
Vom Tier zum Fleisch
Die Entwicklung des Fleischkonsums steht im Fokus dieser Ausgabe. Details zu den Themen gibt es weiter unten.
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Editorial
Unsere Esskultur gründet teilweise auf jahrhundertealten Traditionen, auf einem langfristigen Prozess der gesellschaftlichen Bewertung und symbolischen Aufladung von einzelnen Lebensmitteln. Unser Essverhalten ist daher grosso modo sehr stabil. Man spricht auch vom „Geschmackskonservatismus“. Gerade beim Fleisch zeigt sich, wie sehr wir auf bestimmten Speisen beharren. Die Diskussion rund um die Currywurst in der VW-Kantine in Wolfsburg ist nur ein Beispiel in der hitzigen Debatte und offenbarte, dass die Frage rund ums Fleisch auch eine der Generationen ist. Denn junge Erwachsene sind weit eher motiviert, ihren Konsum zu reduzieren und sehen sich als Treiber des Transformationsprozesses hin zu einer nachhaltigeren, deutlich pflanzenbetonteren Ernährung, so der „Jugendreport zur Zukunft nachhaltiger Ernährung“, den Wissenschaftler der Georg-August-Universität Göttingen gemeinsam mit der Agentur Zühlsdorf+Partner veröffentlicht haben. Die 15- bis 29-Jährigen wünschen sich demnach mehr Information über klimafreundliche Ernährung, wenn es etwa um die Klimabelastung einzelner Lebensmittel geht, und wollen ihre Konsumentscheidungen auf mehr Transparenz gründen statt auf Werbeverbote, Extra-Steuern auf Fleisch oder verpflichtende Veggie-Days. 40 % hinterfragen ihren Fleischkonsum und 24 % bezeichnen sich als Flexitarier. Dabei geben zwei Drittel der Flexitarier und ein Drittel der Omnivoren an, künftig weniger Fleisch essen zu wollen. Ihre Motive dafür sind neben der Angst vor dem Klimawandel, der Umweltschutz, die heutige Tierhaltung sowie eine kritische Einstellung gegenüber der Fleischwirtschaft. Über das globale Fleisch-System und dessen Entwicklung haben wir mit dem Historiker Ernst Langthaler gesprochen (Seite 10–11). Den Auftakt im Heft aber macht der umfassende Artikel von Theres Rathmanner über Tierwohl, Ethik und Gerechtigkeit und die große Frage, wie wir einen verantwortungsvollen Konsum etablieren können, ohne dass am Ende schlechtes Gewissen steht (Seite 4–8). Und ein Überblick zum Thema „Fleisch ohne Fleisch“, also die aktuellen Möglichkeiten für Ersatzprodukte, ist im Interview mit Henry Jäger zu lesen (Seite 14–15). Wer sein Wissen über Fleisch testen mag, kann dies in unserem Online-Fleisch-Quiz tun: www.forum-ernaehrung.at/quiz/fleisch
Herzlichst!
Inhalt
Tierwohl oder die Erfindung der Tierliebe
Tierwohl ist ein Dauerthema der nachhaltigen Ernährung, sehr komplex und heiß diskutiert. Und das ist gut so, denn Wohlstand und Überfluss bringen auch Verantwortung mit sich. „Wie hast du’s mit dem Fleischkonsum?“, ist zur Gretchenfrage unserer Ernährung geworden.
Fleisch: Daten und Fakten
Historie: Fleisch-Komplex
Der Verzehr von Fleisch ist in sämtlichen Kulturkreisen ein Symbol für Macht und war früher nur besonders Wohlhabenden vorbehalten. Heutzutage verhält es sich damit etwas anders. Wir haben mit dem Historiker Ernst Langthaler über die Entwicklung des Systems Fleisch gesprochen.
Wie gesund ist Fleisch?
Fleisch und Fleischwaren werden auch außerhalb der Tierwohl und Klimadebatte immer wieder heftig diskutiert. Denn während sie einerseits als wichtige Nährstofflieferanten gelten, werden sie andererseits mit einem verstärkten Auftreten von Zivilisationserkrankungen in Verbindung gebracht. Ein Update.
Hohes Marktpotenzial
Ob Produkte auf Pflanzenbasis, Cultured Meat oder Blends – Fleischersatz entwickelt sich zum Trend-Food. ernährung heute hat mit dem Lebensmitteltechnologen Henry Jäger über die aktuellen Entwicklungen gesprochen.
Game-Changer personalisierte Ernährung?
Menschen reagieren sehr unterschiedlich auf Lebensmittel: Während die einen nach Lust und Laune essen können, ohne zuzunehmen, gibt es bei anderen schnell ein Plus auf der Waage. Bei der personalisierten Ernährung werden individuelle Produkte und Ernährungskonzepte erstellt, die an die persönlichen Gesundheitsbedürfnisse angepasst werden.
Chinin - bitterer Genuss
Ob als Erfrischung in Form von Tonic Water oder als Medikament gegen Malaria – bereits seit dem 17. Jahrhundert wird Chinin vielseitig verwendet. Für bestimmte Personengruppen ist jedoch Vorsicht geboten.
Wacholder - die Zypresse des Nordens
Als anspruchslose Friedhofspflanze wacht er über die Grenze zwischen Leben und Tod, findet sich in Longdrinks sowie Eintöpfen aller Art, wird als Heilpflanze verwendet und sein Holz sogar im Bogensport eingesetzt. Der Wacholder – ein vielseitiges Gewächs.
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