsche Ernährung mangelt es ebenso wenig. Sind solche Furchtappelle tatsächlich überzeugend und welche Effekte rufen sie hervor?
SALTO – gemeinsam viel bewegen
SALTO steht für Salzburg together against obesity, das als regionales Projekt die Prävention von Übergewicht bei 3- bis 6-jährigen Kindern in den Vordergrund rückt. Dabei werden Erziehungspersonal, Eltern und Kinder im Kindergarten mit Maßnahmen auf kognitiver, motivationaler und emotionaler Ebene angesprochen. Für eine langfristige Verhaltensänderung werden alle Maßnahmen in den infrastrukturellen und sozialpolitischen Rahmen der Gemeinde eingebettet.
Fokus Österreich: Was tut sich bei uns?
Von Vorarlberg bis ins Burgenland, ob in den Hauptstädten oder in den Marktgemeinden: Österreich ist im Urban-Gardening-Fieber. Gemeinschaftsgärten, Baumpatenschaften und Jungpflanzenmärkte liegen im Trend. Ein Einblick in die Vielfalt der Projekte.
Funktionales Grün und erheiterndes Gelb
Wir wissen alle: Farbe spielt beim Essen eine Rolle. Das war früher schon so und zeigte sich bereits bei den Ägyptern, Griechen und Römern. Sie setzten Farben gezielt ein, um Speisen attraktiver zu machen. Was lässt sich daraus für die heutige Praxis ableiten?
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